Arena: Peer Education - lernen auf Augenhöhe

Medienkompetenz ist entscheidend für den Lebenserfolg von Kindern und Jugendlichen. Da die Meinung der Eltern in dieser Lebensphase aber immer weniger zählt, können Jugendliche das Vermitteln der wichtigen Inhalte und Fertigkeiten und den Umgang damit manchmal selber übernehmen. Und es kommt Erhellendes dabei heraus.
Die vierzehnjährige Sophie sitzt an ihrem Computer und schreibt eine Arbeit für die Schule. Derweil geht auf ihrem Smartphone Nachricht um Nachricht ein - und sie reagiert prompt. Ihre Mutter findet: "So kannst du doch nicht lernen, unkonzentriert und nicht bei der Sache." Für Teenager ist dies jedoch durchaus eine Art des Lernens - Sophies Klasse ist in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen und die Klassenkameraden helfen sich so gegenseitig bei den Hausaufgaben. Für Heranwachsende haben soziale Netzwerke Pausenplatzcharakter. Hier trifft man sich, kommuniziert, berät sich, erzählt sich die neuesten Erlebnisse und Erfahrungen. Jugendliche lernen auf vielfältige Weise mit und von Gleichaltrigen. Dadurch prägen diese neben dem Elternhaus und der Schule die Entwicklung von Heranwachsenden massgeblich mit.

Kinder lassen sich von ihren Eltern noch begleiten und an einen sicheren und altersgerechten Umgang mit digitalen Medien heranführen, siehe Artikel "Neue Medien - neue Herausforderungen" ab Seite 22. Jugendliche in der Pubertät hingegen suchen die Anerkennung und Beratung von Gleichaltrigen; sie nabeln sich von ihren Eltern ab, wollen vieles nicht mehr mit ihnen besprechen. Trotzdem bleiben die Eltern wichtig: weniger als Berater im Alltag, denn als Begleiter, wenn es um ernsthafte Probleme wie etwa Sexting oder Cybermobbing geht.

Im Medienumgang sind Heranwachsende oft geschickt und besitzen vielfältige Fertigkeiten und Kompetenzen. Zudem können sich Jugendliche gut in die Lage von Gleichaltrigen versetzen und Probleme unter sich lösen. Das macht man sich in der Kinder- und Jugendarbeit zunutze - mit der Peer-Education-Methode. Als Peers bezeichnen Fachleute Personen, die einander gleichgestellt sind. Personen, die der gleichen sozialen Gruppe - der Peer Group - angehören, besonders bezüglich ihres Alters, ihrer Stellung oder ihres Status. Peer Education bezeichnet folglich die Aufklärung von Gleich zu Gleich: Jugendliche vermitteln Gleichaltrigen ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten. Sie kommunizieren verständlich und in der gleichen Sprache. Darin sehen Pädagoginnen und Pädagogen den grossen Vorteil der Methode. Deshalb hat Peer Education als Ergänzung zur Prävention durch Erwachsene Potenzial. Die Methode ist nicht neu und wird seit Jahren erfolgreich in der Prävention eingesetzt, bei Themen wie etwa Sexualität und Gesundheit. In der Medienbildung jedoch wird sie noch wenig genutzt.

Wie man das Potenzial der Peer Group zur Förderung von Medienkompetenzen besser nutzen könnte, wird derzeit im Rahmen des nationalen Programms Jugend und Medien in sieben Modellprojekten erprobt. Dabei profitiert nicht nur die Peer Group, sondern vor allem auch die Jugendlichen, die ihr Wissen weitergeben und als sogenannte Peer Educators befähigt werden: Sie vertiefen ihre fachlichen Kompetenzen im Thema, das sie vermitteln und fördern ihre soziale Kompetenz, indem sie immer wieder auf neue Gruppen eingehen müssen. Dank der Anerkennung, die sie als Expertinnen und Experten ernten, stärken sie ihr Selbstbewusstsein.

Ihre Meinung:

Claudia Paiano

Digitale Medien
verantwortungsvoll nutzen

Romina Miani

Jugentliche bestimmen selbst


Nicolas Perelyguine

Für Erwachsene kein Alltag
Jacqueline Degen

Das ist mir auch schon passiert


Quelle/Text: Sabine Hunziker


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