Doppelt gemoppelt
Die Zahl der Zwillingsgeburten ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Ein Blick auf eine ganz besondere Geschwisterkonstellation.
«Hoppla! Es sind ja zwei!» Ungefähr so kann es tönen, wenn ein Pränataldiagnostiker auf dem Ultraschallbildschirm Zwillinge entdeckt. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anteil an Mehrlingsgeburten rasant gestiegen. Seit 1970 hat er sich gar verdoppelt - auf 17 Zwillinge pro 1000 Geburten. Dabei blieb die Geburtenrate eineiiger Zwillinge ziemlich konstant bei 3 bis 4 auf 100 Geburten. Zugenommen haben also besonders die Geburten zweieiiger Zwillinge. Ein Grund für den Anstieg ist das steigende Alter der Mütter, denn Frauen in den Dreissigern gebären besonders häufig Zwillinge. Zudem trägt die vermehrte Inanspruchnahme von Fruchtbarkeitsbehandlungen seit den Siebzigerjahren zum Anstieg der Mehrlingsgeburten bei. Andere Erziehung bei Mehrlingen?
Wenn statt eines erwarteten plötzlich zwei Herzen auf dem Monitor erscheinen, ist der Schreck häufig gross. Im ersten Moment ist man vielfach schlicht überfordert: Es wird jetzt alles eine Nummer grösser, ausser dem Inhalt des Geldbeutels, der wird definitiv kleiner. Ausserdem stellen sich viele Fragen: Können auch Zwillinge gestillt werden? Sollen die Kleinen getrennt oder zusammen schlafen? Wie kann man gleich zwei Babys, zwei Kleinkindern gerecht werden? Sollen die zwei in verschiedene Kindergarten- oder Schulklassen? In den Erziehungsgrundsätzen bleibt sich alles gleich. Es ist aber schon so, da muss man ehrlich sein: Zwei gleichaltrige Babys, zwei Kleinkinder verursachen oft nicht nur doppelt so viel Arbeit und Stress, sondern manchmal gar im potenzierten Ausmass. Das heisst einzig und allein: Man muss sich optimal organisieren und für Ausflüge oder grössere Unternehmungen eine helfende Hand besorgen. Sind die Zwillinge grösser, ist es eine grosse Erleichterung, dass immer ein Spielpartner da ist...
Identisch und verschieden
«Streiten Ihre Zwillinge eigentlich viel?» Vermutlich jede Zwillingsmutter, jeder Zwillingsvater kennt diese Frage. Vor allem von eineiigen, also genetisch identischen Zwillingen, wird angenommen, dass sie stets harmonisch zusammen seien. Manchmal stimmt das auch. Aber Neid, Eifersucht und Streit gehören genauso wie bei andern Geschwistern zum Alltag dazu. Und so sehr sich das Doppelpack manchmal äusserlich gleicht - jedes hat eine eigene Persönlichkeit. In der Regel teilen Zwillinge einander gerne eine ganz persönliche Rolle zu, um sich gegenseitig zu ergänzen. Dabei übernimmt der eine oft die eher dominante Rolle, während sich der andere eher in den Hintergrund zurückzieht.
Zwillingskinder müssen die Aufmerksamkeit der Eltern, der Geschwister teilen, vom ersten Moment der Entstehung an. Das ist speziell, und oft haben Eltern das Gefühl, jedes der Kinder käme irgendwie zu kurz. Andererseits entwickeln Zwillinge durch das ständige Beisammensein eine unheimlich enge Bindung zueinander. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Zwillinge in der Kindheit mehr Zeit miteinander als mit ihrer eigenen Mutter verbringen! Sie bekommen also voneinander etwas ganz Besonderes, das ihnen sonst niemand geben kann.
Emotional bringt diese enge Bindung an die Schwester oder den Bruder schon früh einen Vorteil mit sich. Die Kleinen reagieren aufeinander und beruhigen sich auch gegenseitig. Mit Tasten, Fühlen, in den Mund nehmen, Beissen, Zerren oder Stossen baut sich eine Nähe auf, die ein ganzes Leben lang halten kann.
Nähe und Abstand
Wie viel Nähe oder wie viel Abstand zwischen Zwillingspaaren soll denn nun sein? Spätestens vor Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule stellen sich Eltern diese Frage vermehrt. Auseinanderreissen oder zusammen lassen? Viele Studien haben inzwischen die Folgen dieser Trennung untersucht und positive Effekte nur für Zwillinge in höheren Lerngruppen entdeckt. Es gibt schlicht kein Patentrezept.
Die Kinder sollen auf jeden Fall die Möglichkeit haben, sich als eigenständige Persönlichkeiten zu entwickeln, anstatt sich als «Zwillingshälften» zu sehen. Trennt man die zwei, können die Kinder selbstständiger werden, werden sich nicht so sehr als Doppelpack abschotten. Auch eigene Freundschaften können so einfacher geschlossen werden. Manche Zwillinge allerdings sind schier unzertrennlich und leiden (vor allem in tieferen Lerngruppen) zu sehr unter einer Trennung.
Auf jeden Fall sollte der Entwicklungsstand beachtet werden - ist ein Kind in vielen Bereichen des schulischen Alltags weiter entwickelt, ist es von Vorteil für beide, wenn sie sich in verschiedenen Lerngruppen entwickeln können.
Eigene Persönlichkeit fördern:
Sprechen Sie die Kinder konsequent mit Namen an. Also nicht: «Zwillinge, könnt ihr mal...»
- «Wer wars?» Schwierig herauszufinden bei Zwillingen. Sie decken
sich ja gegenseitig und schauen beide unschuldig in die Luft, das gibt ihnen ungewöhnliche Freiheiten. Sie als Mutter kennen aber ihre Pappenheimer: Sprechen Sie die Kinder direkt an und verteilen Sie keine Kollektivstrafen - Fördern Sie die Eigeninteressen der Kinder, sofern dies möglich ist
- Schicken Sie nicht beide in den Blockflötenunterricht, obwohl nur eines begeistert ist
- Unternehmen Sie ab und zu etwas mit den Kindern getrennt - das ermöglicht viel Raum für Gespräche
Mehr Infos:
schweizerischerzwillingsverein.ch
zwillinge.ch
zwillinge.at
Kidy swissfamily: August/2010
Quelle/Text: Esther Mogicato
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Werkstättli
- Spielgruppe Geisseblüemli5330 Zurzach
- Spielgruppe, Katharina Bruletti 3600 Thun
- Musikschule beider Frenkentäler4436 Oberdorf
- Verband Musikschulen Schweiz4051 Basel
8810 Horgen
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