Was gibts da zu lachen?!
Ohne Humor wäre unser Leben viel langweiliger, das ist uns allen klar. Aber dass Humor auch bei der Erziehung unserer Kinder gute Dienste leisten kann, das wissen noch nicht alle.
Jedes Lachen, nur schon ein Lächeln, ist eine Form von Kommunikation, eine universelle Brücke zu unseren Mitmenschen. Nicht umsonst freuen sich Eltern auf der ganzen Welt riesig auf den Moment, an dem ihr Baby sie zum ersten Mal bewusst anlächelt. Humor kann so manche schwierige oder vertrackte Situation überwinden helfen. Diese Erfahrung haben die meisten von uns schon gemacht, sei es im Beruf, in der Paarbeziehung oder in Situationen des alltäglichen Umgangs mit unseren Mitmenschen. Mit etwas Humor kann man nicht nur kritische Situationen entschärfen. Wer einen humor-vollen Blick hat, geht einfach leichter durchs Leben, denn er legt nicht jedes Wort auf die Waagschale. Er reagiert auf die vielen kleinen Missgeschicke und Unfälle, die der Alltag immer wieder für uns bereithält, nicht mit Gehässigkeit oder Bitterkeit, sondern geht gelassener darüber hinweg. Diese Einstellung ist auch bei der Erziehung unserer Kinder nützlich.
Alles ist relativ
Ein humorvoller Blick soll nicht bedeuten, dass wir nichts mehr ernst nehmen und dass kein tiefgründiges Gespräch mehr möglich oder erwünscht ist, sondern vielmehr, dass wir bereit sind, die Dinge nicht wichtiger zu nehmen als nötig und ihre Bedeutung zu relativieren, ja manchmal sogar über einige Dinge einfach hinwegzusehen. Man kann sich beispielsweise sehr ärgern, weil das Kind beim Rahmschlagen den Stabmixer aus dem Behälter gezogen hat und nun über und über bekleckert ist und die halbe Küche mit Rahm begossen hat. Und man kann endlos darüber zetern, was man jetzt alles putzen muss und sich ausgiebig darüber auslassen, dass das Kind nie etwas richtig macht und, und, und. Man kann sich aber auch einfach dafür entscheiden, das Komische an der Situation zu erkennen und darüber zu lachen. Wichtig ist, dass wir über den Fehler lachen können und nicht über den, der ihn begangen hat, also eher «Ui, jetzt ist das Ei einfach vom Tisch gerollt. Und Tschüss!!», anstatt «Ha, ha, du bist ja so ungeschickt!»
Humorvolle Menschen sind nicht selbstgerecht, sondern können gut über ihre eigenen Fehler lachen. Das kommt erstens bei den anderen viel besser an und zweitens nimmt man damit möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln. Es gilt auch für Eltern, dass sie Schwächen zeigen dürfen. Indem Sie lachend darauf hinweisen, dass Sie in einer gewissen Situation überfordert sind oder dass Sie sich von Ihrem Kind geschlagen geben, zeigen Sie ein viel souveräneres Verhalten, als wenn Sie Ihren Ärger an Ihrer Umgebung abreagieren.
Eine Win-Win-Situation
Wer den Erziehungsalltag mit Humor angeht, der tut nicht nur seinen Kindern etwas zuliebe, sondern schont gleichzeitig seine eigenen Nerven. Denn er fasst nicht jede Aufmüpfigkeit und jeden frechen Spruch seines Kindes als Totalangriff auf seine Person und als Untergrabung der elterlichen Autorität auf. Vielmehr sieht er sie als Ausdruck der Lebendigkeit des Kindes, das verschiedene Sachen ausprobiert. Wer mit Humor durchs Leben geht, unterstellt nicht jedem Angriff einen bösen Willen. Und wenn Eltern Aufgaben und Pflichten in einem witzigen Ton vorbringen, stossen diese auf weniger Widerstand als solche im Befehlston. Mit einem Lächeln im Gesicht lassen sich auch Gebote und Verbote leichter durchziehen. Für Kinder ist es schwieriger, jemanden nicht zu mögen und dessen Wünsche zu missachten, der freundlich ist und einen herzlich anlächelt. Gerade im Umgang mit etwas schwierigeren Themen kann Humor die Situation entspannen helfen, egal, ob es sich um das Überwinden einer grossen Enttäuschung oder um ein Gespräch über Sexualität geht. Humor ist wichtig, um Ängste zu relativieren und emotionale Spannungen zu lösen, aber auch um negative Erfahrungen, Frustrationen und peinliche Momente zu überstehen. Oder anders gesagt: Humor ist ein ausgezeichneter Weg zur Stressbewältigung. Mit einer humorvollen Perspektive kommt man auch eher zu einer konstruktiven Lösung, die beiden, den Eltern und dem Kind, entspricht. Eine schlechte Note kann beispielsweise von den Eltern als Grund für eine Tirade in Richtung «Streng dich mehr an!» genutzt werden. Man kann sie aber auch als Ausrutscher betrachten. Zetern und Nörgeln können in den seltensten Fällen die Motivation steigern, ein kleiner, aufmunternder Spruch («In deinem Alter war ich im Rechnen auch nicht besser - und schau, was aus mir geworden ist!») schon eher - oder wenigstens zum Lachen verleiten.
Die meisten Eltern sind der Meinung, dass Strafen und Humor sich gegenseitig ausschliessen. Wie wirkungsvoll kann denn eine Strafe sein, die beide Seiten zum Schmunzeln verleitet, mag man sich fragen. Doch wer einfallsreich ist, dem werden sogar zum leidigen Thema Strafen humorvolle Varianten in den Sinn kommen: Wer beispielsweise sein Ämtli vergisst, muss das nächste Abendessen kochen, den Familienwagen waschen oder das Zimmer der Schwester aufräumen. Es ist auch wichtig anzuzeigen, wann der Spass aufhört und man wieder zu etwas ernsteren Tätigkeiten zurückkehren möchte oder muss. Aber auch das gelingt besser, wenn die Botschaft in einem freundlichen Ton und mit einem Lächeln auf den Lippen überbracht wird. Eine solche Erziehung trägt schnell einmal Früchte. Kinder, die in einem humorvollen Umfeld aufwachsen, haben in der Regel eine positive Lebenseinstellung. Fröhliche Kinder sind logischerweise viel beliebter und haben mehr Freunde als Miesepeter. Diese innere Stärke und die Unterstützung durch ihr Umfeld bewirken, dass sie den widrigen Umständen, die das Leben unweigerlich mit sich bringt, besser begegnen können. Humor ist untrennbar verbunden mit Lachen und Lächeln. Es ist eine alte Binsenwahrheit, dass es sich mit einem Lächeln auf dem Gesicht leichter durchs Leben gehen lässt. Je früher ein Kind also mit Humor in Kontakt kommt, und all seine positiven Aspekte nutzen kann, desto besser.
Kinder als Inspiration
Beim Thema Humor ist es durchaus angebracht, sich von seinen Kindern den Weg zeigen zu lassen. Natürlich waren auch wir Erwachsenen alle mal klein, hatten viel Spass und trieben gerne Unfug. Aber das liegt so lange zurück, dass es für manche schwierig ist, bei der eigenen Kindheit anzusetzen. Viel leichter ist es, die eigenen Kinder zu beobachten. Gesunde, normal entwickelte Kinder sind in der Regel von klein auf Meister darin, Witziges und Fröhliches im Alltag zu entdecken. Kinder lachen viel häufiger als Erwachsene. Der sogenannte «Ernst des Lebens» hat sie zum Glück noch nicht im Griff. Kinder lächeln und lachen, wenn sie spielen, aber auch wenn sie etwas zum ersten Mal alleine können und stolz auf sich sind. Kinder machen gerne Wortspielereien, nennen Dinge absichtlich beim falschen Namen, erfinden neue Ausdrücke, sie ändern ihnen bekannte Lieder ab, sie erzählen gerne Witze und sagen absichtlich das Gegenteil von dem, was sie wirklich meinen.
Und bei allen ihren Experimenten mit der Materie Humor haben sie unsere Reaktion im Auge. Wenn wir diese kreativen Versuche mit einem knappen «Hör auf mit dem Blödsinn!» taxieren, stellen wir uns nicht nur als völlig humorlos dar, wir signalisieren dem Kind, dass Humor in unserer Familie keinen Stellenwert hat. Doch solche kindlichen Versuche verdienen unsere unterstützende Aufmerksamkeit. Sie brauchen Ihr Kind nicht für jeden kleinen witzigen Satz über den grünen Klee zu loben. Aber ein nettes Schmunzeln ist ein Zeichen in die richtige Richtung. Mit diesem Lächeln vermitteln Sie dem Kind, dass Sie es rundum akzeptieren - auch wenn Sie vielleicht seinen Sinn für Humor nicht immer verstehen. Eine versteinerte oder genervte Miene hingegen ist eine Herabsetzung und eine Strafe für jedes Kind, das hoffte, etwas Lustiges gesagt oder getan zu haben.
Fröhlichkeit lässt sich nicht erzwingen, das ist klar. Aber wenn etwas guter Wille vorhanden ist, kann man sich den heiteren Momenten, die sich im Leben immer wieder bieten öffnen, ja mit der Zeit sogar einen Sensor dafür entwickeln. Dazu ist es nützlich, sich selber zu fragen, ob man nicht unnötig ernst durchs Leben schreitet. Ist denn der Alltag so mühsam? Gibt es so grosse Schwierigkeiten im Leben, dass man immer vernünftig und zielgerichtet handeln muss, dass kein Platz fürs Blödeln und Herumalbern bleibt? Ist Ihre Aufgabe als Mutter oder Vater so anspruchsvoll, dass Sie keinen Sinn dafür haben, wenn Ihr Kleinster die Banane zum Telefon umfunktioniert? Nein?! Dann machen Sie doch mit und parlieren Sie mit dem Kind durch eine andere Banane. Durch solche und andere Spielereien entdeckt man nach und nach wieder das eigene innere Kind. Es macht auch Erwachsenen Spass, fröhlich und unbekümmert zu sein und den Spieldrang, der uns Menschen angeboren ist, etwas auszuleben. Sich für einmal nicht darum zu kümmern, was andere von uns denken könnten, sondern im Hier und Jetzt leben und geniessen. Humor entsteht nämlich vor allem dann, wenn man aus den gewohnten Bahnen ausbricht und mal etwas ganz Neues und vielleicht auch Verrücktes wagt.
Und noch etwas: Wir Erwachsenen müssen uns von der weitverbreiteten Vorstellung lösen, dass Menschen mit Humor keinen Tiefgang haben und dass sie weniger intelligent sein sollen als ernste Menschen. Das ist ein weitverbreiteter Irrtum, der darauf basiert, dass ernste Menschen häufig auch schweigsam sind und wer kaum etwas sagt, sagt auch seltener etwas Dummes. Die Angst davor, vielleicht einmal etwas Unpassendes zu sagen, sollte uns allerdings nicht daran hindern, spontan, offen, kommunikativ und eben auch humorvoll auf unsere Umgebung zuzugehen. Es mag sein, dass stille, ernste Menschen für klüger gehalten werden - fröhliche und witzige sind aber in der Regel viel beliebter.
Humor als Therapie
Gegen 200 Humorforscher ? Psychologen, Mediziner, Linguisten und Immunologen - befassen sich mittlerweile auf der ganzen Welt mit den Auswirkungen herzhaften Gelächters auf Leib und Seele. Für sie ist es sonnenklar, dass das Lachen nur positive Auswirkung auf die menschliche Psyche hat. Mehr noch: dass es die Ausschüttung von Endorphin-Hormonen bewirkt und damit auch die Abwehrkraft des Immunsystems gegen allerhand Infektionen stärkt. Im Lichte solcher erheiternder Erkenntnisse verbreiten sich Institutionen wie die Lach-Clubs des indischen Arztes Dr. Madan Kataria oder die Kinderspital-Clowns nach dem Vorbild des US-Doktors Patch Adams in Windeseile auch in unseren Breitengraden.
Wegbereiter der Lachtherapie in Europa ist der in Zürich ansässige Verein HumorCare des Psychotherapeuten Dr. Peter Hain. Zusammen mit dem Verein humor.ch und der Messe Basel hat er seit 1996 nicht weniger als fünf Kongresse zum Thema «Humor in der Therapie» mit bis zu 700 Teilnehmenden durchgeführt. Da verwundert nicht, dass es zum Thema auch eine Website gibt.
humor.ch enthält eine Fülle von Informationen und Links zu den wissenschaftlichen und unwissenschaftlichen Aspekten.
Quelle/Text: Nadia Fernandez
Verwandte Adressen
- Spielgruppe Tazzelwurm, Ruth Strauss
- Spielgruppe (Fischerhüsli), Anna Schmitz2562 Port
- Musikschule Biberstein5023 Biberstein
- Musikschule Michelsamt6215 Beromünster
- Jugendmusikschule Amriswil8580 Amriswil
5312 Döttingen
Verwandte Artikel
- Fertig gebrüllt!Artikel vom 04.10.2011, 12:44
- Über Ausweichstrategien angepasster JungkrähenArtikel vom 04.10.2011, 12:06
- Expedition in einen NeuanfangArtikel vom 06.09.2011, 11:23
- Rede mit mir!Artikel vom 08.08.2011, 12:39
- Der Tango des LebensArtikel vom 08.08.2011, 12:19




