Gesunde Zähne - ein Kapital fürs Leben

Jeder Zahn hat seine bestimmte Aufgabe. Der Zustand des Zahn-Apparates nimmt ganz wesentlich Einfluss auf die Verdauung, da zwischen Zähnen und inneren Organen insgesamt Wechselbeziehungen bestehen. Alles gute Gründe, um der Zahngesundheit beim Kind schon früh Aufmerksamkeit zu schenken.
«Man will sich ja nicht einmischen aber wie soll ich?s bloss anstellen, dass sich die Eltern meines einzigen Enkels Claudio besser um dessen Zähnchen kümmern?», fragt besorgt Grossmama Erna Egger (Name geändert). Claudio, 3, musste neulich unter Vollnarkose eine Zahnsanierung über sich ergehen lassen: 11 Milchzähne bestanden lediglich noch aus kleinen, verfaulten, braunen Stummeln. «Wenn man Claudio nur nicht ständig diesen stark gesüssten Kindertee geben würde», ereifert sich Oma Erna, «der greift garantiert die Zähnchen an!»

Nicht nur Claudio hängt praktisch permanent an der Nuckel-Flasche. Überall und nicht nur an sommerheissen Tagen erblickt man im Strassenbild Kleinkinder, aus deren Gesicht eine Trinkflasche ragt oder die beim geringsten Zeichen der Unzufriedenheit mit dem Fläschchen ruhig gestellt werden. Haben Zahnschäden beim jungen Kind tatsächlich mit diesem Übermass an gesüssten Getränken zu tun? Wir fragen Dr. med.dent. Peter Schmid, St. Gallen, Mitglied der Schweizer Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin (sgzm.ch). «Der Zusammenhang zwischen süssen Getränken und einer Gefährdung der Zahngesundheit entspricht gesicherter Erkenntnis. Lutscher, also «Schleckstengel», stehen zwar nicht mehr allzu sehr im Vordergrund. Die negative Entwicklung beginnt jedoch schon bei den gesüssten Schoppen und führt später zu den äusserst aggressiven Soft-Drinks», stellt der Zahnarzt fest. Auch der in geradezu unheimlich vielen Nahrungsmitteln enthaltene, versteckte Zucker ist eine Bedrohung für die Gesundheit der Zähne. Üble Folge: Die Zähne von etwa 40 Prozent der Kindergartenkinder sind von Karies befallen. Karies, die Zahnerkrankung, bei der es durch äussere Einwirkungen zu einer Zerstörung der Zahnsubstanz kommt, kann man als weitge-hend ernährungsabhängige Zivilisationskrankheit bezeichnen.
 
Viele, viele süsse Snacks
Es gibt kein Medikament, das den von Karies befallenen Zahn heilen würde - die Behandlung beschränkt sich auf die Reparatur der entstandenen Schäden. Vorbeugen ist eindeutig sinnvoller als reparieren. Und bei der Zahngesundheit ruht die Prävention auf zwei Säulen - auf der Ernährung und der Zahnhygiene. Was die Ernährung anbelangt: Die Werbung wird nicht müde, strahlende Mütter zu zeigen, die ihre bildhübschen Kinder mit süssen Schnittchen oder Riegelchen glücklich machen. So kann leicht der Eindruck entstehen, es gehöre zum Auftrag einer guten Mutter, die Kinder immer wieder mit Snacks zu versorgen. Diese enthalten meist Haushaltzucker, Frucht- oder Milchzucker, leicht vergärbare Zuckeranteile jedenfalls, welche die Schutzfunktion des Speichels herabsetzen und die Zahnsubstanz angreifen.

Produkte mit dem «Zahnmännchen»-Signet sind eine zahngesunde Alternative. Aber auch sie müssen mit Mass und Vernunft abgegeben werden. Des Kindes Geschmacksnerven dürfen wirklich nicht dermassen auf die Empfindung süss = gut getrimmt werden, dass der ganze Reichtum anderer Geschmacksempfindungen verödet.

«Es ist verboten, Kindern ein Lebensmittel zu verbieten. Essen darf das Kind alles. Es kommt jedoch auf die Menge und die Kombination an», meint der bekannte deutsche Ernährungsfachmann Prof. Dr. Volker Pudel. Recht hat er insofern, als bekanntlich gerade das Verbotene ganz besonders attraktiv ist. Eltern können immerhin darauf hinwirken, dass ihr Kind nicht schon vom Windelalter an auf die Geschmackskomponente Zucker getrimmt wird.

Zahnpflege darf Spass machen
Die Milchzähne die übrigens bereits in der 6. Schwangerschaftswoche im Mutterleib angelegt werden sind Platzhalter für die bleibenden Zähne und müssen deshalb gepflegt werden. Zahnarzt Dr. Schmid stellt fest, dass die Zahnhygiene bei Kindern deutlich im Sinken begriffen ist, seitdem in Gemeinden und Kantonen auch im Bereich Schulzahnpflege der Sparhebel angesetzt worden ist: «Es werden weniger Kontrollen durchgeführt und Motivierungsbestrebungen sind seltener geworden.» Der Ball ist also bei den Eltern gelandet.

Der ärgerliche Befehl «Putz jetzt endlich deine Zähne!» verhallt wirkungslos und führt zur täglichen Nervenprobe, wenn das Kind nicht schon sehr früh verinnerlicht hat: Zähneputzen ist etwas Selbstverständliches, sauber geputzte Zähne fühlen sich gut an. Die selbständige Handhabung einer griffigen Kinderzahnbürste und einer Kinderzahnpasta mit entsprechend geringem Fluoranteil kommt dann in Frage, wenn das Kind in der Lage ist, seinen Mund zu spülen. Thema Fluor: Dr. Schmid warnt überbesorgte Mütter vor einer «Überfluoridierung» mit zusätzlichen Fluortabletten und Fluorkochsalz sie kann nämlich im Verlaufe der Zeit zu einem Schmelzdefekt an den Zähnen führen.
 
Disziplin, spielerisch verpackt
Die Zahn-Fee im Handpuppenformat oder eine Plüschmaus, die begeistert jubeln, wenn die Zähnchen sauber geputzt worden sind: Machen Sie dem Kind Zahnhygiene zum fröhlichen Erlebnis. Sogar kleine Bestechungsversuche sind legitim: eine Extra-Gute Nacht-Geschichte, wenn die ganze Woche über die Zähne gewissenhaft gepflegt worden sind. Oder eine winzige Überraschung unterm Kopfkissen.

Wer die Kinderzahnbürste selbst auswählen darf, hat mehr Spass am Zähneputzen.

Quelle/Text: Esther Mogicato


Vorbeugen ist besser als heilen

Dank gezielter Aufklärung in den letzten Jahrzehnten achten praktisch alle Eltern auf eine gesunde Zahnhygiene und Kariesprophylaxe bei kleinen Kindern.

Braucht es zu einer gezielten Kinderzahnpflege auch Fluor, Zahnseide oder gar elektrische Zahnbürsten?
Dr. med. dent. Hubertus Van Waes, Direktor des Schulzahnärztlichen Dienstes der Stadt Zürich und Leiter der Station für Kinderzahnmedizin der Uni Zürich hat unsere Fragen beantwortet.

Fluoride können unsere Zähne vor Karies schützen. Brauchen Kinder zusätzliches Fluor in Form von Tabletten oder Gels?
Wenn innerhalb der Familie fluoridhaltiges Salz gebraucht wird (grüne Salz-Packung) und die Kinder ihre Zähne regelmässig mit fluoridhaltiger Kinderzahnpaste putzen, sind zusätzliche Fluoridierungsmassnahmen nicht notwendig. Sind Eltern unsicher, sollten sie sich mit ihrem Zahnarzt/ihrer Zahnärztin besprechen.

Kinder schauen oft den Erwachsenen beim Zähneputzen zu. Dabei sehen sie, dass auch Zahnseide benutzt wird. Darf man Zahnseide schon bei Kindern anwenden?
Die Zahnseidenanwendung ist im Milchgebiss sehr schwierig. Es besteht eine erhöhte Verletzungsgefahr für das Zahnfleisch. Nur bei sehr motivierten Eltern und kooperativen Kindern wäre eine Anwendung möglich - das sind aber genau jene Personen, bei denen eine Behandlung mit Zahnseide weniger bringt, da sie den Zähnen bezüglich Pflege und Ernährung grosse Sorge tragen.
 
Man sieht in den Läden immer mehr elektrische Kinderzahnbürsten. Sind die Geräte für Kinder empfehlenswert?
Elektrische Zahnbürsten können bei Kindern die Reinigung erleichtern. Wichtig ist wie bei normalen Zahnbürsten, dass der Kopf möglichst klein und die Borsten weich sind.
 
Wann sollten die Kinder zum erstenmal zum Zahnarzt?
Ideal wäre der Moment, wo die ersten Milchbackenzähne durchbrechen, also zwischen dem 12. und dem 16. Monat. Die zweiten Milchbackenzähne brechen dann rund um den zweiten Geburtstag durch und vervollständigen das Milchgebiss. Ein Besuch möglichst früh ist wünschenswert, weil beginnende Schäden an den Schneidezähnen bereits erkennbar sind. Der Zahnarzt kann nun noch etwas unternehmen, bevor es zu richtigen Löchern kommt.
 
Dürfen Kinder bei einer Kontrolluntersuchung der Eltern dabei sein, um mal zuzusehen, wie es beim Zahnarzt, der Zahnärztin zu und her geht?
Dies befürworten wir Zahnärzte sehr!