Mami, Mami - ich will nicht Zähneputzen!
Ich habe ein kleines, grosses Problem mit meinem Sohn (3 Jahre). Ich muss ihn immer festhalten, damit ich seine Zähne putzen kann. Jeden Abend gibt es ein riesiges Theater.
Wie bringt man Kinder dazu, freiwillig ins Badezimmer zu gehen und dann erst noch die Zähne zu putzen? Man kann schreien, drohen oder sie gar selber ins Bad tragen. Ruhiger und entspannter geht es allerdings mit dem «Fliegenden Teppich». «Alle einsteigen, meine Damen und Herren, es geht los. Der «Fliegende Teppich» bringt Sie direkt und sicher ins Badezimmer zum Zähneputzen.» (Mit einer nasalen, gleichmässigen Stimme tönt das Ganze dann wie auf einem indischen Basar oder ähnelt einer Durchsage im Flughafen). Im Badezimmer wird der Passagier abgeladen, und wer schnell und ohne zu Murren die Zähne putzt, darf dann auch wieder zurück fliegen. Wichtig ist, dass Sie ihrem Kind schon vorher genau sagen, was Sie von ihm möchten. «Wir gehen jetzt die Zähne putzen, und ich möchte, dass du dich still hältst.» Am Anfang lieber nur ganz kurz putzen und dann mit der Zeit steigern. Auch eine elektrische Zahnbürste kann Wunder bewirken. Das Zähne-putzen geht dann oft wie von alleine.
Auch ein ausgeflippter Zahnarztstuhl kann eine Ablenkung vom Zähne putzen bringen. Auf den Schoss sitzen und den Stuhl einschalten (auf die Nase drücken). Der Stuhl beginnt zu ruckeln und zu wackeln. Zieht man sanft am linken Ohr, geht der Stuhl nach hinten, zieht man am rechten, geht er wieder hinauf. Da es leider ein altes Modell ist, funktioniert er nicht mehr ganz einwandfrei. Manchmal geht es gleichzeitig nach hinten und hinauf, manchmal gibt es auch einen lauten Alarm oder der Stuhl fängt an zu singen. Ist er richtig eingestellt, kann man ihn aber arretieren (zum Beispiel mit Druck auf die Stirn), und er bleibt während dem Putzen einigermassen ruhig.
Auch Zahnteufelchen suchen kann unheimlichen Spass machen. «Hier ist eines vom Mittagessen, hier hat sich eines noch vom «Zvieri» versteckt.» Dann drehen Sie den Wasserhahn auf und man hört wie die Zahnteufelchen auf der Zahnbürste mit ganz hoher, feiner Stimme rufen: «Nein, bitte nicht runter spülen. Wir wollen da auf der Bürste bleiben, wir wollen nicht in dieses dunkle Loch! Neiiin, bitte ni...» Dann werden die Stimmen immer leiser, bis sie plötzlich ganz verstummen, da die Zahnteufelchen ja jetzt im Lavabo verschwunden sind.
Sie können auch zusammen den Mund aufmachen zum Beispiel wie ein Löwe, ein Elefant, ein Krokodil. Oder ein Lied anhören und so lange putzen, bis das Lied zu Ende ist. Erfinden Sie zusammen Geschichten und Lieder zum Thema. Auch eine Puppe oder das Lieblingsplüschtier kann Ihrem Sohn einmal die Zähne putzen. Versuchen Sie fantasievoll und kreativ zu sein, lassen Sie sich etwas einfallen, motivieren und lenken Sie Ihr Kind ab. Sie können auch als zusätzliche Motivation eine witzige Punktekarte basteln. Das kann ein Schloss, ein Piratenschiff, ein Zoo oder ein Bauernhof sein. Wenn es geklappt hat, dann darf ihr Sohn einen Kleber aufkleben. Setzen Sie ein leichtes Ziel, also schon nach dem ersten Mal, wenn es geklappt hat, eine kleine Belohnung, dann nach dem dritten und fünften Mal eine Belohnung einsetzen. Das kann sein, ein Buch anzuschauen, ein Spiel zu spielen, ein paar Minuten länger aufzubleiben usw. Machen Sie das Ziel immer etwas schwieriger. Schimpfen Sie nicht mit ihm, nehmen Sie keine Kleber wieder weg, die Ihr Sohn schon verdient hat und machen Sie keine weinenden Gesichter, Blitze oder traurigen Smileys. Lassen Sie mit der Zeit die Punktekarte ausschleichen. Sie können auch ein schönes Puzzle kaufen. Für jedes Zähneputzen wird dann ein Puzzleteil aufgeklebt. Wenn das ganze Puzzle fertig ist, bekommt es einen Rahmen und dann natürlich einen Ehrenplatz. Oder es wird zum besonderen Geschenk fürs Grosi oder fürs Gotti, welches natürlich dann auch kräftig loben muss. Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt!
Quelle/Text: Kathrin Buholzer
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