Konsum als Klimafalle

In Sachen Klimabelastung steht meist das Autofahren, die Fliegerei sowie das Heizen im Vordergrund. Einen ganz erheblichen Einfluss hat aber auch unsere Ernährung.
Anstieg des Meeresspiegels und Abschmelzen der Gletscher, Verlust von Tier- und Pflanzenarten, heftige Stürme, Hitzeperioden und Überschwemmungen - viele Menschen machen den Klimawandel dafür verantwortlich und betrachten diesen als die grösste Bedrohung für die Zukunft der Menschheit. Entsprechend werden vor allem von linken und grünen Politikern, Umweltschutzorganisationen und ökologisch engagierten Personengruppen Gegenmassnahmen gefordert: Elektroautos statt Benziner, Zugreisen statt Flugreisen, Minergiehäuser, stromsparende Elektrogeräte und so weiter. Nur selten ein Thema ist dabei unsere Ernährung. Was viele nicht wissen: Unsere Ernährung verursacht rund einen Drittel der konsumbedingten Treibhausemissionen und damit mehr als Wohn- und Freizeitverhalten sowie der Verkehr. Der umweltfreundliche und nachhaltige Konsum ist deshalb für die Zukunft ein wichtiges Thema.

In der Schweiz verursacht gemäss Experten jede Person 5,8 Tonnen CO2-Emissonen pro Jahr. Zählt man hier die sogenannten grauen Emissonen durch den Import von Konsumgütern und Strom dazu, sind es rund zehn Tonnen pro Person. Um diese enorme Menge zu reduzieren, reicht der Umstieg auf Stromsparlampen oder Öko-Autos nicht, vielmehr müssen wir unsere Essgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Aktuelle Studien zeigen nämlich, dass eine klimafreundliche Ernährung effektiv zur Reduktion des CO2-Ausstosses beitragen kann. Das Bundesamt für Umwelt Bafu schätzt, dass mit bewussterem Essen rund eine halbe Tonne CO2 pro Person eingespart werden könnte. Aber nicht nur das Bafu will aktiv werden. Judith Ellens, die Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich studiert, hat im Jahr 2008 einen Preis gewonnen für ihre Innovation einer CO2-reduzierten Ernährung. Daraus entstanden ist das Projekt «Eaternity». Dieses soll aufzeigen, wie man mit der richtigen Auswahl der Lebensmittel seinen persönlichen ökologischen Fussabdruck beeinflussen kann. Eine recht komplexe Angelegenheit, denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gibt es bei uns auf den Produkten keine Klimaetiketten, welche über die Ökobilanz, also den Aufwand für Herstellung, Transport und Verkauf, Aufschluss geben.

Produktion belastet das Klima
Hauptverursacher von Umweltbelastungen im Ernährungsbereich ist oft der Herstellungsprozess. Vor allem die Herstellung von tierischen Produkten schlägt mit satten 58 Prozent an Emissonen zu Buche. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch soll ebenso schädlich sein fürs Klima wie eine Autofahrt von 250 Kilometern, wie eine Studie des Nationalen Instituts für Vieh- und Weideforschung in Tsukuba, Japan, ergeben hat. Ausserdem produzieren Rinder auch selber Klimagase bei der Verdauung von Gras. Es entsteht Methan, das eine über zwanzigfach stärkere Wirkung auf den Treibhauseffekt hat als CO2. Kommt dazu, dass 50 Prozent des weltweiten Getreideanbaus nicht für den menschlichen Konsum, sondern für Tierfutter und Energiegewinnung bestimmt ist.  Früchte und Gemüse haben dagegen mit nur gerade 6,5 Prozent Emissionen einen bescheidenen Einfluss. Wer also auf Fleisch und Wurst verzichtet, trägt erheblich zum Klimaschutz bei. Allerdings ist es nicht einfach so, dass jedes vegetarische Menü auch als klimafreundlich bezeichnet werden kann, denn Produkte wie Käse, Quorn oder Reis können ebenfalls eine schlechte Ökobilanz aufweisen. Für eine klimafreundliche Ernährung sind also verschiedene Faktoren entscheidend (siehe Box). Ganz wichtig ist, dass man pflanzliche statt tierische Lebensmittel wählt und zu saisonalem Obst und Gemüse aus der Region statt zu Tiefkühlkost, Konserven oder Gewächshausproduk-ten greift. Wer zudem Biokost konsumiert, kann bis zu 30 Prozent der durch die Lebensmittelproduktion verursachten Emissionen einsparen.

Kurze Transportwege, aber nicht nur
Nebst der Herstellung ist auch der Transportweg ein wichtiger Faktor, der das Klima belastet. Verschiedene wissenschaftliche Studien haben den Klimaeffekt von Lebensmitteln analysiert und dabei auch regionale Produkte mit Importen aus Übersee verglichen. Dabei hat sich, wie nicht anders erwartet, ergeben: Je kürzer, desto besser. Allerdings müssten für den effektiven Klimaeffekt auch andere Kriterien berücksichtigt werden, wie zum Beispiel der Einsatz von chemischem Dünger, die Beheizung der Treibhäuser, die Lagerung und Kühlung der Produkte. Konkret heisst das, dass ein Salat, der beim Bauern nebenan in einem geheizten Treibhaus wächst, eine schlechtere Ökobilanz haben kann als der Salat, der von Südspanien hierher geflogen wird. Nicht zuletzt zählt auch die Beschaffung: Geht man zu Fuss in den Laden oder nimmt man das Auto? Fazit: Es sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wenn man sich klimafreundlich ernähren will. Tatsache ist, dass eine solche Ernährung Genuss und Abwechslung in keiner Weise beeinträchtigt.

Infos und Fakten
Auch auf der Homepage des WWF findet man unter anderem viel interessante Informationen zum Thema Klima und Ernährung: wwf.ch

Bio-Hof-Läden und Wochenmärkte mit Bio-Produkten findet man auf knospenhof.ch



Kidy swissfamily: Oktober/2010

Quelle/Text: Marianne Siegenthaler


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