Der Natur auf der Spur

Der Herbst ist die bunteste Zeit des Jahres. Jetzt heisst es nochmals: Energie tanken, Sonnenstrahlen geniessen und das Farbenspiel der Natur bewundern. Locken Sie Ihre Familie ins Freie! Wir haben Ideen für kleine und grosse Abenteuer in der Natur gesammelt.
Wie wichtig Naturerlebnisse für Kinder sind, hat der Psychoanalytiker Alexander Mitscherlich bereits vor mehr als 40 Jahren aufgeschrieben: «Der junge Mensch braucht seinesgleichen - nämlich Tiere, überhaupt Elementares: Wasser, Dreck, Gebüsche, Spielraum. Man kann ihn auch ohne dies alles aufwachsen lassen, mit Stofftieren, Teppichen, auf asphaltierten Strassen und Höfen. Er überlebt es, doch man soll sich dann nicht wundern, wenn er später bestimmte soziale Grundleistungen nicht mehr erlernt.»

Um mit kleinen Kindern die Natur zu erforschen, braucht man nicht viel: Eine Wiese - auch am Stadtrand - reicht, um draussen einfache Spiele zu spielen. Als Spielzeug dienen Dinge, die sich in der Umgebung finden lassen: Gräser, Wiesenblumen, Steine, Äste. Damit ist spielend für stundenlange Unterhaltung gesorgt. Die Kinder können zum Beispiel eine Löwenzahnsuppe mit Astnudeln kochen, Gänseblümchenkränze winden, aus Kieferzapfen und Ästen Tiere basteln und diese in einem Bach um die Wette schwimmen lassen. Und bestimmt fällt ihnen noch vieles mehr ein. Am besten ist es, gar nicht viel zu planen. «Meist packe ich meine Kleinen in den Veloanhänger und fahre in den nächsten Wald», sagt die zweifache Mutter Susanne Meier. «Dort gestalten sich Nils (4) und Anne (6) ihr Programm selbst. Aus Zweigen bauen sie Hütten für ihre Tannzapfenzwerge. Wir legen zusammen Mandalas aus Kieselsteinen und Schneckenhäuschen oder wir beobachten Ameisen, Insekten und Käfer. Ich nehme immer ein Tierbestimmungsbuch und die Becherlupe mit. So kann ich meinen kleinen Forschern bei Fragen sofort Auskunft geben! Es ist faszinierend zu sehen, wie die Kinder die Zeit vergessen und ganz im Spiel aufgehen.»

Folgt dem Ruf der Wildnis!
Grössere Kinder wollen und sollen ihren Horizont erweitern: Zunehmend ist mehr Action gefragt! Sie verabschieden sich mehr und mehr von Fantasiespielen und gehen zu anspruchsvollen und aufregenderen Aktivitäten über. Kurz: Sie wollen richtige Abenteuer erleben! Zwar können heute die meisten Kinder und Jugendlichen ausgezeichnet in zweidimensionalen, virtuellen Welten navigieren, aber zur Wirklichkeit der freien Natur haben sie überhaupt keinen Bezug. Manche haben so wenig Kontakt damit, dass sie sich sogar vor Matsch oder Kleingetier ekeln und sich vor Naturkräften wie Wind fürchten. Viele haben noch nie die einfachen Freuden erlebt, am Lagerfeuer zu sitzen, draussen zu schlafen oder einen Stock zurechtzuschnitzen. Man könnte einwenden, Technik sei ihre Zukunft, und wenn sie alles übers Internet bestellen können, wozu sollten sie dann selbst Nahrung finden, einen Unterschlupf bauen oder Feuer machen können? Allerdings: Wenn Kinder oder Jugendliche mit der freien Natur in Berührung kommen und lernen, sich darin zurechtzufinden, gibt ihnen das Selbstvertrauen, fördert ihr selbständiges Denken und ihr Umweltbewusstsein. Sie brauchen keine teure Ausrüstung, nur ein paar einfache Gerätschaften und einen passenden Platz, sei dies im nahen Wald oder in einer entlegenen Berglandschaft. Zugegeben, es ist manchmal ziemlich anstrengend, unsere Teenager ins Freie zu bringen. Ihre Trägheit kann Eltern total frustrieren. Doch bleiben Sie fest: Ziehen Sie den Stecker der elektronischen Spielgeräte aus der Dose und versuchen Sie, auch die Freunde Ihrer Kinder zum Zelten oder einem gemeinsamen Ausflug in die Wildnis anzuregen. Denn woran werden sich Ihre Kinder einmal erinnern? An den Tag, an dem sie wieder einmal ferngesehen oder am Computer gespielt haben? Oder an jenen Tag, an dem sie einen Berggipfel erklommen, an einem Lagerfeuer Marshmallows geröstet und in einem Felsunterschlupf übernachtet haben? Praktische Anleitungen und Ideen für Outdoor-Aktivitäten mit ganz vielen Tipps finden Sie im neuen Buch Wildnis erleben, AT-Verlag, Fr. 35.90.

Wandern macht Spass!
Familienwandern ist die Kunst, die unterschiedlichen Wanderbedürfnisse von Kindern und Erwachsenen unter einen Hut zu bringen. Zielstrebig dem Gipfel entgegen ? oder ausgiebig spielen, herumtoben, entdecken. Die Alpen der südwestlichen Schweiz halten unzählige Berg- und Talschaften bereit, um die verschiedenen Interessen abzudecken. Seilbahnfahrten über schwindelerregende Felswände, uralte Pfade entlang kunstvoll-waghalsig angelegter Wasserleitungen, rekordverdächtige Staumauern, aber auch Trampolinsprünge in dünner Luft, klamme Finger vom Stauen eiskalter Gebirgsbäche und beeindruckende Übernachtungen in hochgelegenen Hütten lassen Familienwanderungen im Wallis und im Berner Oberland zum Erfolg werden und rufen nach einer Wiederholung!
Zahlreiche Ideen finden Familien im dritten «Bergfloh»-Band: Die Vorschläge für kurzweilige Wanderungen führen durch atemberaubende Landschaften, vergessen keinen Spielplatz am Wegrand und ersparen dank Seilbahn oder Postauto allzu anstrengende Auf- und Abstiege. Geschichten aus der Region, Wissenswertes über die Natur und tolle Spielideen für unterwegs runden die 27 ein- bis dreitägigen Touren ab. Bergfloh 3: Berner Oberland und Wallis, von Remo Kundert und Werner Hochrein, Fr. 42.-.

Lustig ist das Lagerleben
Ob als Flusspirat den Rhein entdecken oder im Zürichsee tauchen, ob leben auf dem Biobauernhof oder wie die Indianer in Tipis, der WWF Schweiz bietet eine breite Palette von ein- bis zweiwöchigen Ferienlagern an. Bei Streifzügen im Freien sowie durch Spiele und Beobachtungen lernen Kinder und Jugendliche die Natur in ihrer ganzen Schönheit und Vielfalt kennen und schätzen. Spielerisch erleben sie Zusammenhänge und lernen eine ökologische Gestaltung des Alltagslebens kennen. wwf.ch und pandaction.wwf.ch.
Achtung: Die Lager sind sehr schnell ausgebucht. Deshalb lohnt es sich, sich frühzeitig zu informieren. Das neue Programm erscheint jeweils Mitte Februar und kann bei WWF Schweiz, Pandiam
o, Postfach, 8010 Zürich, kostenlos bestellt werden.

Geschichten aus dem Zauberwald
Im kühlen Moos liegen und den Tanz der Sonnenstrahlen in den Baumwipfeln beobachten. Barfuss die angenehme Kühle der taubenetzten Waldwiesen spüren. Oder Märchen und Sagen horchen, in denen der Wald Heimat von Elfen, Feen, Zwergen und Kobolden war. All dies und noch viel mehr steht auf dem Programm dieser besonderen Familien-Waldwochen: Begleitet durch qualifizierte Naturpädagogen können Familien ganz neue Perspektiven in der Natur erleben. Die Stiftung SILVIVA führt im Herbst Waldwochen durch: Während sechs Tagen entdecken Familien auf spielerische und nachhaltige Art die Natur aus bekannten und unbekannten Blickwinkeln. Naturexperten zeigen und erklären Phänomene und stehen natürlich Red und Antwort. Eines ist dabei klar: Langweilig wird es mit Sicherheit nicht. Betreuung von A bis Z wird geboten und dies nicht nur für Kinder. Halbtags erforschen alle zusammen die Geheimisse der jeweiligen Regionen und die andere Hälfte des Tages geht das Programm für Kinder weiter, sodass die Eltern Zeit für sich haben und selber etwas unternehmen können. Für schmale Familien-Budgets gibt es Unterstützungsbeiträge. Für französisch oder auch italienisch sprechende Familien werden spezielle Ferienwochen durchgeführt. Auf silviva.ch ist das ausführliche Programm sowie alle Infos und Kosten im Detail ersichtlich.

Auf zur Handysafari!
Wenn Eltern gerne wandern, die Kinder jedoch spielen möchten, gibt es einen perfekten Kompromiss: Zum Beispiel die Handysafari, die in verschiedenen Schweizer Ferienregionen stattfindet. Das interaktive Handy-Wanderspiel sorgt für Spannung unterwegs und funktioniert folgendermassen: Die Safariteilnehmer melden sich via SMS zum Game an. Automatisch erhalten sie dann insgesamt fünf Fragen zur Region auf ihr Mobiltelefon. Die Antworten finden die Teilnehmer auf der jeweils vorgegebenen Wanderstrecke. Wer das Entdeckungsspiel abschliesst, wird reichlich belohnt: Sind alle Fragen des Rätselparcours richtig beantwortet, erhält der Teilnehmer eine Gewinner-SMS mit einem Code. Mit diesem kann er dann im Informationsbüro der Tourismusorganisationen einen Sofortpreis in Form eines 10-Franken-Gutscheins für einen Coop-Einkauf sowie ein Säckli, gefüllt mit verschiedenen Produkten, abholen. Zudem nimmt man an der Schlussverlosung teil, bei der Familienferien, Weekends und ähnliche Preise vergeben werden. Also: Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall! Die Handysafari wird von verschiedenen Ferienregionen mit dem Gütesiegel «Familien willkommen», Coop und Schweiz Tourismus angeboten. Mehr Infos unter handysafari.ch. Mehrere Destinationen bieten das Spiel auch in französischer Sprache an.

Quelle/Text: Christina Bösiger


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