Säuren-Basen-Haushalt oder wenn auch Sie ab und zu sauer sind

Viele Menschen sind übersäuert, weil ihr körpereigener Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht ist. Denn wir essen das Falsche - und zuviel davon - und bewegen uns zuwenig an der frischen Luft.
Quelle Bild: Lola Ortega / Helmut Niklas
Die Folge: Azidose (= Übersäuerung), welche zu verminderter Vitalität, nervöser Reizbarkeit, empfindlicher Haut und zahlreichen chronischen Krankheiten führen kann. 
  
«Die meisten Menschen sind zu sauer!» klagt Dr. Wolfgang Moosburger, stoffwechselkundiger Chefarzt des auf Darmsanierung nach Dr. F.X. Mayr spezialisieren Vorarlberger Kurhotels Rickatschwende. «Sie essen zuviel vom Falschen und helfen den überschüssigen Säuren nicht durch genügend Bewegung und Atmung an der frischen Luft und durch einmal tägliches Schwitzen bei der Ausscheidung.»

Übersäuerung tritt dann ein, wenn der Säure-Basen-Haushalt im Organismus nicht mehr ausgeglichen ist, und zieht einen ganzen Rattenschwanz von sogenannten Zivilisationskrankheiten nach sich: Der Katalog reicht von nervöser Reizbarkeit («ich bin sauer!»), Energiemangel, geschwächter Abwehrkraft, depressiver Verstimmung, Magen- und Darmbeschwerden, Wadenkrämpfe, Schwindel, Schlaflosigkeit über den ganzen rheumatischen Formenkreis (inklusive dem «Säureklassiker» Gicht) bis zu Nieren- und Gallensteinen, Arteriosklerose und den ultimativen Säurekatastrophen Schlaganfall und Herzinfarkt. Und weil bei zuviel Säurezufuhr die - basischen - Mineralsalzdepots in den Knochen geplündert werden, zählt man auch Karies und Osteoporose zu den Folgekrankheiten der Übersäuerung.

Am Ende steht der Zelltod
Damit die Stoffwechselprozesse im Körper optimal ablaufen, benötigt er einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Dabei spielt sich ein höchst komplexer biochemischer Vorgang ab; dazu nur soviel: Der Organismus braucht Säuren und Basen und gleicht ihre Mengen ständig untereinander aus. Die im Körper und den Lebensmitteln vorkommenden Säuren und Basen sind in erster Linie Mineralstoffe. Saure Mineralstoffe sind: Schwefel, Phosphor, Chlor, Fluor, Jod, Silizium; basische Mineralstoffe sind: Kalzium, Natrium, Kalium, Magnesium, Kupfer, Eisen, Mangan. Säuren und Basen neutralisieren sich gegenseitig, indem sie ein unschädliches und leicht ausscheidbares Salz bilden. Dafür aber braucht der Körper genügend Basen. Überwiegen die durch zuviel tierisches Eiweiss, zuviel raffinierten Zucker oder zuviele Genussmittel zugeführten Säuren, kommt es eben zur Azidose, Übersäuerung.

Stoffwechselspezialistin Margrit Sulzberger formuliert es drastisch: «Infolge der Säure- und Eiweissablagerungen verdickt und verhärtet sich das Bindegewebe und kann seine Aufgabe als Nährstoffversorger unserer Organe nicht mehr erfüllen. Die Folge sind Sauerstoffmangel, Zell-Unterernährung, Selbstvergiftung infolge der verlangsamten Ausscheidung von Abbauprodukten und schliesslich der Zelltod!».

Gute Basenbildner sind Gewürze und Früchte
«Glücklicherweise kann jedermann ab sofort und ohne grosse Kosten etwas gegen seine Übersäuerung tun», beruhigt die Zürcher Vitaltherapeutin und Autorin zahlreicher «gesunder» Kochbücher. Eine klare Diagnose lässt sich mit dem Messen des pH-Wertes im Urin feststellen: Tauchen Sie ein Indikatorstäbchen (aus der Apotheke) während mehrerer Tage in den frischen Urin und vergleichen Sie dessen Farbe mit der Farbskala auf der Packung. 7 bis 7.5 sind neutrale Werte, alles darunter deutet auf Übersäuerung hin. Bei den meisten Menschen misst der UrinpH-Wert 5 bis 5.5. Zu beachten ist, dass die Lebensmittel entweder sauer oder basisch sind. Gefürchtete Säurebildner sind die Eiweiss-Spender Fleisch, Fisch, Wurst-waren, Hartkäse, alle gesüssten und aromatisierten Milchprodukte, alle Produkte mit weissem Zucker, Cola-Getränke, Limonaden und Fruchtsäfte aus Zitrusfrüchten, Kaffee, Schwarztee, Alkohol. Gute Basenbildner sind die meisten Gemüse und Früchte (sofern die Verdauungsleistung gut ist), Kartoffeln, Mais, Sojabohnen, Kräutertees, Gemüsesäfte.

Sulzberger empfiehlt eine Dreifach-Therapie: «Erstens lässt man beim Essen die säurebildenden Nahrungsmittel so gut wie möglich weg und bevorzugt basenbildende. Ideal für den Anfang sind Kartoffeln und Gemüse. Zweitens unterstützt man die Säure-Ausscheidung durch viel Bewegung an der frischen Luft. Und drittens führt man sich jene basischen Mineralsalze zu, die der Organismus den körpereigenen Reserven zur Neutralisierung der Säuren entzogen hat.» Diese sogenannten Basenpulver enthalten je nach Zusammensetzung Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium, manche auch Mangan, Eisen, Kieselsäure. Sie sind in Apotheken und Drogerien erhältlich.

Natürlich, so Margrit Sulzberger, könne und müsse man auf die Dauer nicht nur basisch essen. «Basisches soll im Zentrum stehen, nicht in der Beilage. Also gibt's zu Kartoffeln und Salaten Fleisch und Fisch, werden Teigwaren aus Weissmehl von Gemüsen begleitet. Und statt abends die Säurebombe «Café Complet» mit Wurst, Käse, Weissbrot und industriellem Fruchtjoghurt zu essen, kocht man sich eine schmackhafte basische Kartoffelsuppe mit Gemüsen. Zu jeder Mahlzeit gehören Gemüse und Salate. Und zwischendurch das Basenpulver nicht vergessen - der Körper kann nie genug basische Mineralien bekommen.»

Quelle/Text: Eliane Meyer


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