Diabetes beim Kind - Die Rolle der Diabetesfachberaterin
Zuckerkrankheit im Kindesalter, in der Fachsprache Diabetes, stellt das Leben des betroffenen Kindes und seiner ganzen Familie auf den Kopf. Nach der ersten Bestürzung über die Diagnose muss der Umgang mit der Krankheit von Kind und Eltern möglichst schnell erlernt werden.
Diabetesfachberaterinnen, Pflegefachpersonen mit einer Zusatzausbildung, unterstützen die Familien in diesem Lernprozess. Sie begleiten die durch die Diagnose verunsicherten Familien auf ihrem Weg zu einem möglichst normalen und vertrauten Alltag mit Diabetes.Wird bei einem Kind Diabetes festgestellt, so wird es zuerst im Kinderspital betreut. Bereits in den ersten Tagen im Spital geht die Diabetesfachberaterin Vreni Ritschard zu ihren kleinen Patienten und deren Eltern und erklärt ihnen die Krankheit Diabetes bildlich: "Das Auto braucht Energie in Form von Benzin und einen Schlüssel, damit es fahren kann. Auch der Mensch braucht Energie in Form von Nahrung um zu leben. Die Kohlenhydrate aus der Nahrung werden in Zucker umgewandelt. Damit der Zucker als Energie in die Zellen gelangt, braucht es einen Schlüssel, der die Zellen öffnet. Dieser Schlüssel ist das Insulin. Beim Kind mit Diabetes fehlt es und muss deshalb ins Bein oder in den Bauch gespritzt werden." Sie zeigt dem Kind und seinen Eltern, wie sie den Blutzucker messen können. Nicht nur das Kind muss lernen sich Insulin zu spritzen, auch die Eltern müssen angeleitet werden. Unter den fachkundigen Augen von Vreni Ritschard üben sie es zuerst an sich selbst. Mit dem Spritzen allein ist es aber noch nicht getan. Kind und Eltern lernen eine Unterzuckerung erkennen und richtig darauf zu reagieren. Zudem werden die Ernährung und die Insulin-Therapie aufeinander abgestimmt, damit Blutzucker und Insulin im Gleichgewicht bleiben.
Nach intensiven Spitaltagen darf das Kind nach Hause. Die Begleitung durch die Diabetesfachberaterin endet damit aber nicht. Bei den regelmässigen Nachkontrollen im Kinderspital hat Vreni Ritschard stets ein offenes Ohr für krankheitsbedingte Fragen, Konflikte, Befürchtungen und Ängste und steht mit Rat und Tat zur Seite. Für die Eltern ist es herausfordernd, ihr Kind den unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen angepasst zu unterstützen. Im Kleinkindesalter übernehmen die Eltern die Therapie. Je älter das Kind wird, desto mehr kann und soll es aber lernen, mit seiner Krankheit selbst einen Weg zu finden und sich für seine Gesundheit verantwortlich zu fühlen. Lehrpersonen und Mitschüler müssen über die Krankheit informiert sein, damit sie Verständnis für notwendige Blutzuckerkontrollen oder Extramahlzeiten während des Unterrichts aufbringen und die Gefahr einer Unterzuckerung kennen. Für Vreni Ritschard und andere auf kindlichen Diabetes spezialisierte Pflegefachfrauen gehören also auch Schulbesuche in "betroffenen" Klassen zum Arbeitspensum.
Das alles macht deutlich: Diabetes ist kein Pappenstiel. Es braucht geschulte Pflegepersonen, die den betroffenen Familien zur Seite stehen. Trotzdem, Alarmstimmung ist nicht angesagt. Vreni Ritschard ist überzeugt, dass ein Kind mit Diabetes in einer informierten und verständnisvollen Umgebung einen weitgehend normalen Kinderalltag leben kann.
Noémi, ein Kind mit Diabetes >
Quelle/Text: S. Chettata, K. Kambli, E. Seidel, A. Kocher, Studentinnen Pflegewissenschaft, Universität Basel
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