Spielplatz Internet
Kinder entdecken die grosse Welt des Webs heute früh und probieren die vielfältigen Möglichkeiten fleissig aus. Allerdings: Ungeschützt lauern dort Gefahren auf sie. Eltern tun gut daran, sich schlauzumachen, wie sie den Gefahren richtig begegnen.
Kunterbunte Shops mit blinkender Werbung und verlockenden Schnäppchenangeboten, dunkle Seitengassen mit Spielkasinos aller Art, Peep-Shows, Kriminelle, Extreme und Abzocker: Hier ist alles zu finden - ausser die Polizei. Nein, nicht die Rotlichtszene irgendeiner Grossstadt ist hier gemeint, sondern das Internet. Hier lauern an jeder Ecke neue Versuchungen, ungeahnte Möglichkeiten und auch zweideutige Gestalten. Ein Spielplatz für Kinder? Eher nicht, würden Sie nun vermutlich antworten. Warum spielen dann trotzdem so viele Kinder und Jugendliche direkt im Internet? Klar, weil es Spass macht! Langeweile? Hat hier keine Chance, denn die Welt des Webs scheint unendlich gross! Kein Wunder halten sich - gemäss neuesten Studien - bis zu 95 Prozent unserer Kinder und Jugendlichen täglich ein- bis mehrmals im Netz auf. Der Zugang zum Internet ist einfach geworden, denn heute steht in fast allen Haushalten in der Schweiz ein oder mehrere PCs. Berührungsängste kennen Kinder nicht. Im Gegenteil. Sie probieren alles aus: Sie chatten, googeln, bloggen, skypen, gamen, twittern oder «adden» bei Facebook neue Freunde. Per Mausclick sind sie so mit der ganzen Welt verbunden, finden Gleichgesinnte, schliessen Freundschaften, verabreden sich zu Partys und vieles mehr.
Doch wie fast alles, was Spass macht, hat auch das Schattenseiten, die verantwortungsbewusste Eltern im Auge behalten sollten. Denn aus Unwissenheit oder Desinteresse vieler Erziehenden bleibt es allzu oft den Kindern und Jugendlichen überlassen, wie sie beispielsweise ihr Handy nutzen, welche Filme sie sehen, welche Internet-Seiten sie besuchen oder mit wem und auf welchen Plattformen sie chatten.
Wenn Kinder beginnen, Medien eigenständig zu konsumieren, setzen sie sich Risiken aus. Allerdings sind sich Kinder und auch viele Eltern - im Unterschied zu einem realen Spielplatz - der Gefahren im Internet weit weniger bewusst. So schützt man im richtigen Leben seine Sprösslinge und besteht beispielsweise auf Helme beim Fahrrad- oder beim Skifahren, ermahnt sie zur Vorsicht im Strassenverkehr oder verbietet ihnen, zu Fremden ins Auto zu steigen oder alleine in den Wald zu gehen. Hingegen ist es für viele ganztags abwesende Eltern beruhigender zu wissen, dass ihre Kinder an schulfreien Nachmittagen alleine oder mit Freunden zu Hause im vermeintlich sicheren Heim sind, als dass sie sich irgendwo draussen aufhalten. Und so erlauben sie das - meist unbeaufsichtigte - Spielen und Surfen am Computer, ohne sich darüber allzu grosse Gedanken zu machen. Was soll da schon passieren, schliesslich wird damit nicht zuletzt ihre Medienkompetenz gefördert!
Schockinhalte sind potenziell überall
«Sicher, das Internet hat viele positive Seiten - das bezweifelt heute kaum jemand», sagt Paul Heinzelmann, Leiter des Elternkurses von Swisscom zum Thema Jugendmedienschutz. «Doch auf der Suche nach Informationen für ein Schulprojekt, beim Surfen mit Freunden oder beim Spielen eines Online-Games: Kinder und Jugendliche können überall auf Inhalte stossen, die nicht für sie geeignet sind. Dazu gehört neben Gewaltdarstellungen, rassistischen und fundamentalistischen Ansichten sowie anderen ?Ekelinhalten? auch die Pornografie.»
Tatsache ist, dass wir alle uns heute einen Alltag ohne Internet kaum mehr vorstellen können. «Gerade deswegen schätzt man die Gefahren oft falsch ein», erklärt Paul Heinzelmann. «Eltern nutzen das Internet meist beruflich und völlig anders als ihre Kinder. Sie haben oft keine Vorstellung davon, wie, wo und mit wem ihr Nachwuchs im Netz unterwegs ist und mit was für Inhalten er dort innerhalb kürzester Zeit konfrontiert wird.» So sind beispielsweise Chaträume und Social-Networks bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Sie bieten einen elternfreien Raum zur Selbstverwirklichung und Kommunikation: Um neue Erfahrungen zu machen, Kontakte zu knüpfen oder auch als Kummerkasten. «Leider sind aber Chats und Social-Networks auch ein Tummelplatz für Pädokriminelle: Täter können sich dort hinter Nicknames und gefälschten Profilen verstecken und deshalb dauert es meist nur wenige Minuten, bis Mädchen zweideutig angemacht werden.»
Cyber-Grooming heisst hier das Stichwort: Darunter versteht man sexuelle Belästigung von Kindern oder Jugendlichen im Internet. Die Täter stellen jungen Chattern Fragen zu sexuellen Themen, schicken ihnen ungefragt pornografisches Material oder präsentieren sich in unangemessener Weise und bei laufender Webcam vor ihrem Gegenüber. Oft versuchen sie auch, sich nach und nach das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, mit dem Ziel, auf die virtuellen Kontakte reale folgen zu lassen.
Gespräche sind wichtig
«Kinder und Jugendliche vor solchen und anderen - teilweise traumatischen - Erfahrungen zu schützen, ist wichtig», findet Paul Heinzelmann, selbst Vater zweier Kinder. «Nicht alle Eltern sind fit im Umgang mit den neuen Medien - allzu schnell verläuft hier der Fortschritt. Was heute gilt, ist morgen bereits wieder veraltet. Für interessierte Eltern ist es deshalb gut zu wissen, dass sie nicht auf sich allein gestellt sind. In unseren Kursen erklären wir nicht nur die wichtigsten Begriffe, sondern machen Mütter, Väter aber auch Grosseltern ganz gezielt auf Gefahren aufmerksam und zeigen auf, wie sie ihre Kinder schützen können.» Paul Heinzelmann empfiehlt Eltern, sich dafür zu interessieren, was genau ihre Kinder im Netz tun: «Reden Sie zusammen oder besser: Begleiten Sie Ihr Kind bei seinen Schritten im Netz. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind wiederholt Gesprächen darüber aus dem Weg geht, versuchen Sie, das Thema in einer Familienkonferenz zu diskutieren, wo alle zu Wort kommen. Sprechen Sie Themen wie Pornografie oder Gewaltdarstellungen auf dem Handy oder im Netz an. Äussern Sie Ihre Meinung, lassen Sie Ihr Kind sich selbst einschätzen und den eigenen Medienkonsum reflektieren. Sicher, das will geübt sein, doch eine offene Haltung in der Familie stärkt das Vertrauen und sensibilisiert für Verhaltensweisen und Muster, die sich vielleicht unbewusst eingeschlichen haben. Falls der Familiendialog nicht fruchtet oder Eltern Unterstützung wünschen, können sie die Hilfe von Beratungsstellen wie Kinderschutz Schweiz in Anspruch nehmen.»
Technische Schutzmassnahmen
Weniger nervenaufreibend verlaufen die Besuche im Internet, wenn Kinder und Jugendliche gar keine gefährlichen Websites ansteuern können. Über die Konfiguration des Betriebssystems und die Software des Internet-Zugangs haben Eltern die Möglichkeit, den Bewegungsspielraum online und offline sinnvoll zu begenzen. Kinder surfen sicherer, wenn Eltern auf dem Computer eine Kinderschutzsoftware installieren. Solche Programme blockieren den Zugriff auf Websites, deren Inhalte nicht jugendfrei sind. Zusätzlich können auch die Filterfunktionen der Suchmaschinen aktiviert werden, welche die Kinder benutzen. Wie macht man das? Bei Google.ch klicken Sie beispielsweise auf Einstellungen > Sucheinstellungen: Unter Safe-Search-Filter wählen Sie > strikte Filterung verwenden. Klicken Sie anschliessend auf «Einstellungen speichern». So werden Texte und Bilder mit eindeutigen Inhalten gefiltert. Die meisten Filterprogramme enthalten Negativlisten mit Tabuwörtern und Websiten mit Begriffen mit verdächtigen Begriffen werden gesperrt. Unverzichtbar für den Familien-PC mit Internet-Zugang ist auch ein stets aktualisierter Viren-Scanner und eine Firewall, die Netzattacken aller Art abwehrt, denn auch scheinbar unverdächtige Downloads von kostenlosen Spielen oder Musikstücken transportieren nicht selten Viren, Spionage- oder Spam-Programme, die den Rechner später mit Werbebotschaften bombardieren. Und scheinbar harmlose Anfragen beispielsweise zu Musikstücken können in Suchmaschinen auch auf Pornoseiten oder zu Online-Warenhäusern führen. Paul Heinzelmann rät deshalb, für Kinder eine Link-Sammlung nach ihren Interessen anzulegen. Werden dann die zugehörigen Hyperlinks in einem Word-Dokument gespeichert, reicht ein Doppelklick, um die jeweilige Seite aufzurufen. So sind auch jüngere Surfer deutlich gefahrloser im Web unterwegs.
Kidy swissfamily: August/2010
Quelle/Text: Christina Bösiger
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Zwergliburg
- Spielgruppe Wunderchnäuel5303 Würenlingen
- Musikschule Appenzeller Vorderland9410 Heiden
- Musikschule Bülach8180 Bülach
- Musikschule Ballwil6275 Ballwil
9000 St. Gallen
Verwandte Artikel
- Strafen in der Erziehung - ein Auslaufmodell?Artikel vom 08.12.2011, 08:04
- Mehr Platz für Gefühle bitte!Artikel vom 02.12.2011, 17:10
- Mit Medienkompetenz ins InternetArtikel vom 22.11.2011, 11:00
- «Mami, du checkst überhaupt nichts!»Artikel vom 17.11.2011, 10:24
- Muss ich denn immer erst laut werden?Artikel vom 07.11.2011, 08:09





