Altersgemischtes Lernen
Im Kanton Freiburg hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Die Direktion für Erziehung, Kultur und Sport erprobt, gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg, neue Schulmodelle.
Altersgemischtes Lernen im «Teamteaching»
Die drei Basisstufenklassen Fräschels, Barberêche (einzige französischsprachige Klasse!) und Murten beteiligen sich am Schulentwicklungsprojekt «edkost4bis8». Seit dem Schuljahr 05/06 sammeln die Kinder, die Lehrpersonen und die Eltern in diesem Pilotprojekt vielfältige Erfahrungen.
Im Konzept des Kantons Freiburg ist neben einer CoProjektleitung und einer Steuergruppe auch eine zweisprachige Begleitgruppe vorgesehen, in welcher alle wichtigen Gremien vertreten sind. S&E FR stellt dort die Mitsprache der Eltern sicher und sorgt dafür, dass die Anliegen der Eltern von Beginn an gehört werden, wenn es um die Bildungszukunft geht.
Schluss mit den bisherigen Jahrgangsklassen
In den neuen Schuleingangsmodellen hat die traditionelle Jahrgangsklasse ausgedient. Erkenntnisse aus verschiedenen Studien zeigen, dass Entwicklungsstand und Lernleistungen nicht immer dem Einschulungsalter entsprechen. Die Neugestaltung der Eingangsstufe ist eine bedeutsame Reform in der schweizerischen Bildungslandschaft.
Im Bereich Kindergarten und Unterstufe zeigt sich deutlich, dass die pädagogischen Inhalte und die Übergänge optimiert werden müssen. Die Trennung von Spielen und Lernen entspricht nicht mehr den heutigen Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie. Beim Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule bringen die Kinder unterschiedliche Lernvoraussetzungen mit und der Entwicklungsstand innerhalb gleicher Altersgruppen liegt weit auseinander. Seit 2002 führt die EDKOst mit rund 13 Partnerkantonen das Schulentwicklungsprojekt «Erziehung und Bildung in Kindergarten und Unterstufe» durch. Im Schuljahr 03/04 starteten 20 Schulversuchsklassen der Grundstufe/Basisstufe. Mittlerweile beteiligen sich an den Schulversuchen mehr als 150 Klassen in 11 Kantonen.
In der Basisstufe, welche 2 Jahre Kindergarten und die erste und zweite Klasse umfasst, werden vier bis achtjährige Kinder gemeinsam unterrichtet und individuell gefördert (Grundstufe: ohne zweite Klasse). Zwei Lehrpersonen arbeiten einen Teil ihres Unterrichtspensums im Teamteaching. Dieses Teamteaching erfordert eine neue Organisation des Unterrichts. Durch die enge Zusammenarbeit mit andern Lehrpersonen können fachliche Ressourcen besser genutzt werden. In der Regel bleiben die Kinder vier Jahre in der Basisstufe. Je nach individueller Situation kann die Lernzeit aber auch um ein Jahr verkürzt oder verlängert werden. Für das Kind soll eine pädagogische Kontinuität gewährleistet sein. Es besteht ein ausgewogener Wechsel zwischen dem freien Spiel, dem spielerischen Lernen und dem systematisch zielorientierten Lernen.
Der Übergang in die Anschlussstufe verläuft fliessend und ist idealerweise auch ausserhalb des Schuljahres möglich. Je nach Entwicklungsstand sollten die Kinder zu einem flexiblen Zeitpunkt in die dritte Klasse wechseln dürfen.
Erste Rückmeldungen sind positiv
Internen Evaluationsergebnissen gemäss schätzen die Eltern die Basisstufe ihres Kindes insgesamt als sehr positiv ein. Sie haben hohe Erwartungen an diese neue Eingangsstufe. Obwohl das altersgemischte Lernen positiv wahrgenommen wird, befürchten einzelne Basisstufen Eltern, dass ihr Kind über oder unterfordert werden könnte. Auch die Lehrpersonen der Basisstufe sind begeistert. Das Teamteaching ermöglicht es ihnen, einander Feedback zu geben und ihren Unterricht besser zu differenzieren. Sie äussern aber den Wunsch, einige Bedingungen, wie z. B. die Stellenprozente, zu verbessern.
Für alle Beteiligten ist diese Zusammenführung der beiden Kulturen Kindergarten und Unterstufe eine grosse Herausforderung. Diese neue Eingangsstufe soll weder zu einer «Verkindergartung» noch zu einer «Verschulung», sondern zu einem «neuen Gebilde mit einem funktionstüchtigen Herzen» führen.
Wie geht es weiter?
In diesem Prozess ist die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung ein wichtiger Bestandteil, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Veränderungen der Schuleingangsstufe vorzulegen. Ein Zwischenbericht wird 2008 und der Schlussbericht 2010 vorliegen. Nach Abschluss der Evaluationsphase werden die Kantone innerhalb der EDKOst gemeinsame Empfehlungen für eine mögliche Umsetzung und eine gesetzliche Verankerung erarbeiten.
Näheres zum Schulentwicklungsprojekt: edk-ost-4bis8.ch
Quelle/Text: Heinrich Summermatter, CoProjektleiter Schulversuch
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Chnopftruckli, Monika Bäurle
- Spielgruppe Hoigümper4310 Rheinfelden
- Spielgruppe Stöckli3018 Bern
- Ecole maternelle Petit Ecole1636 Broc
- Musikschule Zollikon8702 Zollikon
6370 Stans
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