Brauchen Väter eine «Elternlehre» ?

Die Väterrolle ist im Wandel. Während früher Mütter in Elternbildungskursen unter sich waren, wollen heute immer mehr Väter ein «guter Papi» sein und informieren sich deshalb über Entwicklungs- und Erziehungsthemen.
Diese neue Generation von Vätern ist in immer grösser werdender Anzahl, alleine oder mit ihrer Partnerin, in Elternbildungskursen anzutreffen. Sie setzen sich dort mit ihrer völlig fremden Aufgabe als Vater und ihrer neuen Rolle in der Gesellschaft auseinander. In Bern besuchen Papis von Babys und Kleinkindern einmal monatlich von 19.15 bis 21.45 Uhr während 18 Monaten die ElternLehre und holen sich Handwerkzeug für den Erziehungsalltag. Sie hören zu und stellen Fragen mit anderen Vätern und Müttern.

*Marlies Bieri ist im Vorstand von Elternbildung CH, Autorin ElternLehre, eidg. dipl. Erwachsenenbildnerin und systemischlösungsorientierte Beraterin MAS FHZ. Mehr Infos: elternbildung.ch und elternbildung-be.ch

«Was war Ihre Motivation, sich für die ElternLehre anzumelden?»

Bengt Gade: «Meine Frau hat uns angemeldet. Da ich keine Vorstellung hatte (und meine Frau auch nicht), wie «meine» Erziehungsrolle aussehen könnte.»
Christian Münger: «Für mich ist es wichtig, meine Rolle als Vater zu überdenken und mich mit anderen Eltern auszutauschen.»
Simon Barth: «Wir möchten Erziehungsfragen als Ehepaar angehen: Wir besuchen deshalb beide den Kurs, was auch für die Paarbeziehung gut ist.»

«Mit welchen Erwartungen kamen Sie in die ElternLehre?»
Christian Münger: «Ich möchte mich mit meiner Rolle als Vater aktiv auseinandersetzen.»
Bengt Gade: «Ich will einerseits Ideen zur Erziehung sammeln und andererseits
Anregungen erhalten, wie Meinungsverschiedenheiten und Kleinkrisen bewältigt
werden können. Zudem möchte ich Erfahrungen anderer Eltern mitbekommen.»
Daniel Nyffenegger: «Anfänglich hatte ich keine Erwartungen. Nach der ersten
Lektion stieg die Wissenslust über die Vaterrolle.»

«Wovon konnten Sie bis jetzt als Vater profitieren?»
Christian Nadal: «Durch die Erfahrungen der Kursleiterin und auch dadurch, dass ich mir bewusst Zeit für die Fragen nehme und ich aus den Erfahrungen der anderen Teilnehmenden ebenfalls lernen kann.»
Andreas Abplanalp: «Ich kann jetzt eigene Muster erkennen und mir über einzelne Themen bewusster Gedanken machen.»
Daniel Nyffenegger: «Der Austausch mit anderen Vätern ist sehr lehrreich.»

«Was ist für Sie ein "guter Vater?"»
Christian Nadal: «Ein Vater, der sich auf die unterschiedlichen Situationen
einlässt.»
Daniel Nyffenegger: «Ein Vater, der sich mit seinem Kind beschäftigt und auf
das Kind eingeht.»
Andreas Abplanalp: « Ich nehme mir Zeit für meine Tochter, unterstütze sie,
bin für sie da.»

Fazit: Väter wollen sich aktiv an der Erziehung ihres Kindes beteiligen und wegkommen vom «Sonntagspapi» und Handlanger der Mutter. Das ist nicht immer einfach. Meist fehlen Vätern die Vorbilder, die ihnen zeigen, wie sie eine tragende Beziehung zum Kind aufbauen können. Viele Mütter trauen auch den Vätern nicht unbedingt zu, dass sie sorgsam mit dem zerbrechlichen kleinen Wesen umgehen können. Aktive Väter müssen diesen Platz im Leben ihres Kindes erst finden und diesen behaupten. Die Elternbildung unterstützt sie dabei mit unterschiedlichen Kursangeboten wie beispielsweise der ElternLehre, «Starke Eltern - Starke Kinder»®, Gordon, PEKIP, STEP und Triple P.



Kidy swissfamily: April/2010

Quelle/Text: *Marlies Bieri


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