Spielerisch den weiblichen Körper kennenlernen
Wie funktioniert eigentlich der weibliche Körper? Auf diese Frage erhalten junge Mädchen in der Zyklus-Show auf spielerische Art Antwort.
«Wir haben festgestellt, dass Mädchen im Alter zwischen zehn und dreizehn Jahren sehr wenig über die Veränderungen im Körper wissen», erklärt Ursula Zeindler-Ziegelmüller, welche Kurse im Kanton Bern durchführt.
Die Idee mit der Zyklus-Show stammt ursprünglich aus Deutschland. Das «MFM-Projekt - Mädchen, Frauen, meine Tage» wurde 1999 von Dr. Elisabeth Raith-Paula aus München-Freising entwickelt, mit dem Ziel, die sexualpädagogische Aufklärungsarbeit zu ergänzen. «Es gab zwar Angebote, diese waren aber erst für Mädchen ab 14 Jahren gedacht», erklärt Ursula Zeindler. Zudem habe man festgestellt, dass die Informationen zum Zyklusgeschehen lückenhaft waren und nicht den neusten Erkenntnissen entsprachen. «Auch in unserem Schulsystem ist der Sexualunterricht oft zu wenig anschaulich und zum Teil unvollständig», so die ehemalige Primarlehrerin und Hebamme. «Aufklärung heisst nicht, sich primär dem Thema Verhütung zu widmen. Wir Erwachsenen sollten den Kindern vielmehr helfen, zuerst einen guten Zugang zum eigenen Körper zu finden.»
Im Mittelpunkt des Workshops «Dem Geheimcode meines Körpers auf der Spur?» steht die Geheimsprache des Körpers und die Geschichte von den spannenden Ereignissen während des Zyklus. Der eintägige Kurs wird in der Deutschschweiz zurzeit von 14 Kursleiterinnen in freien Kursen, von Vereinen und zunehmend auch im Rahmen der öffentlichen Schule angeboten. Ein Einstieg dazu bietet ein vorgängiger Elternabend.
Am Kurstag wird auf dem Fussboden mit farbigen Tüchern die «Bühne des Lebens» dargestellt. Dabei erhalten die einzelnen Organe zusätzlich zu den offiziellen Bezeichnungen verständliche positive Namen. So ist der Eierstock «das Schatzkästchen Eierstock« und die Scheide «die bedeutendste Empfangshalle der Welt». Mit dem sogenannten «Zyklusfadenspiel» wird deutlich gemacht, warum die Frau - im Gegensatz zum Mann - einen immer wiederkehrenden Zyklus hat.
Rahel und Nadin hatten «den Plausch» und vieles, was momentan mit ihnen und ihrem Körper geschieht, sehen sie nun anders. «Wenn ich schlechte Laune habe oder traurig bin, weiss ich, dass wohl meine Östrogenfreundinnen gerade etwas untergetaucht sind», so Rahel.
Was verspielt klingen mag, basiert auf neusten pädagogischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Derzeit bieten etwa 300 Mitarbeiterinnen in Deutschland, Österreich, Ungarn, Frankreich und der Schweiz den Workshop innerhalb und ausserhalb der Schule an. Das MFM-Projekt wurde mit dem bayrischen Gesundheitsförderungs- und Präventionspreis 2002 ausgezeichnet. Und Ursula Zeindler ist überzeugt: «Die Mädchen begreifen die oft komplexen Vorgänge auf diese Art viel besser und auch nachhaltiger, als wenn diese nur verbal vermittelt werden. Sich als Frau zu bejahen und die körperlichen Veränderungen in der Pubertät in positiver Weise zu erleben, ist eine entscheidende Entwicklungsaufgabe.»
«Da die Mädchen heute früher reif sind bzw. ihre Menstruation eher einsetzt, finde ich es durchaus sinnvoll, solche Angebote im Schulunterricht zu platzieren», erklärt denn auch Peter Stähli, Lehrer in Büren an der Aare.
Auch für Knaben steht seit Herbst 2008 in der Deutschschweiz ein MFM-Projekt zur Verfügung. Der Kurs-Titel: «Agenten auf dem Weg - mission for men!».
Wo kann man den Kurs buchen?
Frau Annina Kramer, Tel. 033 654 87 63
mfm-projekt.ch
Kidy swissfamily: August/2009
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Vogelnest
- Spielgruppe Vilters7324 Vilters
- Spielgruppe Zick-Zack3038 Kirchlindach
- Krompholz & Co. AG3001 Bern
- Jugendmusikschule Winterthur und Umgebung8400 Winterthur
8320 Fehraltorf
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