Erziehung - quer durchs Alphabet (O-Z)
«Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen», hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. «Wurzeln, solange sie klein sind, und Flügel, wenn sie grösser werden.» Hier der dritte und letzte Teil von unserem Erziehungs-ABC.
Ohne Windeln Unglaublich: Mehr als 6000 Windeln verbrauchen Eltern im Schnitt, bis ihr Kind mit rund zweieinhalb Jahren trocken ist. Und sehr oft dauert es auch etwas länger, bis der kleine Sohn oder die Tochter sowohl tagsüber wie auch nachts auf die Windeln verzichten kann. So einfach ist das Ganze nämlich gar nicht: Kinder müssen einige Entwicklungsschritte machen, bevor die Kontrolle über Darm und Blase wirklich klappt. Der richtige Zeitpunkt, das Kind von den Windeln zu entwöhnen, ist gekommen, wenn es sich fürs Töpfchen oder die Toilette interessiert. Bei einigen Kindern ist dies erst mit drei oder sogar vier Jahren der Fall! Töpfchen oder Toilette: Beobachten Sie, was Ihr Kind lieber möchte, wo es sich wohler fühlt, was es «lässiger» findet. Damit Ihr Kind auf der Toilette gut und sicher sitzen kann, braucht es einen Sitz, der die Öffnung der Klobrille verkleinert. Sehr praktisch und auch sicher ist ein Toilettentrainer mit integrierter Stufe, finden viele Kinder megacool. Planen Sie für Einkaufstouren und Autofahrten etwas mehr Zeit ein als sonst - bestimmt muss irgendwer mal dringend. Für Ausflüge und Besuche nehmen Sie immer eine Garnitur Ersatzkleider mit. Anfangs werden auf jeden Fall ab und zu kleine «Malheurs» passieren, das macht gar nichts. Klappt es allerdings überhaupt nicht, so ist es besser, sich noch etwas zu gedulden. Übrigens: Die meisten Kinder lernen zwischen dem zweiten und dem dritten Lebensjahr, ihre Blase zu kontrollieren. Bei manchen Kindern kann die Entwicklung aber auch länger dauern. Von Bettnässen spricht man erst dann, wenn ein Kind ab einem Alter von fünf Jahren nachts noch mindes-tens zweimal im Monat ins Bett macht. Das Problem kommt viel häufiger vor, als man denkt. Ungefähr 10 Prozent der Siebenjährigen, 5 Prozent der Zehnjährigen und sogar noch 1 Prozent der Erwachsenen leiden darunter. Mehr Infos dazu: bettnaessen.ch
Peinliche Eltern
Irgendwann werden die Eltern einfach unsäglich peinlich. In der Regel dann, wenn aus Kindern Pubertierende werden. Zu Hause, in den eigenen vier Wänden, können die Peinlichkeiten vielleicht noch knapp überlebt werden - aber wehe, es sind Freunde in der Nähe, dann sind Ihre Kinder so bünzlig wie Ihre eigene Grossmutter es niemals war. Eltern sind peinlich wenn sie sich anziehen wie Eltern. Wenn sie sich anziehen wie -Jugendliche. Wenn sie laut lachen, Witze erzählen oder - Hilfe - gar tanzen! Nehmen Sie das Ganze nicht so ernst. Ihre Kinder grenzen sich ab. Lassen Sie sich allerdings auch nicht alles gefallen. Wie viele Male haben sich Ihre Kinder wohl in der Vergangenheit peinlich aufgeführt? Eben. Es braucht auch hier Kompromisse und Regeln, damit sich beide Parteien wohlfühlen. Lexikon der Jugendsprache: t-wie-teenager.de
Quengeln
Graut es Ihnen auch vor jedem Einkauf mit Ihrem Kind? Weil Sie genau wissen, dass der Einkauf, den Sie in einer halben Stunde erledigen könnten, nun zwei Stunden dauert und es zu dramatischen Szenen kommen wird? Einkaufen mit Kindern dauert definitiv länger als ohne. Aber dramatische Szenen muss es nicht geben. Denn Kinder helfen gerne mit: Sie können sie zu Hause schon mal eine Einkaufsliste malen lassen und dann zusammen die Sachen suchen, die gebraucht werden. Das lenkt ab von den leckeren Versuchungen, die überall lauern. Gehen Sie auch auf Vorschläge und Wünsche der Kinder ein, lassen Sie die Kleinen das Lieblingsjoghurt oder den Lieblingskäse aussuchen. Kinder sollten nicht gerade hungrig sein, wenn sie einkaufen, sonst haben sie Lust auf alles ... . Am Schluss dürfen die Kinder helfen, die Sachen aufs Band zu legen und einzupacken. Den ultimativen Grosseinkauf erledigen Sie effizienter und angenehmer ohne kleine Kinder. Auch von zu Hause aus: migros.ch & coop.ch
Regeln und Konsequenz
Über Konsequenz und Inkonsequenz wird heute in der Erziehung endlos diskutiert. Muss man immer und in jedem Fall konsequent sein? Ist man dann nicht einfach nur stur? Und wenn man mal die Grundregel sausen lässt: Ab wann wird man inkonsequent, ab wann verlieren Kinder die Leitplanken? Eine allgemeingültige, verbindliche Regel gibt es nicht. Aber: Konsequent sein bedeutet, sich folgerichtig zu benehmen. Das heisst, es gelten «in der Regel» dieselben Grundsätze: die Eltern erstellen übersichtliche, einfache Regeln und folgen diesen. D.h., Mami und Papi verhalten sich so eindeutig wie möglich: Was gestern erlaubt war, ist heute nicht verboten und umgekehrt. Dem gleichen Verhalten des Kindes muss auch die gleiche Reaktion der Eltern folgen, damit der Nachwuchs weiss, woran er ist. Aber natürlich darf es auch Ausnahmen geben, ein Beispiel: Üblicherweise dürfen die Kinder nachmittags nicht fernsehen. Aber bei Krankheit darf eine DVD ausgewählt werden. Tipp: Anstelle des Kaufs eines dicken Erziehungsratgebers buchen Sie ein wunderbares kinderfreies Elternwochenende und verwöhnen sich nach Strich und Faden. Und diskutieren in der gegenseitig geschenkten Extrazeit das Thema Regeln und Konsequenzen - dann wissen immerhin Mami und Papi, wovon sie sprechen. Jede Menge Reiseideen: myswitzerland.com
Spital
Leider ist manchmal ein Spitalaufenthalt unumgänglich. Wenn ein Kind ins Spital muss, sollten die Eltern es gut vorbereiten. Erklären Sie Ihrem Sohn, Ihrer Tochter, weshalb es ins Spital muss, welche Vorteile ein allfälliger operativer Eingriff hat. Seien Sie ehrlich mit Ihrem Kind. Erklären Sie ihm dem Alter entsprechend, was im Spital und während der Operation passieren wird. Verschweigen Sie Ihrem Kind nicht, dass es nach der Operation Schmerzen haben kann, und erklären Sie, was man dagegen tun kann. Altersgerechte Informationen über die Krankheit und den Spitalaufenthalt liefern zum Beispiel Bilderbücher und das Internet. Empfehlenswert sind die an Kinderspitälern regelmässig durchgeführten Informationsnachmittage für Kinder. Muss ein Kind länger im Spital bleiben, wird es in der Regel sehr gut umsorgt: Es besucht hausintern den Kindergarten oder die Schule, kann sich im Spielzimmer ablenken, und manchmal kommt sogar ein Clown vorbei. Um den Spitalaufenthalt zu verarbeiten, kann es älteren Kindern -helfen, ein Tagebuch zu führen. Jüngere brauchen auf jeden Fall ihr Übergangsobjekt: das Nuscheli, den Nuggi, den Lieblingsteddy. Und natürlich die Mama oder den Papa, am besten rund um die Uhr - was heute in den Spitälern glücklicherweise erlaubt ist. Mehr Infos: kindundspital.ch
Tausche Schwester
Eifersucht, Rivalität, Liebe und Hass - die ganze Palette von grossen Gefühlen spielt sich unter Geschwistern ab. Wohl kaum ein Bruder, der nicht gerne seine grosse Schwester auf den Mond geschossen hätte. Wohl kaum eine Schwester, die nicht mal ihren jüngeren Bruder gerne im Waisenhaus abliefern wollte. Unter Millionen von Verhaltensmassregeln hier ein winziger Crashkurs: Die Ältesten haben mehr Pflichten, aber auch mehr Rechte! Und sie haben trotzdem nicht immer Bock drauf, gross und vernünftig zu sein. Die Mittleren: Hallo, hier ist noch jemand! Auch die Mittleren haben Anspruch auf Single-Zeit bei Eltern, Grosi etc. Die Kleinen: Jede Meinung zählt, auch die des Jüngsten. Es hat keine Lust, ständig doof hingestellt und von den älteren Geschwistern ausgelacht zu werden, muss aber auch lernen, auf die älteren Rücksicht zu nehmen. Ständiges Vergleichen der Geschwister ist schlecht. Jedes Kind ist einzigartig, egal in welcher Position. Kinder sollen nach den geltenden Familienregeln individuell, aber nicht gleich behandelt werden.
Urlaub
Verreist man mit Kindern, ist alles etwas komplizierter als im Urlaub zu zweit. Das fängt bei der Planung an - es müssen ja alle Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden, und das kann mitunter schwierig werden. Es gilt, herauszufinden, was allen zusammen am meisten Spass macht, also für jeden etwas dabei hat. Hat man sich für eine Destination entschieden, ist der Stressfaktor oft abhängig von der Planung. Eine gute Organisation erleichtert vieles. Die folgenden Gedanken helfen bei Flugreisen: Wenn Sie bereits am Vorabend einchecken, können Sie mit Ihren Kindern den Flug gemütlich angehen. Mit reservierten Plätzen, dafür ohne lästiges Gepäck und lange Wartezeiten passiert die Familie am Reisetag direkt die Passkontrolle. Wenn Sie noch eine Weile auf den Abflug warten müssen, erkunden Sie mit Ihren Kindern doch mal das Terminal. Stillsitzen müssen die Kinder während des Fliegens!
Da im Flugzeug die Temperaturen auch im Sommer unangenehm niedrig sein können, ist das beste Flug-Outfit der sogenannte Zwiebel-Look. Besonders praktisch sind Schals, die vor Zugluft schützen oder auch als kuschelige Decken dienen. Durch mehrere Kleider-Schichten ist man während des Fluges warm genug angezogen und kann sich am sommerlichen Ankunftsort sofort der überflüssigen Schichten entledigen. Eine Umhängetasche für jedes Kind mit kleinen Notwendigkeiten (zuckerfreie Kaugummis, Malsachen, kleiner Block, kleines Spielzeug, Buch und Taschentücher, evtl. elektronische Spielgeräte) - so ist der Nachwuchs unabhängig und muss nicht jedes Mal Mami oder Papi stören. Luftdruckveränderungen bereiten Kindern grössere Probleme als Erwachsenen. Kaugummi für Start und Landung nicht vergessen! Die meisten Reiseveranstalter veröffentlichen auf ihren Homepages Einreiseformalitäten und Länderinfos. Strandqualität: blueflag.org und besonders übersichtlich: hotelplan.ch
Verlieren
Spielen macht Spass, besonders wenn man gewinnt. Denn ehrlich gesagt verliert niemand gerne. Bei kleineren Kindern gibt es daher eher erste, zweite und dritte Sieger. Man kann auch Teams bilden - dann verliert man nicht alleine, sondern entwickelt gemeinsam eine Strategie und verliert auch gemeinsam, kann sich also zusammen wieder aufbauen. Wenn sich alle Mitspieler einig sind, können zum Beispiel auch Regeln verändert werden, zum Beispiel, um dem schwächsten (jüngsten?) Mitspieler eine echte Chance einzuräumen oder um
einfach einmal eine neue Variante auszuprobieren. Wichtig ist einzig, dass alle Mitspieler mit der Regeländerung einverstanden sind. Kleine Kinder lässt man ja manchmal gewinnen. Und das schadet bestimmt auch nicht - wenn es ab und zu geschieht. Es darf aber nicht ahnen, dass dies absicht-lich passiert. Wenn Ihr Kleines herausfindet, dass Sie die Regeln bewusst zu seinen Gunsten ändern, fühlt es sich «betrogen». Gewinnen und etwas «am besten können» ist gut für das Selbstwertgefühl Ihres Kindes. Aber es muss auch lernen, ein guter Verlierer zu sein. Und da gibt es nur einen Weg: Verlieren lernen! Auch hier lernen Kinder von Vorbildern, also von Ihnen. Hand aufs Herz: Wie gehen Sie mit der Verlierer-Rolle um? Grundsätzlich geht es nicht darum, dass Kinder bedingungslos «verlieren lernen». Wichtiger ist es, sie zu motivieren, nicht aufzugeben. Brettspieltipp: Dominion, Spiel des Jahres 2009
Wieso - Warum?
«Können Fische weinen?» Kinder stellen wunderbare philosophische Fragen. Und wir Eltern stehen dumm da und wissen keine Antwort - weshalb haben eigentlich wir damals diese Fragen nicht gestellt? Zum Glück gibt es heute Internet - da finden sich viele gute Antworten, schauen sie mit ihren Kindern zusammen nach. Auch die Kinderlexika sind wahre Fundgruben und eignen sich hervorragend zum Schmökern an verregneten Nachmittagen. Gute Internetseite: klick-tipps.net
«Xund»
Immer mehr Familien wünschen sich für ihre Kinder sowohl schulmedizinische als auch alternative Heilmethoden. Es gilt, unter einer Vielzahl an Naturheilmethoden zu wählen. Wichtig ist deshalb, dass man sowohl über die Methode wie auch über die Qualität der Anbieter Bescheid weiss. Kompetente Infos über die einzelnen Therapiemethoden bekommt man beim Dachverband «Xund». Hier sind 30 Verbände von natürlichen Methoden der Komplementär-Therapie mit insgesamt über 6000 Praktizierenden vertreten. xund.ch
Zähne
Zähneputzen gehört immer noch nicht zur Lieblingsbeschäftigung der Kinder. Trotzdem: Damit Zucker- und Speisereste keine Schäden anrichten, müssen sie gründlich entfernt werden, bevor sie sich als Belag (Plaque) am Zahn festsetzen - und dies vom ersten Milchzahn an. Besonders schwierig wird das Putzen des Wechselgebisses. Die unregelmässigen Zwischenräume sowie die Furchen auf den Mahlflächen der Backenzähne sind schwer zu erreichen. Deshalb ist gerade jetzt die richtige Technik wichtig. Aber wie sieht die aus? Für den Nachwuchs ist sie nicht so leicht zu erlernen, weil die Putzrichtung sich mit jedem nachwachsenden Zahn ändern kann. Lassen Sie und Ihr Kind sich am besten vom Zahnarzt zeigen, wie es auch die sich im Kiefer noch «duckenden» Zähnchen erreicht. Der Zahnarzt wird -Ihren Sprössling auch mit Zahnseide vertraut machen - neben der Bürste das wichtigste Pflegemittel. Beim Putzen werden nur 60 Prozent der Beläge entfernt - die restlichen 40 Prozent befinden sich (oh Schreck!) in den Zwischenräumen, lassen sich aber mit eben jener Zahnseide hervorragend entfernen. Also: Täglich dreimal drei Minuten putzen - und gemäss Anweisungen des Zahnarztes Zahnseide benutzen. Und wenn mal keine Zahnbürste zur Hand ist? Zum Beispiel nach einem Mittagessen auswärts? Ausnahmsweise können auch einmal spezielle Zahnpflegekaugummis benutzt werden. Die entfernen zwar nicht die Beläge, beschleunigen aber den Säureausgleich im Speichel und verringern auf diese Weise das Kariesrisiko.
Kidy swissfamily: Juni/2010
Quelle/Text: Esther Mogicato
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Leuehof, Katia Hanhart Piatti
- Spielgruppe Büreprk-Müüsli, Ursula Galli 3007 Bern
- Ecole maternelle Minouche2504 Biel/Bienne
- Musikschule Weinland Nord8447 Dachsen
- Scuola di Musica Regione Bregaglia7604 Borgonova
8253 Diessenhofen
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