Aus einem Paar werden Eltern

Bestimmt wurden Sie von Paaren, die bereits Kinder haben, schon darauf vorbereitet, dass nach der Geburt einige Veränderungen ins Haus stehen. Dies stimmt nicht ganz so, denn eigentlich ändert sich alles.

Das Beste gleich zu Beginn: Diese Veränderungen bringen unglaublich viel Schönes und Wunderbares mit sich. Sie bereichern Ihr Leben um eine neue Dimension, und die Beobachtung der Entwicklung Ihres kleinen Geschöpfes kann die Quelle unzähliger Glücksmomente sein. Aber glauben Sie nicht, das Baby trinkt und schläft und ansonsten bleibt alles beim Alten.

Die Partnerschaft junger Eltern ist besonderen Belastungen ausgesetzt, auch wenn die Partner bislang harmonisch und ohne Aggressionen miteinander umgegangen sind und das Kind die Erfüllung ihres grössten Traumes darstellt. Die komplette Umstellung des Alltags auf die Bedürfnisse des Kindes, die Unsicherheit im Umgang mit dem Baby, Schlafentzug und das Gefühl, nie eine ruhige Minute zu haben, fordern ihren Tribut. Studien belegen, dass zwei Drittel der Eltern vor der Geburt deutlich zufriedener in ihrer Partnerschaft waren und auch viel weniger stritten. Manche erkennen ihren Partner in der geänderten Situation nicht wieder - eine Mutter sagte mir gegenüber bestürzt: «O Gott, was habe ich da nur geheiratet!» - , und besonders Väter unterschätzen die Gefühle einer Mutter zu ihrem Kind. Mütter sind andere Frauen.

Ganz wichtig ist deshalb, dass man nicht ganz unvorbereitet in die Situation geht. Das Wissen um die häufigsten Ursachen von Missstimmungen trägt dazu bei, diese frühzeitig zu erkennen und somit leichter abfangen und besprechen zu können. Die Partner sollten schon vor der Geburt ihre Vorstellungen, Wünsche und Gedanken besprechen und sich damit auseinandersetzen, dass nach der Geburt nichts mehr so ist wie es war. Dabei sollten beide Partner - bei aller Rücksicht auf ihr Kind - vor allem darauf achten, dass sie sich auch weiterhin umeinander kümmern, da die Bedürfnisse des Partners nach wie vor da sind und - vielleicht in etwas veränderter Form - erfüllt werden wollen. Eine Mutter gestand mir: «Meine Kinder liebe ich sehr, und sie sind mir ganz wichtig. Aber mit meinem Mann möchte ich alt werden, und er ist mir genau so wichtig und lieb. Mit diesem Bewusstsein möchte ich mein Familienleben organisieren.»

Das finde ich einen guten Ansatz und lege deshalb werdenden Eltern nahe, sich vor der Geburt nicht nur um Geburtsklinik und Kinderwagen zu kümmern, sondern vor allem mit dem Partner über gegenseitige Erwartungen, über mögliche Arbeits- und Zeitaufteilung, Schaffung von Freiräumen, Hilfen im Haushalt und über die Betreuung zu sprechen. Besonders, wenn Mutter und Vater beide nach der Geburt wieder arbeiten wollen, ist das unerlässlich. Denn nichts ist für das neue Familienmitglied belastender als eine angespannte Familienatmosphäre, weil beide Partner sich das Zusammenleben irgendwie anders vorgestellt haben oder plötzlich merken, dass der Partner nicht bereit ist, die von ihm erhofften Erwartungen zu erfüllen.

Mit solchen Gesprächen soll die Vorfreude auf das neue Familienleben nicht getrübt werden, ganz im Gegenteil: Wenn Sie sich in einer entspannten Atmosphäre mit Ihrem Partner austauschen können, macht Sie das stark, später mit Stresssituationen gelassener umgehen zu können. Gerade Paare, die früher ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führten, sollten sich vor der Geburt ehrlich darüber austauschen, wie sie sich das Leben zu dritt vorstellen, was für sie wichtig ist und wie sie sich organisieren wollen. «Nichts hat mir mehr Spass gemacht und zugleich mehr Ärger eingebracht», soll der Schauspieler Brad Pitt nach der Geburt seiner Zwillinge gesagt haben. Und er hatte schon Erfahrung als Vater und viele helfende Hände um sich herum.

Sowohl für die Mutter als auch für den Vater finden nach der Geburt enorme Veränderungen statt, die verarbeitet werden müssen. Bei der Frau sind diese nach der Schwangerschaft und der Geburt insbesondere hormonell bedingt. Die meisten Frauen sind in dieser Zeit viel sensibler und oft den Tränen nahe. Durch den Schlafmangel sind manche auch schnell gereizt und sehr stimmungsschwankend. Hinzu kommen die ständige Unsicherheit und Fragen wie: Schaffe ich das? Bekommt mein Kind alles, was es braucht? Entwickelt es sich altersgerecht? Kann ich das Leben mit meinem Kind gut organisieren? Fragen, die Sie sich früher wahrscheinlich schon einmal gestellt haben, die nun aber mit einem Kind im Arm, noch einmal sehr viel drängender werden und auch eine andere Bedeutung bekommen. Besonders Frauen, die vorher berufstätig waren, müssen sich daran gewöhnen, dass ein straff organisierter Terminkalender mit einem neugeborenen nur schwer eingehalten werden kann und dass manche Dinge, die früher in wenigen Minuten erledigt waren, jetzt Stunden dauern können.

Mutter und Kind haben vor allem durch das Stillen von Anfang an eine sehr enge Symbiose. Manchen Vätern bereitet dies Schwierigkeiten. Sie fühlen sich ausgeschlossen, weil sie ihr Kind nicht stillen bzw. füttern können. Sie meinen, dadurch nicht die Nähe und enge Bindung zum Säugling aufbauen zu können und ihn auch nicht so gut beruhigen zu können wie die Mutter. Aber auch die Veränderung der Frau, die Wandlung der Geliebten in eine Mutter verunsichert manch einen Ehemann und Vater. Die Bedürfnisse des Säuglings stehen nun an erster Stelle, und manchem bereitet es Schwierigkeiten, auf einmal in der zweiten Reihe zu stehen. Einige Väter verspüren deshalb eine leichte Eifersucht auf das eigene Kind, was ihnen wiederum ein schlechtes Gewissen verursachen kann. Manche Männer versuchen dann auf ungewöhnliche Weise auf sich aufmerksam zu machen.

Jedes Paar braucht nach der Geburt des Kindes Zeit, sein Gleichgewicht wieder zu erlangen und sich in die neuen Rollen einzufinden. Gerade in diesen ersten Wochen, bis die «neue» Familie ihren Rhythmus gefunden und sich aufeinander eingespielt hat, benötigen die Eltern deshalb Freiräume, um etwas zur Ruhe zu kommen, sich austauschen zu können, um möglichen Missverständnissen und Enttäuschungen begegnen zu können. Diese Freiräume kann man sich schaffen, auch wenn man ein Baby hat, das wenig schläft und / oder viel schreit oder wenn es voll gestillt wird. Einen Babysitter schon früh einzuplanen, empfinde ich nicht als Herzlosigkeit oder gar als Abschieben. Kennt sie den Tagesablauf und die Bedürfnisse des Babys, geht mit ihm liebevoll um und besitzt das nötige Vertrauen der Eltern, kann eine weitere Bezugsperson für das Kind eine wirkliche Bereicherung sein, und es wird gerne bei ihr sein.

Babysitter können die eigenen Eltern, Freunde oder Nachbarn sein oder jemand, den man über eine Anzeige findet. Einmal in der Woche, vierzehntägig oder auch nur ein -einziges Mal im Monat sich wieder als Paar zu erleben, einen Theater- oder Kinobesuch zu unternehmen oder einfach nur zu zweit schön essen zu gehen, kann Energie und gegenseitiges Verständnis zurückgeben, das das Leben mit dem Neugeborenen zur glücklichen Bereicherung macht.

Quelle/Text: Erika Wüchner


Liebe werdende Eltern

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Schwangerschaft!

Jetzt beginnt eine spannende Zeit, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.
Für werdende Mütter gibt es heute eine Flut von Informationen, aus denen Sie wählen können. Um Entscheidungen bewusst treffen zu können, sollten Sie herausfinden, was Ihnen ganz persönlich wichtig ist.


Die fachlichen Informationen bietet Ihnen kurz zusammengefasst unser Ratgeber. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Geburt Ihres Babys nicht nur das überwältigendste Erlebnis Ihres Lebens wird - das wird es bestimmt -, sondern auch das Bedeutendste.

Doch noch dauert es noch ein paar Monate, bis Sie Ihr Baby in den Armen halten. Geniessen Sie diese Zeit und nutzen Sie sie für eine optimale Vorbereitung.

 

Herzlich, Christina Bösiger - Chefredaktorin

 

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