Wo und wie gebären

Endlich steht er bevor, der Moment, auf den Sie sich seit Monaten vorbereitet haben und auf den Sie sicherlich sehnlichst warten. Zu Recht, denn jenen glücklichen Moment, in dem Sie Ihr Baby zum ersten Mal im Arm halten, werden weder Sie noch Ihr Partner je wieder vergessen.
Die Geburt ist ein wichtiger Abschnitt im Familienleben, nehmen Sie sich deshalb genügend Zeit, um zu entscheiden, wo und wie Sie Ihr Kind gebären wollen.
In der Klinik oder zu Hause, auf dem traditionellen Spitalbett oder auf dem Gebärstuhl, in der Badewanne oder auf dem Roma-Rad - informieren Sie sich möglichst früh über die verschiedenen Geburtsorte und Möglichkeiten. Doch versteifen Sie sich nicht auf die einmal gewählte Geburtsmethode.

Vielleicht zeigt Ihnen Ihr Kind nämlich schon jetzt, dass es auch mitbestimmen will und kann, indem es zum Beispiel früher als erwartet kommt und alle Pläne über den Haufen wirft.

Mutter und Kind sind diejenigen, welche die Geburt vollbringen. Alle anderen, Partner, Geburtsbegleiterinnen, Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger sind Assistenten. Assistenten allerdings, auf deren Unterstützung Sie nicht verzichten wollen, die Ihnen mit ihrer Liebe oder Erfahrung zur Seite stehen. Die Ihnen Erleichterung verschaffen, zum Beispiel mit einer Massage, die Ihnen alles erklären, Sie beruhigen oder aufmuntern oder Ihnen ganz einfach auch nur einmal die Hand halten.

Manchmal jedoch ergeben sich Komplikationen, so dass Sie auf Hilfe angewiesen sind. Dann müssen Sie sich darauf verlassen können, dass alle Beteiligten in der Lage sind, zu entscheiden, wann es notwendig ist, in den natürlichen Verlauf der Geburt einzugreifen. Zu früh wäre schade, denn dadurch würden Sie um das einmalige Erlebnis einer natürlichen Geburt betrogen. Zu spätes Eingreifen aber könnte gefährliche Folgen für Sie und Ihr Kind haben. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Vertrauen in die betreuenden Personen haben und das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein - egal, ob das im Spital oder zu Hause ist.
 
Es ist soweit
Nun rückt der Geburtstermin immer näher und ganz bestimmt können Sie es kaum erwarten, bis es soweit ist: Ihr Kind endlich im Arm zu halten, ihm die Welt zu zeigen. Sie sollten sich bewusst sein, dass Ihnen eine zwar wunderschöne, aber auch anstrengende Zeit bevorsteht. Ein neuer Mensch tritt in Ihr Leben, der lange Zeit Ihre Kraft und Geduld beanspruchen wird, Ihre Beziehung zum Partner wird sich ändern. Deshalb: Gönnen Sie sich in diesen letzten Tagen viel Ruhe, lassen Sie sich vom Partner verwöhnen und geniessen Sie die Zweisamkeit.
 
Für den Fall, dass Komplikationen zu erwarten sind, müssen die zukünftigen Eltern sich für die Geburt Ihres Kindes in einer Klinik entscheiden. Verläuft aber alles bestens und Mutter und Kind sind wohlauf, haben sie die Wahl zwischen den folgenden Geburtsarten:
 
Spitalgeburt
In fortschrittlichen Spitälern haben Intimität und alternative Methoden längst Einzug gehalten, die grell ausgeleuchteten grossen Gebärsäle sind verschwunden. Alle Geburtsabteilungen führen regelmässig Führungen durch. Dabei werden Spital, Geburtsraum und Geburtsmöglichkeiten besichtigt und erklärt. Erkundigen Sie sich beim zuständigen Spital über Führungen. Die medizinische Infrastruktur, die in den Spitälern heute zur Verfügung steht, soll für Notfälle bereit sein, darf aber nicht zum vornherein eingesetzt werden. Die technischen Apparaturen sollten nicht dominant sein, sondern eher in den Hintergrund treten. Wenn Mutter und Vater in die Geburtsabteilung kommen, sollten sie nicht den Eindruck haben, sie kämen in ein Krankenhaus. Die Atmosphäre sollte freundlich und ruhig sein.

Wenn Verdacht auf massive Komplikationen für Mutter oder Kind besteht, empfiehlt sich ein grosses, gut ausgerüstetes Frauenspital, wenn möglich mit angeschlossener Intensivstation für Neugeborene. Unbedingt gilt dies für Frühgeburten, denn ganz kleine Säuglinge sollen nach der Geburt möglichst geschont werden. Jeder Transport ist ein Risikofaktor, vor allem für Hirnblutungen. Bei drohender Frühgeburt verlegen Ärztinnen und Ärzte deshalb die schwangere Frau in eine Zentrumsklinik, so dass das Kind noch im Mutterleib bis fast in die Intensivstation gebracht wird. In diesen Fällen haben Erfahrung im Umgang mit Extremsituationen und die medizinische Infrastruktur Vorrang vor Gemütlichkeit.

Bei einer Spitalgeburt werden Sie die Klinik in der Regel am 6. oder 7. Tag nach der Geburt verlassen. Während dieser Zeit werden Sie gepflegt und wohl auch etwas verwöhnt. Wenn Sie bereits Kinder zu Hause haben, benötigen Sie jemanden, der diese betreut und Ihnen nach der Heimkehr von der Klinik im Haushalt hilft. Das «Roomingin» hat sich heute fast überall durchgesetzt. Es bedeutet, dass das Baby, wann immer Sie es wünschen, auch nachts, in Ihrem Zimmer ist. Wenn Sie aber Ruhe brauchen oder sich erholen wollen, wird Ihr Kind in der Neugeborenenabteilung betreut.
 
Ambulante Geburt
Das bedeutet, dass Sie das Spital bereits nach einigen Stunden mit Ihrem Kind verlassen. Findet die Geburt am späteren Abend statt, schläft die ganze Familie noch im Doppelbett im Spital und geht erst nach einem gemütlichen Frühstück nach Hause. Für die Wochenbettpflege wird eine freischaffende Hebamme die Wöchnerin zu Hause betreuen. Für den Haushalt (und eventuelle Betreuung von Geschwistern) muss zusätzlich eine Hilfe organisiert werden (z.B. Hauspflege). Klären Sie unbedingt die Kostenübernahme durch die Krankenkasse vor der Geburt ab!
 
Frühentlassung
Auch wenn Sie schon am 2. oder 3. Tag das Spital verlassen, brauchen Sie eine Hebamme für die Wochenbettpflege und eine Hilfe zu Hause.
 
Klinikgeburt mit Beleghebamme
An einigen Spitälern gibt es das Beleghebammen-System, das auf dieselbe Weise funktioniert wie das Belegarzt-System. Die Frau geht mit der von ihr gewählten Hebamme (die sie zum Beispiel vom Geburtsvorbereitungskurs her kennt) ins Spital zur Geburt.
 
Hausgeburt
Die Hausgeburt zeichnet sich durch besonders viel Intimität und Vertrautheit aus. Alles, was Ihnen lieb ist und Sie zwischendurch aufmuntern oder ein wenig ablenken könnte, ist in Griffnähe. Die Hebamme, die Sie schon durch die Schwangerschaft (oder zumindest während den letzten Wochen der Schwangerschaft) begleitet hat, kommt zu Ihnen nach Hause. Hebammen sind dazu ausgebildet und fähig, eine normale Geburt zu leiten. Trotzdem arbeiten die meisten mit einer Ärztin oder einem Arzt zusammen. Bei einem Notfall ist so bereits ein Team da, das sich kennt und gegenseitig helfen kann. Hausgeburten kommen nur in Frage, wenn die Mutter ganz gesund ist und sich nicht das kleinste Anzeichen einer Komplikation für Mutter oder Kind abzeichnet. Was es zur Geburt braucht, bringt die Hebamme mit. Wieviel Wäsche bereitgehalten werden muss und welche anderen Vorkehrungen getroffen werden müssen, wird sie Ihnen rechtzeitig mitteilen.
 
Eine Liste freischaffender Hebammen finden Sie in unserem AdressGuide

Geburtshäuser
Das Geburtshaus ergänzt das Angebot der Spital oder Hausgeburt. Frauen und ihre Partner haben die Möglichkeit, die Geburt ihres Kindes in einer angstfreien, ruhigen und vertrauten Atmosphäre zu erleben und selber zu gestalten. In der Wahl der Geburtsstellung ist die Frau frei. Es stehen Gebärhocker, Gymnastikball, Sprossenwand und Geburtspool zur Verfügung. Die Hebammen bieten auch alternative Mittel zur Unterstützung an, wie zum Beispiel Massagen, Aromatherapie und Homöopathie. Die Schwangerschaftskontrollen sind eine gute Möglichkeit sich gegenseitig kennenzulernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Da eine Geburtshausgeburt ausschliesslich für Frauen ohne vorbestehende Risiken in Frage kommt, ist die Sicherheit für Mutter und Kind gleich hoch wie bei einer Spitalgeburt. In manchen Geburtshäusern gehen die Paare einige Stunden nach der Geburt nach Hause. In anderen Häusern können die Familien auch die erste Wochenbettzeit verbringen. Nach dem Aufenthalt im Geburtshaus besucht die Hebamme täglich die Familie zu Hause. Das Angebot der freiberuflichen Hebammen ist sehr vielfältig und je nach Geburtshaus unterschiedlich. So können z.B. auch Geburtsvorbereitungskurse, Rückbildungsgymnastik oder Babymassagekurse besucht werden.

Wer daran denkt, sein Kind in einem Geburtshaus zur Welt zu bringen, sollte frühzeitig mit den dort arbeitenden Hebammen Kontakt aufnehmen. Die Hebammenleistungen werden aus der Grundversicherung bezahlt. 

Quelle/Text: Esther Mogicato


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