Erziehung ist lernbar

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr. Zu kaum einer Zeit war diese Volksweisheit so aktuell wie heute, denn der Erziehungsdruck auf Eltern ist in unserer Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft enorm gestiegen. Elternbildung steht deshalb hoch im Kurs. Wir stellen die wichtigsten standardisieren Kurse und Methoden für Eltern mit kleinen Kindern vor.
«Eltern, erzieht eure Kinder!» hören und lesen wir in den Medien. Von einem richtigen Erziehungsnotstand ist immer öfter die Rede, und sogenannte Super-Nannys feiern Hochkonjunktur. Auch im Zusammenhang mit dem vermuteten Anstieg von Gewalt in Kindergärten und Schulen sowie den zunehmenden Delinquenzraten bei Jugendlichen wird der Mangel elterlicher Erziehungsfähigkeit diskutiert. Sicher: Erziehung spielt eine grosse Rolle in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Denn Eltern haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie sich ihre Sprösslinge entwickeln. Sie begleiten ihren Nachwuchs auf dem Weg zur Selbständigkeit und vermitteln Werte von einer Generation an die nächste. Die meisten Eltern wollen ihren Kindern ihr Bestes geben und holen sich ihr Wissen dafür in Ratgebern oder an Elternbildungskursen. In diesem Bereich ist das Angebot gross und vielversprechend, doch wer die Wahl hat, hat auch die Qual. Nicht wenige Eltern fühlen sich angesichts dieser Tatsache überfordert, den für sie richtigen Kurs auszuwählen. Dazu kommt, dass, wie bei vielen Modeerscheinungen üblich, es auch hier einen neu entdeckten Ausdruck gibt, der in aller Munde ist und worunter jeder etwas anderes versteht. Die Rede ist von standardisierten Elternkursen zur Förderung elterlicher Erziehungskompetenzen. Doch was bedeutet standardisiert? Was können  Erziehende von einem standardisierten Elternkurs erwarten?

«Standardisiert» - ein Begriff aus der Statistik
«In der klinischen Psychologie, wie auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen ist »standardisiert» ein etablierter Begriff, der seinen Ursprung in der Statistik hat», erklärt Nicole Rubli, Präsidentin Verein Elternbildung Bern (VEB), Psychologin und Triple-P-Trainerin. «Standardisierte Werte gelten als Bezugsrahmen und Vergleichsbasis.» «Wir sind der Meinung, dass Eltern und Erziehende ein Recht haben auf qualitativ gute Kurse und Transparenz», sagt Maya Mulle, Geschäftsführerin des Schweizerischen Elternbunds (SBE). «Deshalb haben wir einen Kriterienkatalog für standardisierte Elternkurse formuliert.


Standardisierte Elternkurse:

Triple P Kids
Kinder zu fördern ist das Ziel von Triple P. Das bewährte Erziehungkonzept unterstützt Eltern bei der Kindererziehung und baut dabei auf den Stärken der Familie auf. Triple P steht für die drei Ps von «Positive Parenting Programm» - das positive Erziehungsprogramm erfordert oft nur wenige Veränderungen im Familienalltag. Der Kurs richtet sich an Mütter und Väter von 2 bis 12 jährigen Kindern und/oder von 11 bis 16jährigen Jugendlichen.
triplep.ch

Gordon-Training
Das Gordon-Training ist ein im Alltag anwendbares Modell und basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen und der humanistischen Psychologie von Carl Rogers. Das Gordon-Training baut auf wirkungsvollen Kommunikationsgrundsätzen und gewaltfreier Konfliktlösung auf. Deshalb ist es eine wirksame Alternative zu Drohung, Strafe und Familienstress.
gordontraining.ch

STEP ? Das Elterntraining
STEP ist ein strukturiertes, systematisches Elterntraining, das auf demokratischen Erziehungsprinzipien aufbaut. STEP hilft Eltern, ein kooperatives, stressfreieres Zusammenleben in der Familie zu erreichen und eine erfüllende, tragfähige Beziehung mit ihren Kindern aufzubauen.
instep-online.ch

MarteMeo
Marte Meo heisst «aus eigener Kraft». Die Holländerin Maria Aarts entwickelte diese Methode, weil sie realisierte, wie oft in der professionellen Arbeit mit Kindern und ihren Eltern Probleme vom Helfersystem kompensiert werden. Ihr war und ist es ein grosses Anliegen, die Eltern in ihrer Kompetenz zu stärken und zu aktivieren, ihre Probleme selber zu lösen. In der Beratungsarbeit mit Familien werden alltägliche Situationen gefilmt. Der Film wird danach nach Marte-Meo-Beobachtungskriterien analysiert und gemeinsam mit den Eltern aufgearbeitet. Im Alltag geht es dann darum, einfache Punkte umzusetzen.
martemeo.ch

Stark durch Erziehung
Die nationale Kampagne «Stark durch Erziehung» will die Erziehungskompetenzen von Eltern und Personen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, fördern. Die Familien sollen bei der Ausübung ihrer erzieherischen Verantwortung unterstützt und auf Beratungs- und Bildungsangebote für Eltern aufmerksam gemacht werden. Die Kampagne beruht auf den acht Kernaussagen «Liebe schenken», «Streiten dürfen», «Zuhören können», «Grenzen setzen», «Freiraum geben», «Gefühle zeigen», «Zeit haben», «Mut machen». Um die Kampagne wirksam zu unterstützen sind verschiedene Materialien entwickelt worden.
Diese können bei e-e-e.ch bestellt werden.

Kess-erziehen®
Der Kurs nimmt die Entwicklung des Kindes in den Blick, die gestützt wird durch Ermutigung, das Gefühl der Zugehörigkeit und verantwortungsvolle Einbeziehung in die Familiengemeinschaft. Er schaut auf die Bedürfnisse der Eltern und ermutigt dazu, für sich zu sorgen, Grenzen respektvoll zu setzen. Dieser Kurs richtet sich an Erziehende von Kindern ab zwei Jahren.
kess-erziehen.de

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