Frage: Wachstumschmerzen

Meine Tochter (6 Jahre) klagt seit einigen Jahren über Schmerzen in den Beinen - dies natürlich nicht immer, sondern ca. 2-3 mal pro Jahr während einigen Wochen. Der Hausarzt teilte uns mit, dass die Knochen wachsen und deshalb diese Schmerzen verursachen können. Der Vater meiner Tochter hatte die gleichen Probleme, ich jedoch nicht. Wieso hat man diese Schmerzen? Was kann ich dagegen tun?
10-20% aller Kinder zwischen 4 und 10 Jahren leiden einmal unter den sogenannten "Wachstumsschmerzen". Besser wäre es allerdings, von gutartigen oder harmlosen Beinschmerzen zu sprechen, denn mit dem Wachstum haben die Beschwerden wahrscheinlich gar nichts zu tun. Eine Theorie geht zwar davon aus, dass die Schmerzen durch ein Missverhältnis zwischen dem Wachstum von Knochen und dem umliegenden Strukturen ausgelöst werden, sozusagen weil die Knochen schneller wachsen würden als das umliegende Bindegewebe. Dadurch würden die Nerven oder Bänder gedehnt, was die Schmerzen verursacht. Nur: Es besteht kein zeitlicher Zusammenhang zwischen den Schmerzattacken und den Wachstumsschüben (Phasen schnellen Wachstums), die Schmerzen treten nicht unbedingt in den Wachstumszonen auf und haben auch keinen Einfluss auf das Wachstum. Aber weil Kinder dieses Alters wachsen, hat man diese unklaren Beschwerden eben ganz einfach als Wachstumsschmerzen bezeichnet.

Die Ursache der Beschwerden bleibt also mehr oder weniger unklar. Möglicherweise sind sie Folgen einer Überbelastung, einer Haltungsstörung oder leichter Fehlstellungen. Auch ein Zusammenhang mit einem Restless-Legs-Syndrom wurde schon geäussert.

Typisch für die Schmerzen ist der plötzliche Beginn abends oder in der Nacht, so dass die Kinder (und die Eltern!) dadurch geweckt werden. Die Kinder haben quälende Schmerzen im Bereich der Knie, der Ober- und Unterschenkel. Die Arme sind selten mitbeteiligt. Äusserlich ist nichts zu erkennen, keine Rötung, keine Schwellung, kein Ausschlag. Die Kinder haben auch kein Fieber. Am nächsten Morgen sind die Schmerzen in der Regel verschwunden, die Kinder sind in ihren Alltagsaktivitäten nicht eingeschränkt. Die Schmerzen können mehrmals in der Woche und in mehreren Nächten hintereinander auftreten, oft über Monate. Oft verschwinden die Beschwerden auch für Tage, Wochen oder gar Monate wieder, um dann erneut aufzutreten.

Wachstumsschmerzen sind immer eine Ausschlussdiagnose. Das heisst, nur wenn alle anderen Ursachen für die Schmerzen ausgeschlossen sind, darf man von Wachstumsschmerzen sprechen. Man muss also ganz sicher sein, dass Knochenentzündungen, Knochenbrüche, rheumatische Erkrankungen, eine Borreliose, Durchblutungsstörungen oder ein Tumor als Ursache für die nächtlichen Schmerzen ausgeschlossen sind. Deshalb sollten Sie, wenn Ihr Kind regelmässig unter nächtlichen Gliederschmerzen leidet, Ihren Kinder- oder Hausarzt aufsuchen.

Wenn aber klar ist, dass es sich um die gutartigen Wachstumsschmerzen handelt, können Sie folgendes versuchen:
  • Das Bein mit einer Salbe sanft massieren. Es darf ruhig eine wohlriechende Bodylotion sein, es braucht dazu keine Sport- oder Rheumasalbe.
  • Lagern Sie das Bein auf ein weiches Kissen.
  • Manchmal hilft ein warmer Umschlag.
  • Eventuell leichte Gymnastik, Velofahren im Bett.
  • Ein Schmerzmittel, zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen (nach Absprache mit dem Kinderarzt).
  • Regelmässige Dehnübungen können bei chronischen Schmerzen helfen

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