Plädoyer fürs Kranksein
In unserer schnelllebigen Zeit haben viele von uns vergessen, dass Krankeiten oft Sinn machen.
Zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen zählen die Tage als ich krank war. Wenn eines von uns Kindern verschnupft oder gar mit Fieber aus der Schule kam, wurde meine Mutter aktiv: Sie setzte als erstes Teewasser auf und kochte uns mit Honig oder Kandiszucker gesüssten und mit Zitronensaft gemischten Lindenblütentee, den wir möglichst heiss, schlückchenweise zu trinken hatten.
Darauf wurden wir in ein frisches Pyjama gesteckt, das Zimmer wurde gelüftet, das Bett frisch aufgeschüttelt und wenn es mit einer Bettflasche schön aufgewärmt war, wurden wir bis zum Hals zugedeckt hineingepackt. Schwitzen lautete die Devise. Wir wurden auf Suppendiät gesetzt und durften im Bett essen. Neben dem Bett wurde ein Tischchen aufgeklappt, auf dem immer frischer Tee und einige Scheiben Zwieback bereitstanden. Je nach Art der Beschwerden mussten wir zusätzlich mit Salbeitee gurgeln, bekamen einen Quark- oder Lehmwickel um Brust oder Hals verpasst und bei hohem Fieber wickelte uns meine Mutter mit Essigwasser getränkte Lappen um die Füsse. Obwohl uns Kindern in solchen Momenten absolute Bettruhe aufgezwungen wurde, fühlten wir uns wunderbar umsorgt und ich werde die ruhigen Tage im Bett, wenn meine Mutter irgendwo im Haushalt hantierte und von weither leise das Radio zu hören war, nie vergessen.
Heutzutage haben viele Eltern verlernt oder vergessen, dass es für Kinder wichtig ist, krank sein zu dürfen. Oft werden wir und auch unsere Kinder krank, wenn uns irgendetwas im Leben zuviel wird, wenn wir übermüdet, überarbeitet oder durch unser Wachstum geschwächt sind. Eine Grippe kann uns dann helfen, wieder zu uns zu finden und zur Ruhe zu kommen. Es ist eine allgemein anerkannte Tatsache, dass Kinder nach durchgemachten Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Mumps oder Grippen oft wahre Entwicklungssprünge machen. Gerade für unsere Kinder, die ja noch kein vollausgebildetes Immunsystem haben, ist es im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig, dass ihrem Körper die Gelegenheit gegeben wird, ohne unterdrückende Medikamente mit sogenannten «Banalerkrankungen» fertig zu werden. In unserer schnelllebigen, allzu hygienischen Welt, in der die Zeit oft ein wahrer Mangelartikel ist, gehen solche Binsenwahrheiten leider langsam vergessen. Leute, die in ihrer Kindheit viel krank waren, entwickeln sich später oft zu starken, gesunden Erwachsenen, da sich ihr Abwehrsystem mit vielerlei Erregern auseinandergesetzt hat und daraus über die Jahre hinweg eine hohe Resistenz entstehen konnte.
Wenn allerdings allgemeine Hausmittel wie Umschläge, Wickel, Dämpfe, Tee, Diät und Bettruhe nicht mehr ausreichen, wenn das Fieber schnell steigt, der Husten sich zur Bronchitis, der Schnupfen zum Stirnhöhlenkatarrh entwickelt, wenn starke Ohrenschmerzen auftreten, der Hals eitrig oder eine Erkältung zu einer richtigen Grippe mit Gliederschmerzen wird, müssen wir handeln. Hier bieten sich homöopathische Mittel an, da sie, wenn richtig gewählt, in erstaunlich kurzer Zeit zu einer Besserung führen. Da sich die Homöopathie nach den Symptomen und nicht nach der Diagnose orientiert, ist es für den Laien zugegebenermassen nicht immer einfach, das Richtige unter den vielen in Frage kommenden Mitteln zu finden. Lassen Sie sich deshalb von einer Fachperson beraten.
Quelle/Text: Susanne Jahn von Arx
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