Wie viele Vitamine brauchen Kinder?
Beim Erfinden von Essensmarotten sind Kinder einfallsreich: Manche ernähren sich wochenlang nur von Chips und Gummibärchen. Ist eine solch einseitige Ernährung schädlich?
Wann müssen Eltern sich Sorgen machen? Und welche Vitamine und Mineralien brauchen Kinder?
Kidy swissfamily: Frau Bischof, bei manchen Kindern stehen Cola, Chips, Hamburger und Gummibärchen hoch im Kurs, von ausgewogener Ernährung halten sie nicht viel. Wie kommt es zur Lust auf einen variantenarmen Speiseplan?
Edith Bischof: Kinder lieben Süssigkeiten und andere von der Lebensmittelindustrie erzeugte Produkte, weil die meisten von ihnen schon mit 3 bis 6 Monaten Nahrung aus Gläschen bekommen. Diese Nahrung ist zwangsläufig anders zusammengesetzt als frisch gekochte Kartoffeln und Rüebli, die dann püriert werden. Der kindliche Organismus muss alles erst lernen, auch was ihm zuträglich ist. Bekommt er von Anfang an keine frische Nahrung, so lernen sein Magen und seine Geschmacksnerven zu wenig. Die Eltern sollten also bereits nach dem Abstillen überlegen, wie der weitere Ernährungsweg des Kindes aussehen soll. Ein Problem, das wir aber heute haben, ist die Tatsache, dass zunehmend mehr Kinder gar nicht mehr wissen, wie normal gekochtes Gemüse ohne Aromat oder wie selbst gemachte Pizza und Spaghettisauce schmecken. Da wäre ja noch alles an Vitaminen drin.
Im Gegensatz zu Erwachsenen ist der kindliche Körper im Wachstum. Welche Vitalstoffe brauchen heranwachsende Menschen -speziell?
Kinder wachsen nicht gleichmässig schnell. Sie haben richtige Entwicklungsschübe und brauchen dann immer andere Substanzen zum Aufbau. Kalzium ist natürlich sehr wichtig, auch Vitamin D. Eigentlich das ganze Spektrum, das eine gesunde biologisch ausgewogene Ernährung bietet. Der Darm sollte aus dem Speisebrei alles ziehen können. Industrielle Nahrung kann die Bedürfnisse des Kindes nicht abdecken, sie wird zu Mangelerscheinungen führen.
Können unter Umständen auch Sprudeltabletten oder andere Formen, beispielsweise Ovomaltine, die ausreichende Vitaminversorgung gewährleisten?
Richtige Ernährung ist bei Kindern ungeheuer wichtig. Ich persönlich halte wenig davon, Kindern bereits Brausetabletten oder andere wohlschmeckende Vitaminbonbons zu geben. Sie haben dann gleichzeitig den ganzen Cocktail an Aromastoffen, Süssstoffen, Zuckerersatz oder Zucker. Süssstoffe werden zum Teil bei der Schweinemast eingesetzt, daher könnte man auch bei Kindern eine ungewollte Gewichtszunahme vermuten. Zucker ist ein Kalziumräuber. Der hohe Zuckeranteil in der heutigen Nahrung ist ohnehin ein Vitaminräuber erster Güte. Zuwenig Kalzium findet man bei allen hyperaktiven Kindern.
Wie steht es mit der Vitalstoffversorgung bei Erkältungen und anderen Krankheiten von Kindern, sollten sie dann bestimmte Substanzen vermehrt einnehmen?
Auch hier sollte man die Kinder so normal wie möglich mit Vitalstoffen versorgen. Man kann zum Beispiel einen geraffelten Apfel mit Vitamin C bestreuen. Er bleibt weiss und man hat eine Zusatzdosis Vitamin C. Alle fettlöslichen Vitamine wie Vitamin A, E, D, K muss man nur bei bestimmten Krankheiten, die die Verdauungsorgane betreffen, zusätzlich verabreichen.
Kann eine unzureichende Aufnahme an Vitalstoffen eventuell einen negativen Einfluss auf die schulischen Leistungen haben? Ist das eher ein Problem in Entwicklungsländern oder kommt so etwas auch bei Kindern in der Schweiz vor?
Das kann sehr gut sein. ADHS-Kinder verbessern ihre Leistungen, wenn sie Kalzium, Vitamin B Komplex und Vitamin C bekommen. Diese Unterversorgung an Vitaminen kommt aber nicht durch Nahrungsmittelmangel, sondern durch Ernährungsfehler zustande. Ich empfehle allen Eltern, die Bücher «Die Ernährungslüge» (Wie uns die Lebemittelindustrie um den Verstand bringt; Verlag Droemer/Knaur) sowie «Die Kalorienlüge» (Über die unheimlichen Dickmacher aus dem Supermarkt; Verlag Dr. Watson Books) von Hans Ulrich Grimm zu lesen.
Könnte eine mangelhafte Versorgung auch zu Störungen in der körperlichen und geistigen Entwicklung führen?
Ich denke, das kommt nicht durch Mangelernährung vor. Was aber heute diskutiert wird, sind noch nicht abgeklärte Wirkungen von Hormonen und Pestiziden, die die schwangere Mutter bereits an ihr Kind weitergibt. Sie stehen im Verdacht, bereits Übergewicht oder bestimmte geistige Entwicklungen zu steuern.
Während der Pubertät verändern sich manche Vorgänge im Körper, braucht es dann auch eine andere Vitalstoffzufuhr als in der Kindheit?
Normal gesund ernährte Kinder brauchen auch hier nicht unbedingt einen Vitaminstoss. Anders sieht es aus, wenn sie in dieser Phase sehr viel Sport oder Leistungssport betreiben, dann kann man eine individuelle Mischung aus natürlichen, nicht geschmacklich aufgepeppten Vitaminen herstellen lassen.
Für seine Gesundheit braucht der Mensch auch sekundäre Pflanzenstoffe. Was bewirken diese und wie viel brauchen Kinder und Jugendliche?
Auch die findet man am besten im Gemüse. Die sekundären Pflanzenstoffe helfen bei der Vitaminaufnahme, sie wirken als Anti-Oxidantien und schützen dadurch nicht nur den kindlichen Körper.
Gibt es noch weitere Substanzen, die in der kindlichen Ernährung besonders wichtig sind?
Der kindliche Organismus braucht alles, Mineralien, Spurenelemente, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe. Was er genau immer braucht, weiss wirklich nur der Körper selbst. Die Zusammensetzung wird sich ständig dem Wachstum anpassen. Daher bin ich der Auffassung, dass man den Körper in keinem Wachstumsstadium belasten sollte. Zu viele Vitamine müssen auch wieder ausgeschieden werden. Vitamine sollten nur im Krankheitsfall gegeben werden. Wichtig ist es, im Alltag auf eine gesunde, natürliche Ernährung zu achten.
Informationen zu gesunder und ausgewogener Ernährung:
sge-ssn.ch (Schweizerische Gesellschaft für Ernährung)
Quelle/Text: Adrian Zeller
Verwandte Adressen
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- Spital Herisau 9100 Herisau
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4020 Basel
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