Asthma - ein Zeitzeichen?
Eins von zehn Kindern ist heute bereits von Asthma betroffen. Wie entsteht es? Und weshalb erkranken immer mehr Kinder daran?
Eine Untersuchung an 13000 deutschen Kindern hat kürzlich ergeben, dass drei Viertel der Eltern nichts vom allergisch bedingten Asthma ihrer Kinder wussten.
So ist es auch Eva Z., Mutter der fünfjährigen Laura ergangen: «Ich dachte erst, dass unsere Tochter einfach einen besonders hartnäckigen Husten hat.» Sie wartete erst einmal einige Zeit ab. «Erst als Laura beim Schlitteln immer sehr schnell müde war, habe ich mir Sorgen gemacht.» Als dann noch ein pfeifendes Geräusch beim Atmen dazukam, wandte sie sich an den Kinderarzt. Dieser machte verschiedene Atemtests und einen Test auf Allergene. Die Diagnose: Allergisches Asthma.
Lauras Mutter ist ebenfalls Allergikerin, auch wenn ihr der Heuschnupfen längst nicht mehr so zu schaffen macht wie als Kind. Heute weiss man, dass die Bereitschaft, auf bestimmte Stoffe allergisch zu reagieren, angeboren ist. Eva Z. hat aus diesem Grund ihre Tochter sechs Monate lang gestillt - ein guter Schutz gegen Allergien, wie zahlreiche Studien belegen, aber eben keine Garantie.
Über die Ursachen für die rapide Zunahme von Allergien bei Kindern weiss man noch nicht allzu viel. Neben der Vererbung werden Umweltfaktoren verantwortlich gemacht. Aber auch der heutige Lebensstil scheint einen Einfluss zu haben. Eine Studie hat nämlich ergeben, dass in der ehemaligen DDR weniger Kinder an Asthma erkrankten - und das trotz höherer Luftverschmutzung. Allergologen gehen davon aus, dass DDR-Kinder durch die frühen Kontakte mit anderen Kindern in Kinderhorten zwar mehr Infekte durchgemacht haben, dafür aber auch über ein besseres Immunsystem verfügen. Auch Kinder mit Geschwistern sind weniger oft von Allergien betroffen als Einzelkinder, weil sie vermehrt Viren und Bakterien ausgesetzt sind und so die körpereigene Abwehr stärken können. Kinder, die bereits betroffen sind, werden jedoch durch häufige Infekte zusätzlich geschwächt.
Eine Marburger Studie schiebt den schwarzen Peter der anhaltenden Ozonbelastung zu. Ist man nämlich längerfristig und immer wieder Ozon ausgesetzt, wird das Immunsystem derart irritiert, dass es sogar bei bis dahin gesunden Menschen allergieartige Reaktionen zeigt. Entlastet hingegen sind die vielzitierten Hausstaubmilben beziehungsweise deren Kot. Dass Staub oder Milben für die Atemnot verantwortlich zu machen sind, widerlegt eine umfangreiche Studie an über 1300 Kindern über mehrere Jahre. Einen Zusammenhang zwischen Hausstaubmilben und allergischer Reaktion konnte dabei nicht nachgewiesen werden. Nur bei den Kindern, die bereits an Asthma erkrankt sind, hat sich eine allergenarme Umgebung als hilfreich erwiesen. Ist also jemand bereits allergisch, dann können Hausstaubmilben - ebenso wie Zigarettenrauch, Staub, Pollen, Tierhaare etc. - das Leiden verstärken.
Ein weiterer Grund für die Zunahme des allergischen Asthmas sehen Fachleute aber auch darin, dass das Asthma heute besser diagnostiziert werden kann, denn die Nachweismethoden haben sich stark verbessert.
Heilbar ist Asthma nicht, aber die richtige Therapie ermöglicht den Kindern ein weitgehend beschwerdefreies Leben. Ganz wichtig ist eine frühzeitige effektive Therapie bei einem allergologisch geschulten Arzt. Die Behandlung besteht einerseits darin, dass Allergieauslöser gemieden werden. «Bei Laura haben Tests ergeben, dass sie eine Überempfindlichkeit auf Katzenhaare hat.» Glücklicherweise haben sie selber kein Büsi. Laura muss jetzt nur darauf achten, dass sie den Umgang mit Nachbars Stubentiger meidet. Bei Tieren, bestimmten Nahrungsmitteln oder Chemikalien - lässt sich ein Kontakt leicht vermeiden. Weniger einfach ist das mit Pollen, Smog oder Ozon, dem man einfach ausgeliefert ist. Für akute Allergie-Beschwerden stehen denn auch verschiedene Medikamente zur Verfügung.
Vorurteile gegen Kortison?
Bei der Behandlung des Asthmas werden kortison-verwandte Mittel eingesetzt, die sehr wirksam Schwellungen und Entzündungen abklingen lassen.
Leider hat der körpereigene Stoff Kortison immer noch einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, wie der Allergologe Stefan Hamm meint: «Die Vorurteile gegen die Kortisontherapie beim Asthma sind heute nicht mehr gerechtfertigt. Die neuen Präparate sind nur noch in der Lunge wirksam. Wenn sie trotzdem in den Körper gelangen, beispielsweise weil man sich verschluckt, werden sie dort sofort neutralisiert.» Laura trägt jetzt immer einen Asthmaspray bei sich, den sie im Notfall leicht selber anwenden kann. «Glücklicherweise hat Laura nur sehr selten Asthmaanfälle. Aber es gibt ihr Sicherheit, wenn sie weiss, dass sie der Atemnot nicht einfach ausgeliefert ist, sondern sofort etwas dagegen tun kann», sagt Eva Z.
Die einzige heute zur Verfügung stehende Therapie, die die Ursachen einer Allergie effektiv beeinflussen kann, ist eine sogenannte Hyposensibilisierung.
Das Ziel dabei ist, den Körper etwas oder ganz unempfindlich zu machen gegen die allergieauslösenden Substanzen. Das Immunsystem muss schrittweise lernen, angemessen auf Pollen, Katzenhaare oder Erdbeeren zu reagieren. Der Arzt verabreicht dazu so lange Allergene in steigender Dosierung, bis darauf nicht mehr oder nur noch minim reagiert wird.
Die Behandlung ist mit zahlreichen Arztbesuchen verbunden und kann Monate bis Jahre dauern. Die Hyposensibilisierung wird deshalb auch hauptsächlich dann angewandt, wenn dem Allergen nicht ausgewichen werden kann, also beispielsweise bei einer Pollenallergie.
Neue Hoffnung soll die Gentechnik in die Asthmatherapie bringen. Die Medizin weiss, dass bestimmte Botenstoffe und andere allergieauslösende Eiweisse die chronischen Entzündungen in den Bronchien in Gang halten. In Zukunft sollen Antikörper gentechnisch so verändert werden, dass sie Jagd machen können auf diese entzündungsfördernden Substanzen - massgeschneidert und ohne Nebenwirkungen.
Ein Heilungs- oder Linderungsversuch mit Alternativmedizin kann sich auch bei allergischem Asthma lohnen. Vor allem mit Homöopathie und Akupunktur konnten gute Erfahrungen gemacht werden.
Info Allergien
Unter dem Oberbegriff «Allergien» werden Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen zusammengefasst. Allergien spielen sich im Immunsystem des Körpers ab. Jeder uns umgebende Stoff kann für das Abwehrsystem des Körpers ein Fremdstoff (Allergen) sein. Doch nur besonders sensibilisierte Menschen reagieren «allergisch» auf solche Stoffe.
Ob Kiwi oder Katzenhaar, jeder Kontakt mit dem Allergen versetzt die Abwehrzellen in Alarm und verursacht eine Entzündungsreaktion, um die «feindlichen» Stoffe zu vernichten.
In der Folge fangen je nach dem die Augen an zu tränen, die Haut an zu jucken, es kratzt im Hals, und das Atmen fällt schwer.
Die meisten Allergien werden vererbt. Verhindern kann man Allergien heute noch nicht, aber nach dem bisherigen Wissen reduzieren folgende Massnahmen das Risiko:
- Nicht rauchen in der Schwangerschaft
- Kinder und Säuglinge vor Zigarettenrauch schützen
- Stillen für die Dauer von 4 bis 8 Monaten Breikost erst ab dem 6.
- Lebensmonat stark allergisierende Nahrungsmittel wie Eier oder Nüsse erst ab 2 Jahren.
Dieser Frage ging eine Studie nach. Nur wenn die Kinder im ersten Lebensjahr zu 2 oder mehr Hunden oder Katzen Kontakt hatten, erfolgte bis zum 6 oder 7 Lebnensjahr signifikant weniger häffig eine allergische Sensibilisierung.
Bei der Entstehung eines kindlichen Asthmas sind viele Faktoren beteiligt. Neben genetischen Faktoren scheint das Asthmarisiko mitunter von der Sensibilisierun ggegen allgegenwärtige Allergene abhängig zu sein. Die Hunde- und Katzenexposition wurde in einigen Studien als Risikofaktor für das Erlangen eines Asthmas identifiziert, andere Untersuchungen wiederum wollten einen protektiven Effekt nachgewiesen haben. Diese Analyse der Daten der childhood Allergy Study sollte nun neue Erkenntnisse zu dieser Kontroverse liefern.
Nach 6-7 Zahren Studien und follow up Untersuchungen bei einer ausgewählten Gruppe von Kindern, waren die Daten auswertbar. Getestet wurden auf allgegenwärtigen Allergenen (2 verschiedene Hausstaubmilben, Hunde, Katzen, Beifuss, Wiesenrispengras).
Die Studie ergab: das Zusammenleben mit 2 oder mehr Hunden oder Katzen im ersten Lebensjahr scheint das Risiko einer allergischen Sensibilisierung im Laufe der Kindheit signifikant zu reduzieren.
Quelle/Text: Marianne Siegenthaler
Verwandte Adressen
- Dr. Pius Anderhub
- Dr. Paul Maria Huber5200 Brugg AG
- Dr. Antoinette Otz- Marbet2502 Biel/Bienne
- Dr. Marc Herz4051 Basel
- Praxis für Ernährung, Carlo Lauven8157 Dielsdorf
6020 Emmenbrücke
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