Musik tut gut
Musik lässt keinen kalt. Ob Baby, Kindergärtner oder Jugendliche - laute und leise Töne bringen die Gefühle in Wallung. Formate wie «MusicStar» oder «Deutschland sucht den
Superstar» (DSDS) boomen und auch die Schulen suchen den erlebnisorientierten Zugang zu musikalischen Erfahrungen.
Musik spielt auf allen Altersstufen eine Rolle - und immer eine andere. Babys wiegen sich begeistert im Takt, egal welcher Stilrichtung. Kleinkinder lieben Verse, Lieder, die sie verstehen und mitsingen können, und musizieren leidenschaftlich gerne mit Tambourin, Rassel oder Triangel oder ganz einfach mit Kochlöffel- und Suppentopf. Während Kindergartenkinder begeistert singen, tanzen und an Konzerte von «Schtärnefoifi» gehen, spielt ab der Mittelstufe vor allem der Rock-/Popbereich und Hip-Hop eine grosse Rolle - zu jeder Tätigkeit gibts ab dieser Altersstufe dann bereits die passende Musik ab iPod oder CD-Player: Amy Winehouse zum Lesen, Pink zum Aufräumen und James Blunt zum Schluchzen.
Etwas stiefmütterlich begleitet die Kinder der Sing- und Musikunterricht zuweilen an den Volksschulen. Je nach Lehrperson gehts rockiger oder volkstümlicher zu und her. Die Schulen müssen sich an den Bildungsauftrag halten und haben die Vorgaben des Lehrplans zu erfüllen. Dazu Edi Gürber, Leiter Fachbereich Musik an der Pädagogischen Hochschule Zürich: «Der Musikunterricht an der Volksschule erfüllt eine sehr wichtige Funktion: Er sichert für alle Kinder eine unentgeltliche musikalische Bildung. Im Gegensatz zu den Jugendmusikschulen sind an der Volksschule die wesentlichen Unterrichtsziele in den kantonalen Lehrplänen festgelegt. Ziele und Inhalte des Musikunterrichtes in den einzelnen Kantonen unterscheiden sich aber zum Teil erheblich. Doch nicht mehr lange: Zur Zeit erarbeiten die Deutschschweizer Kantone einen gemeinsamen Lehrplan, den Lehrplan 21.»
Boom an den Musikschulen
Erfreulicherweise verzeichnen die Jugendmusikschulen in letzter Zeit steigende Schülerzahlen. Ist es möglich, dass Kinder und Jugendliche durch Casting-Sendungen wie «MusicStar» oder «DSDS» einen Lernanreiz, einen neuen, fundierten Zugang zur Musik finden? Kann man einen Zusammenhang nachweisen? Niklaus Rüegg, Kommunikationsbeauftrager vom Verband Musikschulen Schweiz kann dies nicht schlüssig bejahen, aber auch nicht verneinen: «Zur Frage, ob der Zulauf an den Musikschulen etwas mit ?MusicStar? oder ?DSDS? zu tun hat, gibt es nur Spekulationen. Zumindest beim Gesang können wir aber in manchen Schulen einen regelrechten Boom in der Richtung Pop und Rock feststellen. Die Vermutung liegt nahe, dass manche Schülerinnen und Schüler durch diese Casting-Formate überhaupt erst auf die Idee gebracht werden, Gesangsstunden zu nehmen.»
Macht Musik schlau?
Den musischen Fächern stehen an den Volksschulen leider immer weniger Ressourcen zur Verfügung. Gut wäre jetzt natürlich, wenn Forscher und Bildungspolitiker belegen könnten, dass ein Zusammenhang zwischen Musik und Intelligenz bestünde - man hätte dann triftige Argumente, um mehr Ressourcen für den Musikunterricht zur Verfügung zu stellen. Der Umstand, dass Berufsmusiker in der Regel keinen höheren Intelligenzquotienten haben als Nichtmusiker, spricht aber ja eigentlich für sich. Dennoch bemühen sich Forscher mit diversen Studien, bei denen sie Kinder verschiedener Altersstufen auf verschiedenste Art und Weise mit Musik in Kontakt brachten (Klavierunterricht, Chorstunden, Musik hören), einen Zusammenhang zwischen Musik und Klugheit herzustellen. Erwiesen ist, dass nach dem Hören angenehmer Musik die kognitive Leistungsfähigkeit kurzfristig erhöht ist. Dass Musikunterricht sich positiv auf die Intelligenz auswirkt, konnte allerdings bis heute nicht bestätigt werden, wie auch Maria Spychiger, Professorin für Musikpädagogik in Frankfurt in einem Interview mit der NZZ am Sonntag betonte: «Unsere Intelligenzmessungen brachten keinen Hinweis darauf, dass die Schüler in Musikklassen intelligenter wurden als die Schüler ohne intensiven Musikunterricht». Weiter unterstreicht sie: «Es ist ganz einfach falsch, vom Musikunterricht eine Steigerung der Intelligenz zu erwarten - es geht vielmehr darum, dass sich Kinder im Lebens- und Fähigkeitsbereich Musik entwickeln können.»
Macht Musik gesund?
Unzählige Umfragen beleuchten den Einfluss der Musik auf den Menschen. Zum Beispiel auf die Gesundheit: Laut Umfragen versuchen rund 75 Prozent der Menschen, sich mit Musik aufzumuntern, wenn sie betrübt, frustriert oder sonst in schlechter Stimmung sind. Sie tun genau das Richtige. Die Lieblingsmusik ist nämlich auch gut fürs Herz: Melodien, die Freude bereiten, wirken sich positiv auf die Gefässfunktion aus, dies haben amerikanische Mediziner in einer Studie beobachtet. Während sich die Blutgefässe bei als angenehm empfundener Musik weiten und sich damit der Blutfluss verbessert, haben beängstigende Töne eher den gegenteiligen Effekt. Welche Musik welche Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat, ist dabei vermutlich individuell unterschiedlich und hängt vom persönlichen Geschmack ab.
Macht Musik feinfühliger?
Kinder, die früh mit Musik in Kontakt kommen, können, unabhängig davon ob sie im Chor gesungen oder für sich alleine Gitarre gespielt haben, bestimmte Zwischentöne in der Kommunikation besser erkennen. Die Kinder scheinen durch die Musik gelernt zu haben, ihren eigenen Emotionen nachzugehen und am Stimmenklang anderer Menschen zu erspüren, ob etwas nicht stimmt. Der Fokus der Forschung wird in Zukunft wohl eher auf Erforschung der emotionalen Auswirkungen von Musik liegen.
Eines steht fest: Musik tut gut und lässt alle Menschen, ob gross oder klein, in die Gefühlswelt abtauchen. Musik gehört zur Persönlichkeitsentwicklung und ist auch vom sozialen Standpunkt her sehr begrüssenswert. Wichtig ist also, dass ein möglichst breit gefächertes Angebot an musikalischer Gestaltung bereitgestellt wird.
Instrumentalunterricht: Ab wann?
Mit Instrumentalunterricht beginnt man am besten im Schulalter. Es ist wichtig, die Kinder das Instrument selbst auswählen zu lassen. Natürlich gelten gewisse Einschränkungen: Nicht in jedem Alter kann man mit jedem Instrument anfangen. Blasinstrumente sind beispielsweise erst für Zehn- bis Zwölfjährige geeignet. Eher unruhige Kinder lässt man eher eine Flöte oder ein Schlagzeug wählen als ein Saiteninstrument. Geige, Bratsche und Cello erfordern viel Ausdauer und Geduld (auch von Seiten der Eltern ...).
| Juliette, 13 «Seit vier Jahren spiele ich Klavier und habe nun den vierten Stufentest absolviert. Leider habe ich etwas zu wenig Zeit zum Üben. Einen Alltag ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Beim Aufgaben machen höre ich sehr oft Musik, auch beim Einschlafen.» |
| Nicolas, 11 «Ich spiele seit vier Jahren Trompete und auch Schlagzeug. Für beide Musikinstrumente nehme ich Musikunterricht. Beim Musikmachen kann ich richtig abschalten, mir macht es grossen Spass. Am liebsten würde ich in einer Band spielen, das wäre super!» |
| Céline, 13 «Ich höre sehr gern Musik. Beim Musikhören kann ich träumen und abschalten, manchmal in Ruhe nochmals den Tag überdenken. Ich bevorzuge keine bestimmte Musikrichtung, sondern höre einfach alles, was mir gefällt.» |
| Nicola, 10 «Ich habe früher Blockflöte und elektrische Gitarre gespielt. Vor einem Jahr habe ich aber den Unterricht aufgegeben ? ich hatte keine Freude mehr daran. Ich spiele Fussball in einem Verein, das gefällt mir besser.» |
Kidy swissfamily: August/2009
Quelle/Text: Esther Mogicato
Verwandte Adressen
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- Spielgruppe6006 Luzern
- Spielgruppe Malhüsli5737 Menziken
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- Musikschule Hitzkirch6285 Hitzkirch
8500 Frauenfeld
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