Grüne Kinder für die Zukunft

Kindern und Jugendlichen ist die Umwelt nicht egal. Dies belegen diverse Studien. Dass die nächste Generation Gestaltungsverantwortung für unsere Umwelt übernehmen kann und will, ist auch das Verdienst der Umweltbildung an unseren Schulen.
Umweltbildung hat in der Schweiz eine lange Tradition. Sie basiert auf der Natur- und Heimatschutzerziehung, deren Ursprung bis ins Jahr 1910 zurückreicht, als der Schweizerische Bund für Naturschutz gegründet wurde. Bereits damals engagierten sich Biologielehrer und Naturschützer für mehr Umweltbildung an den Schulen.

Heute hat das Thema einen festen Platz in den Lehrplänen. Schon die kleinsten Knirpse und Primarschüler werden, ihrem Niveau entsprechend, in die komplexe Thematik Umweltschutz, Naturschutz, Nachhaltigkeit eingeführt. Damit diese schwierigen Inhalte auf den verschiedenen Schulniveaus vermittelt werden können, haben Bund, Kantone, Gemeinden und Organisationen der Bildung und des Umweltschutz die Stiftung Umweltbildung Schweiz (SUB) gegründet. Die SUB gilt als nationales Kompetenz- und Koordinationszentrum für Umweltbildung im Schulsystem. Sie vermittelt eine Fülle von Informationen und Projekten zum Thema Umweltbildung auf den verschiedenen Schulstufen sowie Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen.

Schätzen = schützen
Dass Kinder in der Schule Umwelterziehung vermittelt bekommen, ist in den Lehrplänen zwar verankert. Aber: Die kantonalen Lehrpläne weisen bis heute grosse Interpretationsspielräume auf. Dies hat zur Folge, dass die Lehrpersonen, je nach Werthaltung, Umweltthemen mehr oder weniger stark in den Unterricht einfliessen lassen können. Dies soll sich nun ändern. Die SUB ist an der Erarbeitung des neuen Lehrplans 21 beteiligt. Dieser gilt ab dem Jahr 2014 in allen Deutschschweizer Kantonen und schafft verbindliche Richtlinien.

Wie werden denn heute komplexe Themen wie «Umweltschutz», «Naturschutz» oder «Nachhaltigkeit» im Unterricht vermittelt? «Damit Umweltbildung erfolgreich ist, müssen Kinder und Jugendliche einen direkten Bezug zu ihrem Alltag schaffen können und dabei auch ganz konkrete Handlungsmöglichkeiten sehen», erklärt Irene Pozzy, Mittelstufenlehrerin in Brütten, Zürich. Sie unterrichtet eine altersdurchmischte Lerngruppe  (4./5./6. Klasse) und integriert Umweltbildung nicht in speziellen Unterrichts-blöcken, sondern wann immer es zum behandelten Thema passt. «Ein Beispiel zur Nachhaltigkeit», erklärt sie. «Im Moment führen wir seit über einem Jahr das Projekt ?Essen im Wald?. Einmal im Monat kochen und essen wir mit unserer Lerngruppe im Wald. Hier sind wir mitten in der Natur und die Kinder bekommen - nebst dem gemeinschaftsbildenden Aspekt - einen positiven emotionalen Bezug zur Natur. Sie erkennen, was nachhaltig geschützt werden muss, ihre nächste Umgebung. Denn was man schätzt, das schützt man.» Die eigenen Erfahrungen und das eigene Handeln haben wohl den grössten Einfluss auf das Verhalten. Und am meisten Erfahrungen sammeln Kinder im familiären Umfeld. Die Eltern sind also als Vorbilder gefordert, dies belegt auch die BeobachterNatur-Umfrage vom vergangenen Frühjahr: Ist Umweltschutz zu Hause ein Thema, verfügen die Jugendlichen meist über mehr Wissen und haben auch mehr Ideen, was sie persönlich zum Schutz der Umwelt beitragen können.

Wissen ja - aber umsetzen?
«Gebt uns ruhig die Schuld daran, den Rest könnt ihr behalten», rappten die «Fantastischen Vier» sich im vergangenen Sommer in die Charts. Sie drücken damit wohl aus, was eine ganze Generation empfindet: Alle fühlen sich betroffen, ja schuldig, ökologisch gehandelt wird aber nur, wenns billig und bequem ist. Die Umfrage von BeobachterNatur zeigt auf, dass die Gruppe der «pragmatischen Idealisten» mit Abstand die grösste ist: Diese Gruppe befürwortet Umweltschutz - wenn er nicht zu viel kostet oder den Lebensstandard nicht zu stark beeinträchtigt. Ist also der Preisunterschied zwischen Bio- und herkömmlichen Produkten zu gross, werden herkömmliche Produkte bevorzugt. Hier zeigt sich auch gleich die allergrösste Hürde: Die Schüler müssen das vermittelte Wissen nicht nur aufnehmen, sondern auch im Alltag umsetzen können und wollen.

Diese Differenz zwischen Wissen und Handeln stellen auch die Lehrpersonen im Unterricht fest. Ein Beispiel aus der Praxis von Sabrina Kuratli, Unterstufenlehrerin einer altersdurchmischten Lerngruppe (1./2./3. Klasse) in Brütten: «Wir haben das Thema Abfall alle gemeinsam in der Unterstufe behandelt. Wir gingen in den Wald und an den Strassenrändern Abfall einsammeln und haben ihn anschliessend fachgerecht entsorgt. Dabei war uns wichtig, den Kindern zu zeigen, wo was entsorgt werden kann. Besonders eindrücklich war für die Kleinen, dass viel Abfall zusammengekommen ist, obwohl die Landschaft auf den ersten Blick gar nicht erkennbar "vermüllt" war», fasst Primarlehrerin Kuratli zusammen. Begleitet wurde das praktische Programm von Interviews, das die Kinder mit den Grosseltern oder einer älteren Person führten. Sie erfuhren dabei, wie man früher mit dem Abfall umging und wie viel (wie wenig) Müll überhaupt anfiel. «Die Kinder wissen viel darüber, wie Abfall getrennt wird und es ist ihnen auch klar, weshalb man den Abfall nicht einfach so wegwerfen soll. Allerdings können sie ihr theoretisches Wissen fast nicht auf andere Bereiche übertragen. Es ist doch einfach zu lustig, beim Pinselauswaschen zu "götschen" als dass man ans Wassersparen denken könnte.» «Theoretisches Wissen und praktische Umsetzung klaffen weit auseinander», so auch Irene Pozzy, «da scheint ein lieber Wichtel zu Hause das Licht zu löschen, die Tür zu schliessen, den Computer auszuschalten ...»
Kinder können schon sehr früh lernen, sich aktiv für die Umwelt einzusetzen.
Eltern und  Erwachsene sind dabei ihre Vorbilder.

Kidy swissfamily: Oktober/2010

Quelle/Text: Esther Mogicato


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