Gesundheit aus Nabelschnurblut
Ein Thema, um das sich werdende Eltern heute ebenfalls Gedanken machen sollten, ist die Gesundheitsvorsorge mit Nabelschnurblut. Es enthält wertvolle Stammzellen.
Wird ein Kind erwartet, strömt eine Menge Neues auf die werdenden Eltern ein. Ein Thema, um das sich werdende Eltern heute ebenfalls Gedanken machen sollten, ist die Gesundheitsvorsorge mit Nabelschnurblut. Es enthält wertvolle Stammzellen. Aber was sind eigentlich Stammzellen? Wofür sind sie gut? Und sollte man das Blut lieber spenden oder fürs eigene Kind aufheben? Wir erklären die wichtigsten Fakten und Hintergründe.
Stammzellen sind natürliche Alleskönner. Sie bauen den Körper eines Menschen auf, reparieren ihn und regenerieren ihn - ein Leben lang. So sorgen Stammzellen dafür, dass aus der befruchteten Eizelle innerhalb von neun Monaten ein Baby entsteht, aus einem Kind ein Erwachsender wird. Wie das funktioniert? Durch Teilung der Stammzellen. Dabei entstehen eine neue Stammzelle und eine Tochterzelle, die sich zu spezialisieren beginnt. Diese spezialisierten Zellen werden zu Haut-, Knochen- oder Nervenzellen und bilden so das Rückgrat der über 200 verschiedenen Zellarten in unserem Körper. Zur Geburt ziehen sich die Stammzellen in die Organe zurück, wo sie während der gesamten Lebensdauer eines Menschen bleiben. Dafür nutzen die Stammzellen das Blut des Kindes. Wird das Kind abgenabelt, bleibt etwas Blut in der Nabelschnur und der Plazenta zurück. Dieses Restblut ist reich an gesunden und jungen Stammzellen. Jahrhundertelang wurde das Nabelschnurblut als Abfall behandelt, heute weiss man, dass diese Stammzellen Leben retten können.
Stammzellmedizin - neue Hoffnung für Patienten
Solange wir gesund sind, sorgen Stammzellen das ganze Leben lang für eine fortlaufende Erneuerung und Regeneration im Körper. So werden die Zellen der Magenschleimhaut beispielsweise jede Woche erneuert. Die roten Blutzellen werden im Abstand von 120 Tagen ausgetauscht, Knochenzellen alle zehn Jahre. Es gibt jedoch Krankheiten, in deren Verlauf oder bei deren Behandlung die Stammzellen zerstört werden. Dann ist eine Stammzelltransplantation erforderlich. Derzeit finden in Europa jedes Jahr fast 30 000 solcher Stammzelltransplantationen statt - die meisten davon zur Behandlungen von schweren Krebs- oder Bluterkrankungen. Viele Jahre lang wurden dafür vor allem Stammzellen aus dem Knochenmark verwendet. Seit etwa zehn Jahren werden sie Schritt für Schritt ersetzt, durch Stammzellen aus dem Nabelschnurblut. In einigen Ländern, wie den USA oder Japan, wird heute schon häufiger Nabelschnurblut verwendet als Knochenmark.
Ein zweites Anwendungsgebiet für Stammzellen sind die so genannten Volkskrankheiten. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Diabetes sowie Gelenk- oder -Knorpelprobleme. Das Auftreten solcher Zivilisationskrankheiten ist häufig altersbedingt. Man vermutet, dass die Stammzellen dabei eine wesentliche Rolle spielen. Denn Stammzellen ermüden mit den Jahren genauso wie der Rest des Körpers, ihre Reparaturfähigkeit verringert sich. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Wundheilung: Während Platzwunden oder Knochenbrüche bei Kindern scheinbar im nu verheilen, dauert es bei älteren Menschen deutlich länger. Deshalb werden wir im Alter auch anfälliger für Krankheiten. Solchen altersbedingten Erkrankungen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, wollen Ärzte mit Stammzellen zu Leibe rücken. Experten rechnen damit, dass jeder 7. Mensch im Alter bis zu 70 Jahren allein schon für die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Stammzellen benötigen wird. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind für die Medizin besonders interessant, denn sie sind jung, gesund und vital.
Dabei ist vieles, was noch vor einem Jahrzehnt utopisch schien, heute bereits Realität. Im Rahmen der Regenerativen Medizin werden Stammzellen verwendet, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren oder um individuellen Gewebe- und Organersatz für Patienten herzustellen. So ist es Wissenschaftlern bereits gelungen, aus Stammzellen neue Haut und neue Knorpel herzustellen. Auch für Erkrankungen des Zentralen Nervensystems wie z.B. Alzheimer oder Parkinson gibt es bereits grosse Fortschritte. Mit Hilfe von Stammzellen wird heute sogar schon Organersatz entwickelt. Ein deutsches Team von der Universität Hannover hat auf diese Art bereits herzkranke Kinder und Jugendliche behandelt. Auch Ärzte von der Herzchirurgie die Universität Zürich arbeiten auf diesem Gebiet. Dennoch sind Stammzellen keine Allzweckwaffe. Bei psychologischen Erkrankungen oder funktionellen Störungen helfen sie gar nicht. Auch ist es möglich, dass nicht alle Studien oder alle Stammzellarten gleichermassen zum Erfolg führen werden. Unbestritten ist jedoch, dass Stammzellen bereits heute zehntausenden Menschen geholfen haben und dass es täglich mehr werden.
Spenden ist gut, Eigenvorsorge auch
Viele Eltern kennen vielleicht die Situation. Der Arzt sagt, spenden Sie das Nabelschnurblut. Das Herz sagt, bewahr es für dein Kind auf. Was ist nun besser? Es gibt kein Richtig oder Falsch. Beides ist richtig und hängt davon ab, was die Eltern wollen. Wenn werdende Eltern eine Gesundheitsvorsorge für ihr eigenes Kind wünschen, müssen sie die Kosten für die Stammzell-Einlagerung selbst bezahlen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 3000 Franken. Dafür haben dann nur die Eltern und das Kind Zugriff darauf. Was immer die Zukunft bringt, das eigene Kind kann dann stets auf seine gesunden, jungen Nabelschnurblut-Stammzellen zurückgreifen (mehr, siehe Infokasten).
Wenn man lieber anderen Menschen helfen will, kann man das Nabelschnurblut einer Spenderdatei schenken. Die geeigneten Spenden werden dann in ein Stammzellregister eingestellt. Weltweit können Ärzte auf diese Register zugreifen. Der nächste Patient, dem diese Nabelschnurblut-Stammzellen passen, erhält sie dann für eine medizinische Behandlung. Eltern müssen bei einer Spende aber davon ausgehen, dass das Nabelschnurblut fürs eigene Kind nicht mehr verfügbar ist. Wenn Sie sich für die Stammzellspende interessieren, wenden Sie sich am besten an die Stiftung Blutstammzellen.
Nabelschnurblut - für Therapien einfach optimal?
Der Gynäkologe Prof. Volker Ragosch leitet die Asklepios Frauenklinik in Hamburg, eine der grössten Kliniken im deutschsprachigen Raum. In seiner Klinik werden seit elf Jahren Nabelschnurblut-Entnahmen durchgeführt.
Wie funktioniert eigentlich so eine Nabelschnurblutentnahme?
Wenn das Kind geboren ist, wird die Nabelschnur durchtrennt. Aus dem Nabelschnurrest, der noch mit der Nachgeburt verbunden ist, wird anschliessend mit einer kleinen Kanüle das Blut entnommen, im Schnitt um die 80 Milliliter. Für Mutter und Kind ist das ganze völlig risiko- und schmerzlos. Wird das Blut nicht abgenommen, wird die Nabelschnur einfach ungenutzt entsorgt - was sehr schade ist.
Wenn Nabelschnurblut so wertvoll ist, warum macht es dann nicht jeder?
Leider wissen werdende Eltern noch viel zu wenig über die Bedeutung von Nabelschnurblut. Immer wieder höre ich von Eltern, die erst nach der Geburt von diesem Thema erfahren haben. Dann ist es aber leider zu spät dafür. Ich halte es deshalb für sehr wichtig, dass alle werdenden Eltern frühzeitig informiert werden, dass es diese Möglichkeit gibt. Gerade wir Frauenärzte müssen hier mithelfen aufzuklären.Kritiker werfen privaten Nabelschnurblut-Banken vor, ein Geschäft mit der Angst der Eltern zu machen.
Wie stehen Sie zu diesem Vorwurf?
Es ist doch ein menschliches Bedürfnis sich abzusichern. Obwohl ich weiss, dass ich ein guter Autofahrer bin, habe ich eine Vollkasko-Versicherung. Natürlich hoffen Eltern, dass ihre Kinder gesund bleiben. Dennoch möchten sie ihre Kinder absichern. Durch die Aufbewahrung von Nabelschnurblut hat ein Kind ein Leben lang den Zugriff auf junge, körpereigene Stammzellen. Das ist in meinen Augen kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung.
Würden Sie allen Eltern empfehlen, Nabelschnurblut einzulagern?
Ja - egal ob für das eigene Kind oder als Spende für einen anderen Menschen - Nabelschnurblut ist einfach zu wertvoll, um es wegzuwerfen. Denn nur zur Geburt haben wir die Chance, Stammzellen so einfach und risikolos zu gewinnen. Zudem enthält Nabelschnurblut die jüngsten Stammzellen, die man im Leben eines Menschen bekommen kann. Nabelschnurblut ist für Therapien einfach optimal.
Das Besondere an Stammzellen aus Nabelschnurblut
- Sie sind einfach zu gewinnen: Da das Kind zum Zeitpunkt der Entnahme bereits abgenabelt ist, besteht kein Risiko für Mutter und Kind.
- Dank modernster Kryotechnik, das heisst Konservierung bei sehr niedrigen Temperaturen, können diese Stammzellen über Jahrzehnte aufbewahrt werden, ohne ihre wertvollen Eigenschaften zu verlieren.
Sie sind im Bedarfsfall sofort verfügbar. - Sie werden besser vertragen als beispielsweise Knochenmark-Stammzellen, wenn Stammzellspender und Patient nicht dieselbe Person sind.
- Sie sind einfach zu gewinnen: Da das Kind zum Zeitpunkt der Entnahme bereits abgenabelt ist, besteht kein Risiko für Mutter und Kind.
Dank modernster Kryotechnik, das heisst Konservierung bei sehr niedrigen Temperaturen, können diese Stammzellen über Jahrzehnte aufbewahrt werden, ohne ihre wertvollen Eigenschaften zu verlieren.
Sie sind im Bedarfsfall sofort verfügbar. - Sie werden besser vertragen als beispielsweise Knochenmark-Stammzellen, wenn Stammzellspender und Patient nicht dieselbe Person sind.





