Freunde mit vier Beinen

Tiere können für Kinder Tröster, Schutzwesen und Freunde sein. Doch nicht in jede Familie passt ein Tier und nicht jedes Tier passt in eine Familie.
Seidige Nüstern, weiches Fell am Bauch und strubbeliges Haar an den Flanken: Sechs Kinderhände fahren durch das Fell von Lola. Olivia (7) zupft der Eselin Strohhalme von den Flanken, dann klopft sie ihr auf den Rücken und staunt: «Die staubt ja!» Das Mädchen ist mit ihrem Bruder Vincent (9) und ihrer Schwester Magalie (5) auf dem Hof von Annemarie Diener - ein Tierparadies in Uttenwil im Toggenburg mit Gorki, dem freundlich-stürmischen Berner-Sennenhund, Katzen, Hühnern, Schafen und Eseln. Hier bietet die Heilpädagogin und Früherzieherin tiergestützte Therapien oder einfach nur Erlebnisse mit ausgewählt geduldigen, kinderfreundlichen Tieren an, die beispielsweise auch ein Klatschen neben den Ohren nicht aus der Ruhe bringt. Eine Eselin, die als Fohlen einen schweren Unfall erlitten hat, setzt Annemarie Diener nicht bei der Arbeit mit Kindern ein.

Die drei Kinder, die den Hof besuchen, haben selbst ein Haustier - Ramses, den Kater. Vincent schläft mit ihm ein, Olivia füttert ihn, Magalie streichelt ihn. «Jedes Kind hat seine eigene Beziehung zum Tier», stellt Mutter Lydia Tobler fest. Die Geschwister zählen Ramses zu den männlichen Familienmitgliedern. Wenn sie die Familie zeichnen, ist der Kater immer dabei. Auch zu den Eseln auf dem Hof -haben sie schon nach dem ersten Besuch eine Beziehung aufgebaut. Jedes Kind weiss noch ganz genau, welches Tier es hatte. Und die Eltern erinnern sich, wie sie während der Stunden mit den Eseln ganz neue Seiten an ihren Kindern entdeckten. Der Umgang mit den Tieren weckte in den Kindern Stolz und Selbstvertrauen.


Annemarie Diener führt die Kinder ganz langsam an die Esel heran. Erst sieht sie sich gemeinsam mit ihnen die Tiere an, dann ermuntert sie zu ersten Berührungen  mit der Hand und danach mit der Bürste. Wenig später führen die Geschwister die Esel am Strick über einen Parcours. Der kleinen Magalie ist anzusehen, wie stolz sie ist, dass ihr die grosse Lola geduldig folgt. Dann sitzt das Kind auf. Zusammen mit dem Papa, der den Esel führt, wagt Magalie den ersten Galopp. Mit leuchtenden Wangen sitzt die Fünfjährige auf dem Esel. Später kniet sie auf dem Tier. 

Und dann ist der Moment, in dem sich auch Olivia ein Herz fasst. Langsam richtet sie sich auf und stellt sich auf den Rücken des Esels. Beim vorherigen Besuch hatte das Mädchen davor noch Angst. «Sie wächst über sich hinaus», freut sich Annemarie Diener.

Kinder, die mit Tieren aufwachsen, entwickeln oft ein besseres Einfühlungsvermögen. Sie lernen, die Bedürfnisse von anderen Lebewesen zu respektieren, sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und entwickeln dabei Selbstvertrauen. Doch Erwachsene sind in den Anfangsjahren gefordert, den Umgang zwischen Tier und Kind zu begleiten. Kinder brauchen Aufsicht und Anleitung, wie sie für ein Tier sorgen können. Tiere mit Kleinkindern allein zu lassen, kann gefährlich werden - fürs Kind und fürs Tier.

Wie ein Teddy
«Kinder haben meist eine spontane Affinität zu Tieren. Sie sind sich sehr nah», sagt die St. Galler Psychologin und Psychotherapeutin Elisabeth Frick Tanner. Im spontanen und instinktiven Handeln des Tiers erkennen Kinder einen Teil von sich. Doch Kleinkinder, so sagt Frick Tanner, sind noch nicht in der Lage, Hund und Katz als eigenständige Lebewesen zu betrachten und sie mit Respekt zu behandeln. «Das Kind kann die Bedürfnisse des Tiers noch nicht wahrnehmen. Für ihn ist es wie ein Teddy.» Das Tier ist aus Sicht des Kindes dazu da, seine Bedürfnisse zu befriedigen.

Wann ein Kind in der Lage ist, selbst für ein Tier zu sorgen, hängt von seiner Entwicklung ab. «Ab acht Jahren sollte es im Allgemeinen gehen. Andere schaffen es nie.» Ab etwa sechs bis sieben Jahren erwacht nach Angaben von Elisabeth Frick Tanner beim Kind Interesse an der Lebensweise des Tiers, es sammelt dann Informationen über Rasse, Aufzucht und Haltung. Aus dem Umgang mit dem Tier kann eine wohltuende Beziehung wachsen, bei der das Kind Schutz, Geborgenheit und Wertschätzung erlebt. Das Tier wendet sich dann dem Kind zu, egal in welcher Verfassung es sich gerade befindet. Wird ein Kind in eine Familie geboren, in der schon Haustiere leben, sollten die Eltern darauf achten, dass sich das Tier durch den neuen Hausbewohner nicht zurück gesetzt fühlt und mit Eifersucht reagiert, rät die Psychologin.

Der Hund als Tröster
In der Vorpubertät sind Mädchen meist stark von Pferden angezogen, in denen sie nach Frick Tanner Erotik und Triebhaftigkeit erkennen, die sie am eigenen Leib entdecken. Mädchen sehen Pferde als «Kontakttiere», als Bezugspersonen und Schutzwesen. Jungen könnten sich häufig mit Katzen besonders gut identifizieren. Ihr Lebensstil stehe für Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. «Hunde sind häufig Tröster. Sie vermitteln Wärme und Geborgenheit», stellt die Psychologin fest.

Kleine Patienten, die freudestrahlend auf ihren Hund in der Praxis zuliefen, um ihn näher kennen zu lernen, gaben vor über zehn Jahren den Anstoss für Elisabeth Frick Tanner, sich intensiver mit der Tier-Mensch-Beziehung auseinander zu setzen. Sie nahm Kontakt auf mit dem Verhaltensforscher Dennis Turner und begann, Hund, Katze, Meerschweinchen, Hasen sowie Wellensittiche bewusst bei ihrer Arbeit in der Praxis einzusetzen. Heute bietet sie zusammen mit Dennis Turner Weiterbildungen zur tiergestützen Therapie und Förderung an. 

Aus ihrer Arbeit in der Praxis weiss die Psychotherapeutin: Tiere können Kindern gut tun. Tiere öffnen die Sinne, bauen Ängste ab und bringen Klienten zum Lachen. Deshalb begleitet Siam-Katze Tara viele von Frick Tanners Sitzungen. Das Tier lässt sich von den Kindern kraulen oder kauert auf seinem Liegeplatz am Boden. «Tara ist einfach dabei. Es ist dann eine andere Atmosphäre. Das Tier löst gute Gefühle aus.» Aber auch Frick Tanner warnt: Wenn die Eltern keine Freude am Tier im Haus haben oder es ihnen nicht möglich ist, es artgerecht zu halten, sollten sie auch keines anschaffen. «Wird das Tier wieder weggegeben, kann das für ein Kind dramatisch sein.»


Nie langweilig
Nach einer Umfrage des Schweizer Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT) unter Primarschülern im Alter zwischen sieben und 13 Jahren gaben drei von vier Angesprochenen an, für ein Heimtier zu sorgen, darunter Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Fische. Mehr als 90 Prozent der Kinder sagten, sie spielten regelmässig mit den Tieren und streichelten sie häufig. Fast 60 Prozent der Befragten stellten fest, mit einem Tier sei es ihnen nie langweilig. Die Hälfte der Kinder schätzten das Tier als geduldigen Zuhörer, 40 Prozent sahen im Tier sogar einen Beschützer.  


Lebenserwartung beachten
Doch bei allen positiven Effekten, die ein Tier im Kind auslösen kann - wer einen Vierbeiner ins Haus holt, übernimmt oft über Jahre zusätzliche Verantwortung, das sollte den Eltern klar sein. «Die Lebenserwartung ist ein Punkt, der gegen manche Arten spricht», stellt Erika Bolt vom St. Galler Tierschutzverein fest. Unter Umständen bleibt das Tier länger im Haus als das Kind. Meerschweinchen werden etwa sechs bis zehn Jahre alt, Kaninchen acht bis zehn Jahre und Katzen können über 20 Jahre leben. Bei Mäusen und Ratten liegt die Lebenserwartung zwischen zwei und vier Jahren. Allerdings sollten sie immer nur paarweise gehalten werden, ebenso Wellensittiche und Meerschweinchen. Von nachtaktiven Tieren wie Hamster und Chinchillas rät Erika Bolt ab. Frust sei vorprogrammiert. Tagsüber, wenn die Kinder die Tiere beobachten oder streicheln wollen, schlafen sie und erst nachts, wenn die Kinder im Bett liegen, werden die Tiere munter.

Eltern sollten gründlich prüfen, ob sie sich einen Vierbeiner ins Haus holen wollen, rät Erika Bolt. Haben die Erwachsenen selbst keine Freude am eigenen Tier, sollten sie vom Kauf Abstand nehmen. «Die ganze Familie muss mit dem Tier einverstanden sein. Sonst ist es für alle besser, es sein zu lassen.»
Erika Bolt geht davon aus, dass Kinder ab etwa acht bis zehn Jahren in der Lage sein sollten, Käfigtiere selbständig zu versorgen. Die Jungen und Mädchen müssten allerdings sorgfältig in die Pflege eingewiesen werden, um Unfälle zu verhüten. Ein Meerschweinchen im Käfig ist dem Kind in der Regel schutzlos ausgeliefert. Die Tiere wehren sich nicht gegen grobe und ungeschickte Kinderhände, sondern bleiben nur verschreckt sitzen. Ein Hund oder eine Katze kann sich einer ruppigen Behandlung durch das Kind eher entziehen, es kann das kleine Familienmitglied bei der Abwehr aber auch verletzen.

Kleine Kinder und Tiere dürfen nie allein zusammen sein, das hat sich Erika Bolt auch in der eigenen Familie zum Grundprinzip gemacht. Der 2,5 Jahre alte Enkel hat keinen Zugang zu den Räumen, in denen die Tiere leben und umgekehrt ist das Kinderzimmer tabu für die Tiere - «auch aus hygienischen Gründen.» Kinder ab zehn Jahren dürfen privat zu ihr kommen, um bei der Tierpflege zu helfen. Nach einem halben Jahr, so stellt sie immer wieder fest, lässt das Interesse nach. Die meisten Kinder kommen nur einen Sommer lang, dann locken neue Erlebnisse. Wenn ein Kind und ein Tier sich kennen lernen sollen, sorgt Erika Bolt für eine Atmosphäre der Ruhe. Sie lässt das Kind Platz nehmen und beobachten, was das Tier macht.

Wie bereichend ein Leben mit Tieren sein kann, hat Erika Bolt (61) selbst erfahren. «Wir haben immer Hunde gehabt. Das ist eine Lebensschule.» Im Umgang mit Tieren lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen und Pflichten zu erfüllen. Sie erleben das Tier aber auch als Sozialpartner, «mit dem man reden kann, der nicht schimpft, nicht lügt und dem man seinen ganzen Kummer erzählen kann.»
 
Finanzen prüfen
Doch ob die soziale Rechnung wirklich aufgeht, hängt auch von den finanziellen Verhältnissen ab. Vor dem Tierkauf sollte der Familienrat auch die Folgekosten beachten, etwa für Futter, Käfig, Tierarztbesuche und Kastration. «Ein Tier erfordert auch finanzielle Ressourcen», gibt Erika Bolt zu bedenken. Auch, wer einen Kater vom Bauernhof holt, müsse rund 300 Franken aufwenden, damit das Tier den notwendigen Impfschutz erhält und befreit wird von Spulwürmern und Flöhen - beide können auf Menschen übertragen werden. Bei einer Katze veranschlagt Erika Bolt Jahreskosten zwischen 600 und 800, bei einem Hund 1500 bis 2000 Franken. Auch ein Blick in den Mietvertrag empfiehlt sich, um abzuklären, wie der Hausbesitzer zur Tierhaltung steht. Ausserdem sollte man sicher sein, dass niemand in der Familie allergisch auf das Tier reagiert. Erika Bolt, die selbst auch Hunde züchtet, hat sich angewöhnt, die ganze Familie einzuladen, damit sie eine Weile mit einem Hunderudel im Raum verbringt. Allergische Reaktionen lassen sich dann schnell erkennen.

Prägende Phase
Wer einen familienfreundlichen Hund oder eine familienfreundliche Katze sucht, sollte danach fragen, wie das Tier die besonders prägenden, ersten Wochen seines Lebens verbracht hat. Katzen und Hunde, die in dieser Zeit viel Kontakt mit Menschen hatten und idealerweise schon in einer Familie mit Kindern lebten, werden wenig Schwierigkeiten haben, sich an eine Familie zu gewöhnen. Als Faustformel nennt Erika Bolt: «Das Tier sollte so aufgewachsen sein, wie es später leben soll.» Was es in der Sozialisierungsphase nicht gelernt und erlebt hat, macht dem Tier häufig Angst, die sich in Aggressivität äussern kann. Die Phase mit den lebensprägenden Erfahrungen kann sehr kurz sein, bei Katzen ist sie oft schon nach zehn Wochen abgeschlossen. Ein vier Monate altes Bauernhofkätzchen, das im Heustock geboren wurde und bisher noch kaum einen Menschen zu Gesicht bekommen hat, wird also kaum zum schmusenden Familientier. Es kann also gut sein, dass das Tier ausbüxt oder gar die Krallen zeigt, wenn Kinder es bestürmen. Bei Findlingen aus dem Tierheim ist Vorsicht angebracht: Niemand kennt die Vorgeschichte des Vierbeiners.

Auch mal Schmutz im Haus
Hunde dürften die beliebtesten Familientiere sein, allerdings auch die, die am meisten Unterhalt kosten und viel Betreuung benötigen. «Ein Hund ist zeitlich sehr anspruchsvoll», sagt Erika Bolt. Mindestens zwei Stunden am Tag sollte Mensch sich Zeit nehmen für seinen Vierbeiner, mit ihm spielen und ihn ausführen. Dazu kommt die Erziehungsarbeit: «Ein Hund muss gut erzogen sein und die Erziehung muss von den Erwachsenen kommen.»

Der Mensch ist schon vor rund 10 000 Jahren auf den Hund gekommen, damals nahm er Wolfswelpen zu sich und zog sie auf, zähmte sie und begann durch Zucht, Hausgenossen zu schaffen, die immer mehr seinen Wünschen entsprachen. Der Hund schloss sich dem Ersatzrudel Mensch eng an. Doch in der Hierarchie einer Familie stellt er sich in der Regel automatisch vor ein kleines Kind. Es kann in ihm kein Leittier sehen. Wer hier wen auf welche Weise zu respektieren hat, müssen beide erst lernen - das Kind und der Hund. Am besten besucht die Familie mit ihrem Vierbeiner die Hundeschule, rät die Tierschützerin. Sonst kann es zu Missverständnissen in der Kommunikation kommen und zu Machtkämpfen um die Rangposition. Mit einem Hund kommen auch Schmutz und Haare ins Haus. Wer sich daran stört, sollte einen Kauf gar nicht erst in Erwägung ziehen. Es dauert, bis Welpen aufhören, vieles anzunagen, und stubenrein sind. Ausgewachsene Hunde wiederum können eine Vorgeschichte haben, die sie als Familienhund untauglich macht.

Liebenswürdige Partner
Katzen können liebenswürdige Partner fürs Kind sein, wenn es lernt, die Eigenwilligkeiten des Tiers zu respektieren. Kleinere Kinder brauchen Anleitung, wie sie mit dem Schnurrer umgehen sollen. Ein Kind, das auf die Katze zustürmt und sie festhalten will, macht dem Tier Angst. Das Annähern sollte der Katze überlassen werden. «Die beste Mensch-Katzen-Beziehung entwickelt sich dann, wenn der Mensch imstande ist, das Tier als unabhängiges Wesen zu akzeptieren», sagt der Tierforscher Dennis Turner. Junge Katzen sollten nicht vor Ablauf von 10 bis 12 Wochen von ihrer Mutter getrennt werden. Als reine Wohnungstiere sollen nur Katzen gehalten werden, die nie zuvor Freigänger waren. «Wenn Katzen einmal freien Auslauf genossen haben, können sie nicht mehr an ein Leben nur in der Wohnung gewöhnt werden.» Katzen leben schon seit Jahrtausenden zusammen mit Menschen. Ob die Katze ihnen zulief, weil sich in ihren Kornspeichern so viele Mäuse tummelten, oder ob der Mensch nachhalf, sei ungeklärt, heisst es in einer Veröffentlichung des Schweiz Tierschutz (STS).

Familien, die Kindern Tiererlebnisse ermöglichen wollen, denken oft an den Kauf eines Kleintiers, weil sie die Haltung für unkompliziert halten. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Meerschweinchen, Kaninchen, Mäuse oder Ratten sind beispielsweise Rudeltiere oder leben in grossen Familien. Um Leiden zu vermeiden, ist es erforderlich, mindestens zwei bis drei Tiere zusammen zu halten. Dabei benötigen sie genügend Auslauf. Um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern, empfiehlt sich bei den männlichen Tieren die Kastration. Und keines der genannten Kleintiere eignet sich zum Kuscheln.

Kaninchen mögen mit ihrem weichen Fell Kinder begeistern, doch auch die Langohren sind keine Schmusetiere - das machen sie notfalls durch Kratzen oder Beissen deutlich. Kaninchen sollten weder in der Wohnung noch im Kleinstall gehalten werden. Ein Ort zum Wohlfühlen, das ist für Meister Lampe ein grosses Freilaufgehege mit Röhren und Häuschen zum Unterschlüpfen, mit Möglichkeiten zum Buddeln, zum Hoppeln und Hakenschlagen. Die Reinigung des Geheges ist etwa alle zwei Tage notwendig. Die Mümmeltiere haben einen sehr feinen Geruchssinn. Sie leiden, wenn es in ihrem Käfig nach Urin stinkt, ausserdem steigt in einem ungeputzten Gehege die Infektionsgefahr.

Grosszügige Käfige lieben auch Meerschweinchen. Tiergerechte Gehege können zwischen 300 und 600 Franken kosten. Wichtig sind mehrere Unterschlupfmöglichkeiten, etwa Holzhäuschen, denn Meersschweinchen sind Fluchttiere. In den südamerikanischen Anden, ihrer Heimat, waren sie von Beutegreifern bedroht. Es gehört zum angeborenen Verhalten, immer Ausschau nach einem Versteck zu halten. Meerschweinchen mögen frische Äste, an denen sie nagen können. Ideal ist ein grosszügiges Freigehege, in dem die hitzeempfindlichen Tiere unbedingt vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein müssen. Bei all zu hohen Temperaturen droht ihnen der Tod durch Hitzeschlag. Meerschweinchen können zutraulich werden. Sie nehmen dann das Futter aus der Hand und lassen sich streicheln. Damit Kinder ihnen nicht ungewollt Leid zufügen, müssen Erwachsene ihnen den Umgang mit den Rudeltieren beibringen.

Auch Ratten können sehr zutraulich gegenüber Menschen werden. Sie lassen sich dann gern streicheln und hinterm Ohr kraulen. Doch auch Ratten sind keine Kuscheltiere. Einem Kind, das nicht weiss, wie es mit einer Ratte umgehen soll, drohen Bissverletzungen. Da Ratten lebhaft und neugierig sind, wollen sie Freilauf, bei dem sie die Wohnung selbständig erkunden. Dabei können sie Urinmarken oder Kotbällchen hinterlassen und es kann sein, dass sie versuchen, an Kabeln und Möbeln zu nagen. Ratten, so heisst es beim Schweizer Tierschutz, schätzen es, wenn sie ihren Lebensraum strukturieren können: Wie in einer Mehrzimmer-Wohnung sollte es also im Käfig ein Plätzchen für jede Tätigkeit geben, etwa Räume zum Spielen, Schlafen, Buddeln, Essen und Wohnen. Ratten sind dämmerungs- und nachtaktiv, also nicht die idealen Partner für kleine Kinder.

Auch Mäuse schätzen Abwechslungsreiche Wohngehege. Zu beobachten, wie sie in einem grossen Käfig auf mehreren Etagen, mit Unterschlupf- und Klettermöglichkeiten leben, kann für Kinder spannender sein als das Heimkino. Sie sehen, wie sich die kleinen Tierchen gegenseitig putzen, wie sie Gänge und Nester bauen. Wenn sich Menschen den Mäusen geduldig zuwenden, werden sie zahm und nehmen Futter aus der Hand. Mäuse sind aber trotz ihres niedlichen Aussehens keine Kuscheltiere. Werden sie bedroht oder misshandelt, beissen sie kräftig zu. Einen tiergerechten Käfig zu finden, ist nicht einfach. Im Handel angebotene Käfige erfüllen oft nicht die Mindeststandards. Den Käfig sauber zu halten, gehört zu den aufwändigeren Aufgaben: Je nach Grösse des Geheges und Anzahl der Tiere muss die Einstreu täglich oder alle paar Tage erneuert werden - sonst beginnt es zu stinken!   

Vögel zu halten, gestaltet sich mit Kindern eher schwierig. Vögel brauchen Raum zum Fliegen, etwa in einer grossen Voliere oder in einem Extraraum. Kindern beizubringen, dass sie zuverlässig Fenster und Türen schliessen, ist nicht immer ganz einfach. Auch empfiehlt sich, zierliche Vögel vor ungestümen Kinderhänden zu schützen. Das Beobachten von Kanarienvögeln, Zebrafinken oder Wellensittichen, die als Schwarmtiere niemals allein gehalten werden dürfen, kann Kindern grosse Freude bereiten. Der Aufwand zum Putzen des Käfigs allerdings ist hoch und durch Kinder unter zehn Jahren kaum zu bewältigen. Hygiene ist wegen drohender Krankheiten immens wichtig.  

Kein Krach, kein Schmutz und keine Allergiegefahr: Fische erscheinen auf den ersten Blick als ideale Hausgenossen. Die Haltung ist dennoch nicht einfach. Gute Information vor dem Kauf über die Bedürfnisse der verschiedenen Arten ist angebracht.

Eltern, die sich gegen ein Haustier entscheiden, können Kindern dennoch Tiererlebnisse bieten, etwa auf einem Reiter- oder Bauernhof. Und was war für Vincent, Olivia und Magalie das schönste Erlebnis auf dem Tierhof im Toggenburg? Die drei Geschwister sind sich einig: «Alles!», kommt es wie aus einem Mund.    

Quelle/Text: Claudia Rindt