Nahrung hält Leib und Seele zusammen
Wie diese alte Volksweisheit zeigt, ist der Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten nicht neu. So erstaunt es nicht, dass man bei Verhaltensauffälligkeiten eine Verbesserung erreicht, wenn die Essgewohnheiten verändert werden. Wir sagen, welche Ernährungsfaktoren einen Einfluss haben und was Eltern im Alltag konkret tun können.
Power für die «Schaltzentrale»
Dieses Beispiel mag banal klingen, doch oft vergessen wir, dass nicht nur die Muskeln Energie brauchen. Unser Gehirn ist die Schaltzentrale für Körper, Geist und Seele. Neurotransmitter sorgen dafür, dass Informationen übertragen werden. Die einzige Energiequelle für das Gehirn ist Blutzucker, den es aus dem Blutstrom bezieht und nicht speichern kann. Wenn also der Blutzuckerspiegel abfällt, leidet das Gehirn sofort und schaltet die «unwichtigen» Aufgaben (auf den Unterrichtsstoff konzentrieren, mit anderen freundlich sein usw.) ab, damit die lebenswichtigen Funktionen (Atmung, Herzschlag usw.) sichergestellt werden können. Die nötigen «Energie-Briketts» und Bausteine für die Arbeit des Gehirns stammen aus der Nahrung. Diese wird dem Gehirn vom Stoffwechsel in der richtigen Form angeliefert. Das kann aber nur funktionieren, wenn wir auch das essen, was wir brauchen. Nämlich:
- «Briketts» für konstante Energie aus komplexen Kohlenhydraten
- «Bausteine» für die Neurotransmitter aus Proteinen
- «Schmiermittel» für die Zellen aus (hochwertigen) Fetten
- Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und bioaktive Pflanzenwirkstoffe, damit die komplexen Funktionen des Stoffwechsels ablaufen können
Mängel
Selbst dann, wenn sich ein Kind eigentlich vernünftig ernährt, kann es passieren, dass sich ein Nährstoffmangel einstellt. Leider ist es schwierig herauszufinden, welche Nährstoffe fehlen könnten und es gibt kein «typisches» Nachschubproblem bei ADHS oder Legasthenie. Vitamintabletten oder spezielle Kinderprodukte helfen auch nicht weiter, weil sie unter anderem die wichtigen bioaktiven Pflanzenwirkstoffe nicht enthalten. Mit einer ausgewogenen Ernährungsweise wird aber normalerweise sichergestellt, dass man genügend Nährstoffe bekommt.
Allergien
Auch Allergien können einen Einfluss auf das Verhalten haben und eine Verhaltensauffälligkeit begünstigen. Welche Nahrungsmittel oft zu verhaltensbezogenen Allergien führen und welche nicht, geht aus den Tabellen hervor. Tabelle 2 zeigt auf, welche Nahrungsmittel bei den einzelnen Verhaltensauffälligkeiten beteiligt sein könnten. Meist ist es so, dass an Allergien nicht die ganze Produktgruppe beteiligt ist. Es kann sehr wohl sein, dass ein Kind zum Beispiel nur Kuhmilch nicht verträgt, Ziegen- oder Schafmilch jedoch keine Probleme machen. Oft werden auch Joghurt und Käse problemlos vertragen. Speziell Weizen ist oft ein Allergieauslöser, während dagegen Roggen, Hafer oder Gerste in vielen Fällen gut vertragen werden.
Leider gibt es keine einfachen Tests, mit denen man schnell und unkompliziert feststellen kann, ob ein Nahrungsmittel eine Allergie auslöst oder nicht. Die einzige zuverlässige Methode ist das Ausprobieren. Das ist zwar mit etwas Aufwand verbunden, doch es lohnt sich. Dazu ist es nötig, während mindestens vier Wochen vollständig auf die entsprechende Nahrungsmittelgruppe zu verzichten, damit sich der Stoffwechsel wieder normalisieren kann. Dann beginnt man schrittweise, die einzelnen Nahrungsmittel wieder auf den Tisch zu bringen und zu beobachten, was passiert. Wenn sich das Verhalten nicht verändert, darf es zukünftig wieder gegessen werden. Im anderen Fall lässt man es eben weg. Einige mögen sich nun fragen, wie ein Leben ohne Joghurt oder Pizza möglich ist. Muss ja auch nicht sein, auch wenn man kein Getreide essen darf! Es gibt leckere Alternativen und die geliebte Pizza kommt trotzdem auf den Tisch. Ein Abstecher auf richtig-kochen-fuer-problemkinder.ch wird auch Skeptiker davon überzeugen, dass ein Leben ohne Milch, Getreide usw. durchaus möglich ist. Und mit der Zeit erweitert sich der Speisezettel ja auch wieder.
E-Nummern
Man geht heute davon aus, dass nur wenige Zusatzstoffe im Gehirn wirksam werden und somit das Verhalten beeinflussen. Dennoch zeigen unsere Erfahrungen, dass sich oft eine Besserung der Symptome einstellt, wenn die Zahl der Süssigkeiten, Fertiggerichte usw. reduziert wird. Schaden kann es auf jeden Fall nicht.
Die Basis für andere Therapieformen
Damit andere Therapieformen überhaupt Erfolg haben können, braucht ein Kind die nötigen Bausteine und Energie-Briketts aus der Nahrung. Wenn beispielsweise ADHS-Symptome auch mit einer Allergie zusammenhängen, kann eine noch so gute Psychotherapie nicht wirklich Erfolg haben, solange die allergieauslösenden Nahrungsmittel immer wieder gegessen werden. Bei medikamentösen Therapien ist die Ernährung sogar besonders wichtig.
Ernährung und Medikamente
Kinder, die Medikamente nehmen müssen, haben einen erhöhten Nährstoffbedarf. Für sie ist darum eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Dazu gehören insbesondere Eisen, Zink, B-Vitamine, die Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin sowie Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren. Weil die meisten Medikamente leicht säurebildend sind, sollte auf eine ausreichende Versorgung mit basenbildenden Nahrungsmitteln geachtet werden. Nahrungsmittel haben auch einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten. Eine ungünstige Kombination kann dazu führen, dass eine höhere Medikamentendosis eingenommen werden muss. Die wichtigsten Tipps im Folgenden. Auf koffein- und guaranahaltige Getränke (Kaffee, Cola, Energydrinks usw.) sollte verzichtet werden. Auch Grapefruit, Kohl und gegrilltes Fleisch können manchmal einen Einfluss auf die Wirkung von Medikamenten haben. Nikotin hat starke Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten. Damit die Medikamentenwirkstoffe ungehindert ins Blut gelangen können, empfiehlt es sich zudem, eine Stunde vor und eine Stunde nach der Einnahme keine Milch zu trinken und Medikamente nicht zusammen mit fettreichen Mahlzeiten einzunehmen (mind. 2 Stunden vorher und nachher).
Begleiterkrankungen
Verhaltensauffälligkeiten werden meist nicht durch einen einzelnen Faktor ausgelöst. Manchmal sind auch weitere Begleiterkrankungen oder zusätzliche Verhaltensauffälligkeiten mit im Spiel. Wie weit diese die primäre Verhaltensauffälligkeit mitverursacht haben, ob sie davon unabhängig sind oder eine Folgeerkrankung sind, kann häufig nicht genau festgestellt werden. Erfahrungsgemäss zeigt sich jedoch, dass zum Beispiel Essstörungen häufig mit Depressionen und Angstzuständen verbunden sind und ADHS Betroffene in vielen Fällen auch an Übergewicht leiden. Bevor man mit einer Ernährungsumstellung beginnt, sollte man deshalb beim Arzt einen Check-up machen.
Der erste Schritt
Wer eine Ernährungsumstellung in Betracht zieht oder herausfinden möchte, wo Probleme liegen könnten, kann dies auf einfache Weise tun: mit einem Ernährungsprotokoll. Dazu wird während einer Woche aufgeschrieben, was ein Kind isst. Anschliessend werden die folgenden Nahrungsmittel mit Leuchtmarkern in unterschiedlichen Farben angezeichnet:
- Gerichte und Softdrinks mit vielen Zusatzstoffen (E-Nummern)
- Nahrungsmittel/Getränke mit viel «Zucker»
- Milch und -produkte
- Getreideprodukte
- Schokolade und Süssigkeiten
- Eier
- Soja und -produkte
Das Ernährungsprotokoll hilft auch dabei, eine Ernährungsumstellung zu planen. Wenn zum Beispiel «Getreide» weggelassen werden muss, ist leicht ersichtlich, bei welchen Mahlzeiten Änderungen gemacht werden müssen. Auf den ersten Blick mag das unmöglich scheinen, doch wenn man einmal angefangen hat, merkt man bald, dass es gar nicht so schlimm ist.
Quelle/Text: Cornelia Lüthi und Jerry Miszak
Verwandte Adressen
- Wegmühle-Apotheke
- Vindonissa-Apotheke5210 Windisch
- Kolin-Apotheke6301 Zug
- Dr. Anne- Karin Eigenmann6353 Weggis
- Health Company GmbH4053 Basel
3072 Ostermundigen
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