"Wichtig sind hier klare Regeln"

Beim Thema Kommunikation findet nicht selten eine Reduktion auf technische Möglichkeiten statt. Doch der Umgang mit der Informationsflut und dem medialen Überangebot ist wie auch das Miteinander-Reden gerade in Familien ein zentrales Thema, das Aufmerksamkeit bedarf, erklärt Psychotherapeut FSP Bernhard Bächinger.
Psychotherapeut FSP Bernhard Bächinger weiss, dass die Kommunikation in Familien auch ein gewisses Bemühen braucht, damit sie funktioniert. (Bild: zvg)
Während die mediale Informationsflut immer mehr zunimmt, scheint es so, als rede man innerhalb der Familien immer weniger (wirklich) miteinander. Teilen Sie diese Beobachtung oder sehen Sie hier keinen Zusammenhang?
   Interessant ist, dass ich viele Familien kenne, in denen ein reger Austausch stattfindet, in denen die Eltern miteinander die Erziehung ihrer Kinder besprechen, in denen auch die Kinder - entsprechend ihrem Alter - sich an Diskussionen beteiligen können. Ich kenne aber auch viele Familien, in denen wenig Struktur und Rituale vorhanden sind (z.B. kaum mehr ein gemeinsames Nachtessen aller Familienmitglieder, wenig gegenseitiges Interesse am Alltagsleben). Medial wird in diesen Familien schon kommuniziert, aber selten miteinander: die einen am Fernsehen, die anderen im Internet.

Was kann man tun, um die äussere Informationsflut innerhalb der Familie gemeinsam zu bewältigen?
   Wichtig sind hier klare Regeln: Welches Kind schaut - dem Alter entsprechend - wie viele Stunden und welche Sendungen pro Woche? Welche Sendungen werden gemeinsam angeschaut - und anschliessend miteinander diskutiert? Werden die vereinbarten Spielregeln auch eingehalten, mit entsprechenden Konsequenzen beim Überschreiten der Regeln? Gibt es auch Regeln für die Eltern, die ja eine Vorbildfunktion gegenüber den Kindern haben? 

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Stolperfallen in der Kommunikation innerhalb der Familie und was raten Sie, wie diese umgangen werden können?
   Eine der häufigsten Fallen ist das Nichtansprechen, das Vermeiden von Themen, die etwas schwieriger sind. Es braucht manchmal etwas Mut, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche mitzuteilen.

Wie können Eltern beispielsweise in einer Streitsituation zwischen Geschwistern, deeskalierend wirken?
   Eltern können als Mediatoren wirken, indem sie versuchen, die wirklichen Anliegen der Kinder, die hinter einem Streit vielleicht etwas verborgen sind, herauszufinden. Wichtig ist auch, nicht einseitig Stellung zugunsten eines Kindes zu nehmen. Denn zum Streiten braucht es bekanntlich zwei Personen.

Wann ist es ratsam, bei Problemen in der familiären Gesprächskultur Hilfe von Aussen herbei zu ziehen?
   Eine externe Hilfe ist dann sinnvoll, wenn die Gespräche in der Familie meist in einem destruktiven Streit enden und wenn diese Gespräche für die Familienmitglieder zunehmend belastend werden. Alarmierend ist die Situation dann, wenn innerhalb der Familie kaum mehr miteinander gesprochen wird. Ein paar wenige Gespräche mit der ganzen Familie bei einer Fachperson kann sehr viel Positives bewirken.

Wenn es zwischen den Eltern nicht mehr funktioniert, was raten Sie, um diese Spannungen von den Kindern fern zu halten?
   Die Eltern sollen darauf achten, gravierende Meinungsverschiedenheiten dann zu besprechen, wenn die Kinder nicht zu Hause sind. Oder sie sollen diese Probleme bei einem Spaziergang oder in einem Restaurant besprechen. Hilfreich können auch Gespräche mit einem anderen Elternpaar sein, mit dem ein gutes Einvernehmen besteht. Als zusätzliche Variante soll externe Hilfe bei Fachpersonen gesucht werden.

Quelle/Text: Interview: Nadine Rydzyk


Verwandte Artikel