Die Geburt beginnt

In den letzten Tagen vor der Geburt werden Sie vermutlich etwas nervös sein. Wann gehts los? Wie werde ich die Schmerzen ertragen? Wird mein Baby gesund sein? Tausend Fragen werden Sie und Ihren Partner beschäftigen.


Trotzdem: Versuchen Sie, möglichst entspannt zu bleiben, wenden Sie dazu die Techniken an, die Sie im Vorbereitungskurs gelernt haben und bitten Sie Ihren Partner, mögliche Verspannungen mit einer sanften Massage zu lösen. Jetzt gilt mehr denn je: Machen Sie ein Nickerchen, wenn Sie Lust dazu haben, und lassen Sie sich verwöhnen.


Ihr Körper wird Ihnen sagen, wann es los geht - hier die drei wichtigsten Anzeichen:
  • Der Schleimpfropf, der den Muttermund während der Schwangerschaft fest verschliesst, löst sich ab. Die meisten Frauen erkennen das an schwachen, mit Schleim vermischten Blutspuren («Es zeichnet», sagen Hebammen dazu). Manchmal ist sogar der ganze Pfropf zu erkennen. Der Abgang des Schleims ist ein deutliches Signal, dass der Körper sich auf die Geburt vorbereitet.
  • Die Gebärmutter beginnt sich rhythmisch und regelmässig zusammenzuziehen. Die Wehen kommen in regelmässigen Abständen, dauern ca. 35 bis 40 Sekunden und verschwinden auch nicht nach einem warmen Bad.
  • Die Fruchtblase platzt - das Fruchtwasser tröpfelt heraus oder ergiesst sich schwallartig. Bei den meisten Frauen geschieht das erst, wenn sie kräftige Eröffnungswehen haben, oft platzt die Fruchtblase aber auch ohne Vorwarnung und ohne Wehen.

Tritt einer der obengenannten Punkte ein, sollten Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder Ihre Hebamme «kontaktieren», die Ihnen das weitere Vorgehen erklären werden.Ein Anzeichen für die bevorstehende Geburt sind die stärker werdenden Kontraktionen der Gebärmutter, wobei der Bauch ganz hart wird. Schmerzhaft sind diese ersten Wehen in der Regel noch nicht. Die Vorwehen haben die Aufgabe, den Gebärmutterhals (Zervix) zu erweichen, zu verkürzen und bereits zu erweitern. Auch muss das Kind nun noch tiefer rutschen. Werden die Abstände zwischen den einzelnen Wehen immer kürzer und bleiben sie regelmässig, hat die Geburt begonnen. Sie verläuft in drei Phasen:

Eröffnungswehen
Die Eröffnungswehen öffnen in der ersten Geburtsphase, der Eröffnungsphase, den Muttermund und treiben das Kind in den Geburtskanal. Bei regelmässiger Wehentätigkeit - es können dabei menstruationsartige Beschwerden auftreten - benachrichtigen Sie Ihre Hebamme, die Arzt/Ärztin telefonisch. Auch wenn die Blase springt, das heisst, wenn Sie plötzlich Fruchtwasser verlieren, müssen diese sofort verständigt werden. Ob Sie sich gleich ins Spital begeben müssen oder noch zuwarten können - das Köfferchen haben Sie längst gepackt. Vielleicht legen Sie nun noch etwas für Ihr Wohlbefinden dazu, zum Beispiel milde Essenzen für ein Entspannungsbad oder Aroma-Öle. Rosenduft wirkt zum Beispiel harmonisierend, Rosmarin anregend. Haben Sie ein Lieblingsmasageöl, nehmen Sie auch dieses mit. Auch Musik darf Sie begleiten und könnte Ihnen helfen.

Eröffnungsphase
Am Ende der Eröffnungsphase springt die Fruchtblase. Dies ist die Zeit der stärksten Schmerzen. Die eigentliche Austreibungsphase beginnt. Diese Austreibungsperiode fängt mit der vollständigen Erweiterung des Muttermundes auf 10 Zentimeter an. Das Baby hat sich gedreht und durch den knöchernen Beckenring geschoben. Vielleicht werden Sie jetzt öfters die Stellung wechseln wollen. Vom Vorbereitungskurs her ken-nen Sie die verschiedenen Möglichkeiten, doch welche Ihnen in der Praxis am meisten Erleichterung verschafft, müssen Sie nun erproben. Vielleicht suchen Sie noch einmal Entspannung im warmen Bad? Sollte Ihr Kind dabei im Wasser geboren werden, brauchen Sie keine Angst zu haben: Es wird nicht ersticken, da es noch Sauerstoff über die Nabelschnur erhält. Befürworter der Wassergeburt betonen übrigens, dass der Geburtsschock für das Baby im Wasser bedeutend kleiner sei, weil es sich zuerst noch in seinem gewohnten Element befindet - in körperwarmer Flüssigkeit.

Austreibungsperiode
Mit seinem Köpfchen drückt das Kind am Ende der Austreibungsperiode auf den Beckenboden und den Darm der Mutter. Die heftigen Wehen klingen jetzt kurzfristig ab, ihre Aufgabe ist es nun, den kindlichen Kopf durch den Beckenausgang und die sich ausdehnenden Weichteile hindurchzutreiben. Dabei helfen die plötzlich eintretenden Presswehen, die mit ungeheurer Kraft auf das Kind einwirken. Bald wird das Köpfchen (oder bei Beckenendlage der Po) Ihres Babys am Scheidenausgang sichtbar. Und dann ist es endlich soweit: Das Köpfchen Ihres Kindes schlüpft heraus, mit dem nächsten Pressen folgen Schulter und Arm und dann der Rest - jetzt fast ohne Anstrengung.
Dann beginnt die Nachgeburtsphase. Schon einige Minuten nach der Geburt werden Sie wieder Wehen haben, die sogenannten Nachgeburtswehen. Diese sorgen dafür, dass sich die Plazenta löst und ausgestossen wird. Sie wird sorgfältig untersucht, um sicher zu gehen, dass sie vollständig ausgestossen wurde. Und immer noch folgen Wehen, die jetzt Nachwehen heissen und die von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausfallen können. Sie sind für die Blutstillung verantwortlich und bewirken, dass sich die Gebärmutter zurückbildet. Diese wird ihr Gewicht in den nächsten sechs Wochen von zirka einem Kilo wieder auf 50 Gramm vermindern.
 
Schmerzmittel
So wenig Medikamente und Eingriffe wie möglich - das ist der Trend. Manchmal wird es trotzdem nicht ohne gehen. In der Geburtshilfe werden zwei Arten verwendet: muskelentspannende oder krampflösende Mittel, meist als Zäpfchen verabreicht und schmerzstillende Mittel aus der Gruppe der Morphine. Zur grösstmöglichen Schmerzausschaltung führt die Periduralanästhesie (PDA). Das lokal wirkende Medikament wird im Bereich der Lendenwirbelsäule eingespritzt und blockiert die Reizleitung der Rückenmarksnerven, so dass die untere Körperhälfte schmerzunempfindlicher wird. Die Mutter kann die Entbindung (fast) schmerzlos, aber bei vollem Bewusstsein erleben - auch ein Kaiserschnitt ist mit dieser Methode durchführbar.
 
Dammschnitt
Der «Damm» - das geschmeidige Gewebe zwischen Vagina und After - wird in der letzten Phase der Geburt maximal gedehnt. Dort macht der Arzt mit einer Schere einen kleinen Schnitt, um die Öffnung zu erweitern. Nötig ist der Dammschnitt vor allem bei Anwendung einer Saugglocke oder einer Zange. Jahrzehntelang gehörte der Dammschnitt allerdings zur Routine. Man befürchtete, die Austreibungsphase würde zu lange dauern oder es käme zu einem Dammriss, der sich anschliessend nur schlecht nähen liesse. Heute wird in den meisten Kliniken wenn immer möglich auf einen Dammschnitt verzichtet. In Geburtsvorbereitungskursen kriegt man Tips, wie man den Damm mittels Massagen mit Weizenkeimöl dehnbarer machen und somit eventuell einen Dammschnitt vermeiden kann. War ein Darmschnitt nötig, so verheilt er mit der richtigen Pflege (zunächst Kältepackungen, dann Bestrahlen mit UV-Lampe) innert kurzer Zeit, ohne Komplikationen.

Quelle/Text: Esther Mogicato


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