Wenn Kinder ins Spital müssen

Niemand denkt gerne daran und doch kann es auch Kindern passieren, dass ein Spitalaufenthalt nötig wird. Mit der richtigen Vorbereitung ist aber alles nur halb so schlimm.
«Ich durfte mein um vier Wochen zu früh geborenes Kind gerade mal eine halbe Stunde pro Tag besuchen und es durch die Glasscheibe betrachten. Streicheln oder gar Stillen kam überhaupt nicht in Frage», erinnert sich Bea Herzog. Das war vor 35 Jahren und es wäre ihr niemals in den Sinn gekommen, die Anweisungen der Ärzte in Frage zu stellen.

Heute ist das glücklicherweise anders: Eltern dürfen teilweise sogar rund um die Uhr bei ihren kranken Kindern im Spital bleiben sofern es die Platzverhältnisse zulassen. Wenn nicht, haben sie oft uneingeschränktes Besuchsrecht und auch die Geschwister dürfen, anders als noch vor einigen Jahrzehnten, den kleinen Patienten besuchen. Diese Veränderungen sind unter anderem dem Schweizerischen Verband Kind und Spital zu verdanken, der vor 23 Jahren von Eltern, Kinderärzten und Krankenschwestern gegründet wurde und sich dafür einsetzt, dass in Krankenhäusern nicht nur den körperlichen, sondern auch den seelischen Bedürfnissen der Kleinen Rechnung getragen wird.

Auskünfte einholen
Gerade hier ist aber auch die Initiative der Eltern gefragt. Für Kinder ist die Aussicht auf einen Spitalaufenthalt ganz besonders belastend, weil sie von den Eltern getrennt werden und eine Zeitlang in einer fremden Umgebung leben müssen. Mit der richtigen Vorbereitung können sie aber der ganzen Sache etwas gelassener entgegensehen. Und je genauer die Eltern wissen, was auf ihr Kind zukommt, desto besser können sie es vorbereiten. «Als unsere älteste Tochter die Mandeln schneiden musste, brachte das einige Unruhe in unser Familienleben», sagt Colette Meister. «Erst als wir uns bei der Ärztin erkundigten, wie der Spitalaufenthalt im Detail ablaufen würde, wurden wir und vor allem auch unsere Tochter etwas ruhiger.» Eine Spitalbesichtigung eine Woche vor der Operation hat zudem noch viele offene Fragen beantwortet. Als dann die Mandeloperation bei der zweiten Tochter bevorstand, war alles nicht mehr halb so dramatisch wie beim ersten Mal. «Unsere zweite Tochter kannte den Spitalablauf und die eine oder andere Krankenschwester bereits von Besuchen bei ihrer Schwester. So hatte sie zwar immer noch etwas Angst vor der Operation und den Schmerzen, empfand aber das Ganze auch ein bisschen als Abenteuer», hat Colette Meister beobachtet.

Ganz so problemlos geht es vor allem mit kleineren Kindern meistens nicht. Sie müssen häufig dazu ermuntert werden, Fragen zu stellen und über ihre Ängste zu reden. Manche Kinder glauben, dass sie zur Strafe ins Krankenhaus müssen oder dass sie selber daran schuld sind, krank zu sein. Andere fürchten, nach der Narkose nie mehr aufzuwachen oder nie mehr heimgehen zu dürfen. Kinder, die solche Ängste haben, wirken deshalb vor dem Klinikaufenthalt oft sehr bedrückt und vermeiden in der Regel jedes Gespräch darüber. In diesem Fall ist es besonders wichtig, wenn Eltern sich Zeit nehmen und auf die Sorgen ihrer Kinder eingehen. Sehr hilfreich sind Bilderbücher, in denen der Spitalaufenthalt aus der Sicht des Kindes beschrieben wird. Beim gemeinsamen Betrachten dieser Bücher können Kinder auch gut ihre Fragen stellen.

Realistische Bilder
Ganz wichtig ist es, dass Eltern den Kindern auch die unangenehmen Seiten des Spitalaufenthaltes nicht verschweigen, ohne aber zu dramatisieren. Gleichzeitig sollten sie immer auch das Gute betonen, nämlich dass das Kind nachher wieder gesund sein wird, vielleicht ein paar neue Gspänli kennen lernt und ganz sicher so oft wie möglich von den Eltern und Geschwistern besucht wird.

Auch Eltern sehen dem kommenden Spitalaufenthalt mit einiger Nervosität entgegen. Doch auch hier gilt: Je besser die Information ist, desto weniger gross sind die Ängste, die sich auf das Kind übertragen können. Eltern sollten sich deshalb nicht davor scheuen, Fragen zu stellen und sich allenfalls auch beraten zu lassen.


Infos:
Schweizer Verein für die Rechte von Kindern und Jugendlichen im Gesundheitswesen

Kinderspitex: Auch für Kinder gibt es eine Spitex, die es möglich macht, möglichst bald wieder nach Hause zu kommen und dort gesund gepflegt zu werden. 

Quelle/Text: Marianne Siegenthaler