Wenn Kaffee aufregt

Kennen Sie das auch? Nach einem doppelten Espresso beginnt Ihr Herz zu rasen und Sie werden unruhig. Hinter diesem Phänomen stecken unsere Gene - die sich aber auch austricksen lassen.
Was Getränke wie Kaffee und Tee, aber auch Cola und Kakao so beliebt macht, ist vor allem ihre anregende Wirkung. Doch genau diese beunruhigt manche Menschen: Nach koffeinhältigen Getränken fängt ihr Herz zu rasen an, sie beginnen zu schwitzen, werden unruhig und können noch Stunden danach nicht einschlafen. Viele von ihnen erleben auch eine unbestimmte Angst und verzichten daher entweder ganz auf Kaffee oder belassen es bei einer Tasse.

Ängstlichkeit ruht in den Genen
Unsere Gene sind massgeblich daran beteiligt, wie unser Körper auf Koffein reagiert: Deutsche und englische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine Variante im Gen des Adenosin-A2A-Rezeptors eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt. Info zwischen den Zeilen: Ein Rezeptor bindet in oder an einer Zelle an bestimmte Signalmoleküle und löst darauf Signalprozesse im Körper aus. Adenosin etwa blockiert die Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen und bewirkt damit, dass sich z. B. die Blutgefässe erweitern. Normalerweise dockt der Botenstoff Adenosin in bestimmten Bereichen des Gehirns an den Adenosin-A2A-Rezeptors Rezeptor an und löst damit eine beruhigende Reaktion aus. Ist das Rezeptor-Gen jedoch verändert, kann Koffein das Adenosin verdrängen. Die dämpfende Wirkung von Adenosin wird dann verhindert. Für den Effekt müssen die Betroffenen das veränderte Gen allerdings auf dem väterlichen und dem mütterlichen Chromosom 22 tragen: Nur dann reagierten sie schon nach zwei Tassen Kaffee mit Angstzuständen.

Die Dosis machts
In der Doppelblindstudie der deutsch-englischen Forschergrupe wurden an 379 Personen die unterschiedlichen Reaktionen auf Koffein geprüft. Nach 16 Stunden Koffeinkarenz erhielt die Koffeingruppe 100 mg, eineinhalb Stunden später 150 mg Koffein, der Kontrollgruppe wurde zweimal ein Placebo verabreicht. Vor und nach der ersten Gabe und nach der zweiten Gabe wurde jeweils das gefühlte Mass an Angst, Aufmerksamkeit und Kopfschmerzen mittels eines Standardfragebogens bestimmt. Personen mit der Genvariante reagierten nach der zweiten Koffeingabe - also nach umgerechnet circa zwei bis drei Tassen Kaffee - deutlich häufiger mit Angstreaktionen als Personen ohne Genpolymorphismus.

In einer anderen Studie reagierte bei einer niedrigen Dosis (50 mg) keine der Versuchspersonen mit Angst. Umgekehrt zeigten bei einer Koffeindosis von 400 mg alle Personen Herzrasen und Co. Diese Effekte waren - genauso wie die anregende Wirkung von Koffein - vorübergehend: Sie liessen kontinuierlich nach und waren nach einigen Stunden komplett abgeklungen.

Auch die Gene gewöhnen sich
Wer einmal solche Symptome nach dem Kaffee- oder Teetrinken erlebt hat, muss dies nicht sein Leben lang tun: Die Forscher zeigten, dass bei Menschen, die regelmässig eine mittlere (150 mg) oder hohe Dosis (400 mg) Koffein zu sich nehmen, der Geneffekt schwächer wird. Oder mit anderen Worten: Trotz der genetischen Vorbelastung können sich die Symptome zurückbilden, wenn man den Kaffeekonsum langsam und schrittweise erhöht.

Fazit
Nicht alle Menschen tolerieren eine moderate Koffeinmenge: Einige werden unruhig und ängstlich. Verantwortlich dafür ist eine kleine Variante im Erbgut. Die Symptome können jedoch reduziert werden, wenn man regelmässig moderate Mengen an koffeinhaltigen Getränken konsumiert, was etwa zwei Tassen Kaffee entspricht. Denn der Körper gewöhnt sich an die Koffeinmengen und reagiert dann milder. 

Quelle/Text: forum-ernaehrung.at


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