Ohne Fleiss kein Preis

Talent und Intelligenz sind wichtig, doch wer Erfolg in der Schule und später im Berufsleben haben will, muss auch fleissig sein. Je früher Kinder diese Lektion lernen, umso besser für sie.
Bei Schulbeginn freuen sich die meisten Erstklässler auf die Schule, auf das Lernen, auf die Hausaufgaben. Ein paar Jahre später sitzen manche der gleichen Kinder nur noch desinteressiert im Unterricht herum, und Hausaufgaben empfinden sie als lästiges Übel. Warum sind diese Kinder unmotiviert? Warum hocken sie in der Schule ihre Stunden nur ab und warten sehnsüchtig auf die Pause? Es ist ein Leichtes, die Schuld daran al-leine auf die Schule zu schieben: Der Unterricht sei zu monoton, die Lehrperson zu wenig engagiert, der Stoff biete zu wenig Realitätsbezug. Das mag zum Teil stimmen, aber wenn wir Eltern uns an unsere eigene Schulzeit erinnern, dann müssen wir ehrli-cherweise zugeben, dass sich die Unterrichtsform in den letzten dreissig Jahren zum Positiven gewandelt hat. Der heutige Unterricht geht viel mehr auf die Kinder als Indi-viduen ein. Oft können sie in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Der Frontalunterricht ist anderen Formen gewichen, bei denen sich die Kinder besser einbringen können. Es gibt viele Projektarbeiten, die den Schulalltag auflockern.

Ganz schön satt
Die meisten Schweizer Kinder wachsen im relativen Wohlstand auf. Sie haben ein schönes Zuhause, es gibt immer genug zu essen und immer wieder neue Kleidung und Spielsachen. Warum sollte das je anders werden? Viele Kinder und Jugendliche glau-ben, dass ihnen dieser Wohlstand einfach so zusteht. Ohne Eigenleistung. Man kann es ihnen nicht einmal verübeln, sie kennen ja nichts anderes. Nun, in letzter Zeit weht ein schärferer Wind, der auch uns in der Schweiz berührt. Aber Wirtschaftskrise hin oder her, es kann auch unter günstigeren Umständen nicht schaden, Kinder nicht zu Minima-listen, sondern zu sogenannten Leistungsträgern zu erziehen und ihren gesunden Ehr-geiz zu fördern. Und hier stehen wir Eltern in der Pflicht. Es liegt auch an uns, Kindern beizubringen, dass die Schule, wie auch das ganze Leben, Einsatz erfordert.

Verschiedene wissenschaftliche Studien haben belegen können, dass der Einfluss der Familie auf den Schulerfolg von Kindern doppelt so gross ist wie derjenige der Schule selbst. Die Weichen dafür legen wir Eltern schon früh, oft noch vor dem Eintritt der Kinder in die Schule. Neurowissenschafter habe zutage gebracht, dass nur ein kleiner Teil der Gehirnleistung genetisch vorgegeben ist. Die geistige Stimulation, vor allem in den ersten Jahren, spielt eine bedeutendere Rolle. Hier sind wir Eltern gefragt, indem wir unseren Kindern ein anregendes Umfeld bieten. Das hat übrigens nichts mit För-derwahn zu tun und all den privaten Kursen, die in letzter Zeit nur so spriessen. Kinder brauchen weder Früh-Früh-Englisch noch Yoga für Knirpse. Sie brauchen vielmehr das Grundgefühl der Geborgenheit und verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten, so der bekannte Kinderarzt und Buchautor Remo Largo.

Eine positive Einstellung
Nicht, ob ein Kind noch vor Schuleintritt lesen oder rechnen kann, entscheidet über seinen späteren Erfolg im Leben, sondern seine Ausdauer, Motivation und sein Enga-gement, wie Ulrike Stedtnitz in ihrem Buch «Mythos Hochbegabung» erklärt. Eltern können schon von Anfang an die Einstellung ihrer Kinder zur Schule und zu den Hausaufgaben positiv beeinflussen. Zeigen Sie Interesse für die Erfahrungen Ihres Kin-des in der Schule und nicht nur für seine Leistungen. Vertreten Sie eine positive, lust-volle Einstellung gegenüber dem Lernen. Wie interessant oder eben auch wie langweilig der Unterricht ist, hängt unter anderem auch davon ab, wie gut die Kinder mitmachen. Wer in der Schule mitdenkt und sich aktiv beteiligt, hat mehr Spass daran und bekommt dafür erst noch ein besseres Feedback seitens der Lehrperson. Helfen Sie Ihrem Kind, das zu erkennen. Zeigen Sie ihm, dass man eine Arbeit besser ausführen kann, wenn man sich darauf konzentriert und sich nicht ablenken lässt. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und erklären Sie Ihrem Kind, dass man nicht zu schnell aufgeben darf, sondern auch bei Schwierigkeiten am Ball bleiben muss, nur so kann man sie meistern. Loben Sie Ihr Kind für seine Bemühungen und nicht nur für deren Resultate.
Eine verwöhnende Erziehung, die dem Kind alle Last abnimmt und sich immer auf sei-ne Seite schlägt, ist kontraproduktiv. Ein noch so intelligentes Kind, das nie gelernt hat, Einsatz zu zeigen, wird sein Potenzial auf die Dauer nicht ausschöpfen können. Auch der amerikanische Erfinder Thomas Edison, der die Glühbirne entwickelte, erkannte den Wert von solider Arbeit und sagte: «Ein Genie ist ein begabter Mensch, der seine Hausaufgaben macht.»

Lesen ist Wissen ? Wissen ist Macht!
Beim Lesen kommen Konzentration und Ausdauer zum Zug. Je nach Inhalt kann sich uns auch viel Wissen dabei erschliessen. Wer nicht gut lesen und schreiben kann, der hat häufig auch Mühe in natur- und geisteswissenschaftlichen Fächern und in unserer Gesellschaft einen sehr schweren Stand. Die Grundvoraussetzungen fürs Lesen werden bereits in der frühen Kindheit gelegt. Betrachten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Bilderbücher. Dabei sollte ein Dialog statt-finden. Die Eltern erzählen also nicht bloss, was sie selber sehen, sie fragen auch das Kind konkret danach, was es sieht. Kleine Kinder benennen, was sie erkennen. Etwas ältere Kinder können versuchen, die Geschichte, die dahintersteckt, zu verstehen. In dieser Situation erzählen die Kinder, stellen Fragen und kommentieren die Aussagen der Erwachsenen.

Lesen Sie Ihrem Kind Geschichten oder Märchen vor. Beim Zuhören erlernen Kinder eine komplexere Sprache als die gesprochene Version und ihr Konzentrationsvermögen wird dadurch gefördert. Die Kinder sollen nicht einfach passive Zuhörer sein, sondern den Leser oder die Leserin unterbrechen dürfen, um Fragen zu stellen und Kommentare abzugeben. Reiner Konsum führt nur selten zur Erweiterung des Wortschatzes, sondern erst der aktive Austausch mit anderen Menschen.

Bringen Sie Ihrem Kind Reime, Gedichte und Lieder bei. Sie helfen dem Kind, auf ein-fache, spielerische Weise die Struktur und den Rhythmus der Sprache kennenzulernen.

Beantworten Sie die Fragen Ihres Kindes, wenn es Interesse an Schriften, zum Beispiel auf Plakaten oder Strassenschildern, bekundet. Unterstützen Sie es, wenn es lernen will, seinen Namen oder andere Wörter zu schreiben. Entmutigen Sie es nicht, indem Sie ihm sagen, es sei noch zu klein dafür.

Arbeitsplatz gesucht
Auch Kinder brauchen einen angemessenen Arbeitsplatz, um eine gute Leistung zu erbringen. Wer seine Hausaufgaben in der Stube im Beisein von jüngeren Geschwistern oder am vollen Küchentisch bei laufendem Radio machen muss, hat es nicht einfach. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind seine Hausaufgaben in seinem eigenen Zimmer macht, und zwar alleine. Die räumliche Distanz zu Ihnen führt dazu, dass das Kind nicht stän-dig nach Hilfe rufen kann, sondern zuerst nach eigenen Lösungen suchen muss. Der Schreibtisch sollte nicht mit Krimskrams beladen sein. Ebenfalls wichtig ist ein gutes Licht und ein bequemer Stuhl sowie genug Stauraum, damit das Kind sein Material übersichtlich lagern kann. Für manche Kinder, die sich nur schwer konzentrieren kön-nen, kann es hilfreich sein, zu den Hausaufgaben leise klassische Musik, ohne Ansagen und Werbung, im Hintergrund laufen zu lassen.

Quelle/Text: Nadia Fernandez