Ein Fall für die Schuldenbremse

In welchen Fällen lohnt es sich, die Hypothek zu amortisieren und in welchen nicht? Finden Sie es hier heraus.
Heute ist es zwar billig, Schulden zu machen, weil die Zinsen so tief sind wie noch nie in den letzten 150 Jahren. Rund 70'000 bis 80'000 Franken - das ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Hypothekarschuld in der Schweiz.

Hohe Hypothekarschulden
Auffallend hoch ist die durchschnittliche Pro-Kopf-Hypothekarschuld im internationalen Vergleich aus verschiedenen Gründen: Wir bauen etwas teurer und perfektionistischer, und wir kommen in den Genuss eines hoch stehenden Bankensystems, das die Volkswirtschaft reichlich mit Krediten versorgt.

Unser System kennt noch eine weitere Besonderheit: Selbst nach 20 oder 30 Jahren müssen die Hauskredite nicht vollständig zurückbezahlt respektive amortisiert werden, was international sehr aussergewöhnlich ist.

Je nach Bank ist eine Amortisation bis 65 Prozent des Verkehrswertes verlangt, und zwar innerhalb von 20 Jahren nach dem Kauf oder oft auch bis zur Pensionierung. Um ihre Marktanteile zu halten, machen die Banken heute sogar bei dieser laxen Amortisationspraxis Kompromisse.

Schuldenwirtschaft mit Fragezeichen
Doch ist es für Wohneigentümer wirklich klug, derart hohe Schuldenberge aufzutürmen und über lange Zeit so stehen zu lassen? Steuerliche Überlegungen führen zur Einsicht, dass es sich lohnen kann, weil Schuldzinsen steuerlich abziehbar sind.

Analysiert man die Fragestellung aber anlagetechnisch, drängen sich andere Schlüsse auf: In vielen Fällen zahlen sich die Schulden finanziell nicht aus. Wer Ersparnisse hat, die schlecht verzinst auf einem Bankkonto parkiert sind, erwirtschaftet damit heute weniger Zins, als was Hypotheken kosten.

Also müsste es heissen: Hauseigentümer, die Schuldenbremse betätigen und Hypotheken amortisieren! Jeder Fall liegt allerdings wieder anders, und es sind auch Aspekte der Finanzplanung und Altersvorsorge sorgfältig ins Kalkül zu ziehen.

Quelle/Text: Jürg Zulliger


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