Gärtnern weckt die Sinne!
Wer keinen Garten hat, erfinde sich einen! Mit Kindern macht es riesig Spass, gemeinsam in der Erde zu buddeln, die Natur spielerisch kennen zu lernen, zu beobachten und schliesslich zu ernten. Also ? ran an Töpfe und Gartenbeete.
Schön - ich auch! Ich liebe es, die ersten Schneeglöckchen zu begrüssen, zu beobachten, wenn sich an Bäumen und Büschen Knospen öffnen, wenn in den Gärten die Bienen summen und die Schmetterlinge von Blüte zu Blüte tanzen.
Begonnen hat meine Liebe zum Gärtnern und zu allem Lebendigen bereits als Kind. Ich freute mich jeweils riesig auf die Ferien bei meiner Grossmutter. Sie besass einen grossen, sonnigen Garten hinter dem Haus. Dort durfte ich schon als kleines Mädchen mein eigenes Beet bestellen. Auf «meinem» Stückchen Erde konnte ich werkeln und experimentieren wie eine Grosse. Wie war ich stolz, wenn ich saftige Zucchettis, Tomaten und Radieschen ernten konnte.
Noch heute erinnere ich mich mit Genuss daran, wie ich die Himbeeren direkt vom Strauch zupfte und in den Mund steckte - an den unvergleichlichen Moment, wenn die frischen, süssen, saftigen Beeren im Gaumen zergehen. Ein Sommertraum, der für immer in meinem Gedächtnis gespeichert bleibt, genauso wie die tiefe Verbundenheit mit meiner Grossmutter, die mich behutsam in ihre Gartenwelt einführte, sodass sich ihre Begeisterung auch auf mich übertrug.
Schmetterling liebt Brennnessel!
Nach und nach weihte mich meine Grossmutter in die Geheimnisse des Gärtnerns ein: Sie zeigte mir, wie die Erde vorbereitet wird, wie die kleinen Samenkörner heissen, wie Salatsetzlinge aussehen, wie und wann man an heissen Sommertagen giesst und auch, welche Tiere im Garten nützlich sind. Sie hat mich gelehrt, dass auch ein vermeintliches Unkraut, zum Beispiel die Brennnesseln, ihren Platz im Garten haben und in einer Ecke ungestört wuchern dürfen. Schliesslich sind sie das bevorzugte Futter für die Nachkommen vieler Schmetterlinge, die ohne Brennnesseln keine Lebensgrundlage finden würden.
Solches Wissen hat mich beeindruckt, und ich habe damals verstanden, dass die Natur ein ausgeklügeltes System ist, in dem jeder und alles seinen Platz haben darf. «Auch die gefrässigen Schnecken?», fragt mich heute meine Tochter Yasmin, wenn wir jeweils zusammen gärtnern. «Ja, auch Schnecken sind durchaus nützlich», antworte ich dank dem reichen Erfahrungsschatz meiner Grossmutter. Sie wusste, dass die Weichtiere nicht nur Nahrung für Igel sind, sondern sie vertilgen auch faulige Blattreste und verhindern auf diese Weise, dass sich Krankheiten im Garten ausbreiten. Und da Schnecken lieber Angewelktes fressen, kann man ihnen leicht ein Friedensangebot machen: Man legt ihnen ein paar angewelkte Salatblätter, kleingeschnittene Karottenreste und was sonst noch beim Gemüseputzen und Jäten anfällt in die Nähe gefährdeter Beete und Pflanzen. Yasmin und ich haben mit eigenen Augen beobachtet: Die Schnecken stürzen sich mit Heisshunger darauf und lassen die saftigen Salate weitgehend in Ruhe. Nur wenn man ihnen gar nichts mehr übrig lässt, werden sie «wild».
Ernten, essen, geniessen!
Im Umgang mit Erde, Pflanzen und Gartentieren lernen Kinder die Bedingungen der Natur und den Rhythmus des Jahres kennen und machen dabei viele wertvolle Erfahrungen. Das Kind isst kein Gemüse? Das ändert sich bei den meisten, wenn sie selber säen, beobachten, giessen und ernten. Auch ganz kleine Kinder sind mit Eifer bei der Gartenarbeit, weil sie es lieben, die gleichen Dinge zu tun wie Mama oder Papa. Mit einer Minischaufel und einem Kinderrechen sind sie bestens gerüstet, um in einer Ecke des Gartens ihr eigenes Beet zu bearbeiten. Aber auch auf dem Balkon oder sogar auf einem Fensterbrett können sie erste Erfahrungen mit Kräutertöpfen oder Blumentrögen machen.
Lust auf warme, duftende Erde, bunte Samentütchen und grüne Setzlinge? Wir haben ein paar Ideen für den Gärtnernachwuchs gesammelt:
Für einen guten Start!
Das Wichtigste vorweg: Fast alle einjährigen Pflanzen, ob im Gemüse- oder im Blumengarten, gedeihen am besten, wenn sie an Ort und Stelle gesät werden. Allerdings: Viele Pflanzen brauchen höhere Keimtemperaturen, die bei uns erst im Mai oder Juni erreicht werden. Deshalb bleibt häufig nur das Vorziehen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Wem das zu aufwendig ist, kauft Setzlinge. Diese dürfen die Kinder dann direkt ins Beet oder in den Topf pflanzen.
Das A und O des Giessens
Um Saatgut und Setzlingen den Start zu erleichtern, giesst man sie mit lauwarmem Wasser an. Wichtig: Das Giesswasser nicht direkt an den Wurzelhals bringen, sondern immer im Kreis von aussen her giessen, damit die Wurzeln richtig eingeschlämmt werden und Kontakt zur Erde erhalten. Am besten nimmt man dazu abgestandenes Regenwasser. Grundsätzlich sollte frühmorgens gegossen werden. Nur wenn die Nächte im Frühjahr oder im Herbst kalt sind, verschiebt man das Giessen auf den späten Vormittag. Abendliches Giessen ist nur bei extremer Trockenheit im Hochsommer zu empfehlen, ansonsten führt dies leicht zu Fäulnis. Wenn die Setzlinge richtig angewurzelt sind, gilt die Regel: Einmal Hacken erspart einmal Giessen.
Tomatenfeuerwerk...
Die meisten Kinder mögen süsse Kirschtomaten. Es gibt sie in vielen Formen und Farben. Wer eine bunte Mischung nebeneinander pflanzt (das klappt übrigens auch im Topf), bekommt ein richtiges kleines Tomatenfeuerwerk. Hätten Sies gewusst? Nicht nur Menschen trinken gerne Milch, auch Pflanzen mögen ab und zu einen Guss Milch, allerdings in verdünnter Form. Besonders Farne - im Freiland und im Zimmer -, aber auch Rosen und andere Prachtstauden sowie Tomaten gedeihen besser, wenn sie ein- oder zweimal im Monat mit Magermilch gegossen weren. Dazu verdünnt man Vollmilch im Verhältnis 1:3 mit Regenwasser. Vermutlich sind es zum einen die verschiedenen Mineralstoffe und Spurenelemente in der Milch, zum anderen das tierische Fett, das die Pflanzen kräftig wachsen lässt. Noch stärker verdünnte Milch, etwa im Verhältnis 1:6, ergibt eine bewährte Spritzlösung gegen Pilzkrankheiten, z.B. die Blattfleckenkrankheit bei Tomaten und Kartoffeln. Gespritzt wird einmal wöchentlich, auch vorbeugend, und zwar direkt auf die Blätter.
... und Blumensegen
An der Kapuzinerkresse werden kleine Gärtnerinnen und Gärtner ihre wahre Freude haben: Diese Pflanze wächst schnell, ist anspruchslos und blüht wunderschön und reichhaltig. Die vergleichsweise grossen Samen von Tropaeolum majus, wie die Kapuzinerkresse auf Lateinisch heisst, gibt es überall zu kaufen. Auf der Packung steht, ob es sich um eine Sorte handelt, die rankt oder eine, die niedrig bleibt. Kinder können auch beide Sorten in einen Kasten säen. Aber bitte erst, wenn die Nächte schon wärmer werden, denn Frost verträgt das Pflänzchen überhaupt nicht. Noch ein Tipp: Auf nährstoffarmer, evtl. sogar mit Sand vermischter Blumenerde blüht die Kapuzinerkresse viel eher als auf gehaltvollem Boden. Übrigens: Die hübschen Blüten kann man essen! Sie verschönern jeden knackigen Salat und die Samen der Kapuzinerkresse schmecken in Essig eingelegt ähnlich wie Kapern.
Scharfe Radieschen...
Radieschensamen können vom Frühling bis zum Herbst ausgesät werden und sind ? weil sie so schnell gedeihen - genau das richtige Gemüse für Ungeduldige! Achten Sie mit Ihrem Kind darauf, dass es mindestens 10 cm Abstand lässt zwischen den einzelnen Pflanzen. Sonst werden die roten Knollen dünn und kümmerlich. Die Samen werden etwa 2 cm tief in die Erde gesteckt und leicht bedeckt. Dann gilt es, immer gut zu giessen: Radieschen lieben es feucht. Schon nach wenigen Tagen spriessen die ersten Blätter und nach vier bis acht Wochen können die Knollen geerntet und gegessen werden.
... und gruselige Monsterköpfe
Ganz besonders Spass machen im Herbst - zu Halloween - selbst gezogene Monstergesichter. Dazu brauchen kleine Gärtner ein grösseres Plätzchen im Gemüsebeet, am besten neben dem Komposthaufen. Dann versenkt man im Frühling einfach drei bis fünf Kürbiskerne zwei Zentimeter tief in die Erde. Achtung: Die zukünftigen Gespensterköpfe brauchen guten Naturdünger, z.B. Kompost und Hornspäne sowie ausreichend Wasser. Wer keine passende Ecke im Garten übrig hat, kann ein Samentütchen mit einer Zwergsorte kaufen und sie im Topf grossziehen. Denn schliesslich gibt es auch kleine Gespenster ? auch die können schön gruselig sein!
Kräuter & Co.
Zu knusprigen Kartoffeln passt ein fein gewürzter Quark. Kein Problem, wenn die Kinder im Frühling Kräutersamen verteilt haben. Peterli, Schnittlauch, Dill, Basilikum, aber auch Gänseblümchen oder Kapuzinerkresse (da schmecken Blätter und Blüten) passen in Quark oder Salat. Ganz einfach lässt sich auch Oregano, das Pizza-Kraut, selbst ziehen und pflegen. Oregano stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden, nur zu vieles Giessen und Staunässe sollten vermieden werden. Am besten gedeiht die Pflanze an einem warmen, geschützten und sehr sonnigen Standort. Lassen Sie Ihr Kind ein Blättchen zwischen den Fingern zerreiben, dann merkt es schnell: Das riecht ja wirklich wie eine feine Pizza. Ganz egal, ob Sie frische Blätter zum Kochen verwenden oder die Zweige trocknen lassen: der betörende Oregano-Duft weckt nachhaltige Sommerträume vom sonnigen Süden!
Quelle/Text: Christina Bösiger
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