Noémi, ein Kind mit Diabetes
Die achtjährige Noémi lebt seit drei Jahren mit Diabetes, der sogenannten Zuckerkrankheit. Was ist anders im Leben dieses Mädchens als bei anderen Achtjährigen? Welchen Einfluss hat diese Krankheit auf ihr Familienleben?
Noémi erzählt: "Wie alle gesunden Kinder, kann ich essen, was ich möchte, nur nicht wann immer ich will und nicht so viel wie ich möchte." Mit einem kleinen Stich in den Finger misst sie sich selbständig den Blutzucker und überträgt den Wert mit Glitzerstift in ihr Diabetesbüchlein. Mit ihren Eltern bespricht sie, welche Art und Menge der Zwischenmahlzeit sie aufgrund von ihrem Blutzuckerwert zu sich nehmen darf.Sieben Mal pro Tag Blutzucker messen, Insulin spritzen und dann erst essen - für Noémi und ihre Eltern ist das inzwischen normal. Um zu wissen, wie viel man spritzen muss und anschliessend essen darf, müsse man halt rechnen können, erklärt sie und macht eine Honig-Magnum-Nutella Rechnung, als wäre es ein Kinderspiel! Sie weiss genau, 6 Gramm Honig oder 10 Gramm Nutella darf sie auf 40 Gramm Frühstücksbrot streichen oder eine Mini Magnum zum Zvieri essen, weil es genau einem Brotwert entspricht. Die Zweitklässlerin hat gelernt, dass ihr Körper bei Bewegung mehr Energie braucht. Deshalb trinkt sie vor dem Turnunterricht einen Orangensaft. An Kindergeburtstagen nimmt sie ihre Küchenwaage mit, wiegt ein Kuchenstück ab und misst ihren Blutzucker. Darauf ruft sie ihre Mutter an, die ihr sagt, wie viel Insulin sie spritzen muss. Dann erst darf Noémi ihren Kuchen essen. Für sie ist es nur ein kleiner Unterschied. "Ich kann eigentlich alles genau gleich machen wie meine Freundinnen in der Schule und muss auf nichts verzichten", erklärt Noémi.
Aber was ist anders geworden in den drei Jahren, seit sie erfahren hat, dass sie zuckerkrank ist? "Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer eine Tasche mit meinem Blutzuckermessgerät, der Insulinspritze, dem Traubenzucker, meinem Handy und meiner Notfallkarte dabei." Ihr Vater ergänzt: "Ihr Alltag muss regelmässiger und mit fixen Essenszeiten verlaufen. So ist beispielsweise ein Dessert kein Problem, nur müssen wir es vor dem Essen einplanen, damit sie sich mehr Insulin spritzen kann. In solchen Dingen können wir weniger spontan sein."
Es ist beeindruckend, wie es Noémi gelingt, sich trotz Zuckerkrankheit gesund zu fühlen und ein weitgehend normales Kinderleben zu führen. Ihr grösster Wunsch wäre, ein Pferd oder einen Delphin zu haben - normale Kinderwünsche eben.
Der selbstverständliche Umgang mit dem "Zucker" gelang nicht von heute auf morgen. Zu Beginn waren die Eltern ängstlich und unsicher. Mit Unterstützung der Diabetesfachberaterin vom Kinderspital galt es für die ganze Familie vieles zu lernen und Sicherheit zu gewinnen.
Diabetes beim Kind - Die Rolle der Diabetesfachberaterin >
Quelle/Text: E. Seidel, K. Kambli, A. Kocher, S. Chettata, Studentinnen Pflegewissenschaft Universität Basel
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