Fördern, entwickeln und begleiten
Jedes Kind ist von seiner persönlichen Lebensgeschichte geprägt und bringt die eigenen Erfahrungen, Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnisse mit.
Vielen Eltern liegt die Förderung ihrer Kinder am Herzen. Wie können diese vor und während des Kindergartens unterstützt und aktiv gefördert werden?
Offene Zusammenarbeit
Mit dem Kindergarteneintritt ihres Sprösslings erleben die Eltern den ersten Kontakt mit einer öffentlichen Bildungsinstitution. «Damit das Kind optimal begleitet werden kann und die Eltern Vertrauen in die neue Bezugsperson ihres Kindes gewinnen, ist eine offene Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung», betont Susann Näf. Mögliche Formen der Zusammenarbeit sind zum Beispiel Elternabende, Elterngespräche oder Elternbesuche; zudem sei es empfehlenswert, sich einer Elternorganisation wie Schule & Elternhaus anzuschliessen, die eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Schule und Behörden ermöglicht. Im Kindergarten werden die Fähigkeiten der Kinder in vielfältigen, spielerischen Formen gezielt weiterentwickelt, neue Fertigkeiten werden geübt. Neben Körper, Geist und Seele soll der Unterricht die unterschiedlichsten Fähigkeiten, Begabungen und Interessen der Kinder ansprechen.
Wie können Eltern ihre Kinder fördern?
Die Anlage des Kindes, die Familiensituation sowie die Gesellschaft und Kultur bilden die Ausgangslage für die Entwicklung des Kindes. In den ersten Lebensjahren macht das Kind unzählige Entwicklungsschritte. «Es gibt viele Eltern, die für die Förderung ihrer Kinder eine Spielgruppe wählen. Die Spielgruppenleiterinnen legen Wert auf eine kindgerechte Förderung und vermitteln wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Kindes», sagt Gaby Schmidli-Morger. Die Entwicklung könne zwar nicht beschleunigt, aber optimiert werden. Das Vertrauen, das die Eltern und Lehrpersonen in das Kind setzen, gibt dem Kind die Möglichkeit, sich zu einer stabilen, gesunden Persönlichkeit zu entwickeln. «Ein gutes Selbstwertgefühl ist die beste Voraussetzung, um für das Leben gut vorbereitet zu sein. Geborgenheit und eine wohlwollende Begleitung sind dabei zentrale Elemente.» Kinder entwickeln sich über die Sinne. Haut-, Gleichgewichts- und Muskelsinn bilden das Körperbewusstsein, das zum Beispiel durch Klettern, Springen oder Velo fahren gefördert werden kann. Unter visueller Wahrnehmung versteht man die Fähigkeit, optische Reize aufzufassen, zu unterscheiden und mit früheren Erfahrungen zu verbinden bzw. zu interpretieren. Dabei helfen etwa Formen- und Farbenspiele. Mit Musik, Geschichten, Liedern und Versen kann die auditive Wahrnehmung geschärft werden. Das Erfassen über die Haut vermittelt Spürinformationen, die das Hirn verarbeitet. Barfuss laufen, Wasserspiele oder Gartenarbeit leisten dabei wertvolle Dienste. Die Wahrnehmung über die Schmeck- und Riechorgane steht auch im Zusammenhang mit auditiven, visuellen und taktilen Reizen.
Symbolik, Sprache und Persönlichkeit
Durch Symbolspiele lernt das Kind, Gegenständen einen Sinn zu geben. Die Entwicklung der Sprache kann durch Familiengespräche, Rollenspiele mit Tieren oder Puppen, durch Wortspiele, Gesang und Lesen gefördert werden. «Das Kind kann in Sätzen sprechen und verstehen, wenn es seinen Erfahrungsschatz betrifft. Die Sprachproduktion hingegen ist noch nicht immer perfekt», erklärt Ursula Häberli-Nef. In engem Zusammenhang mit der Sprachförderung steht die emotionale und spirituelle Entwicklung: Das Kind lernt allmählich, Fantasie und Wirklichkeit zu trennen. Auch hier sind Märchen, Verse, aber auch das Gestalten von Ritualen und Feiern empfehlenswert. Mit der Entwicklung zur Selbstständigkeit werden alle Sinnesbereiche sowie deren Koordination angesprochen. Dieser Entwicklungsschritt kann durch Spiel- und Alltagssituationen wie Schuhe binden, aufs WC gehen und kleine Ämtli übernehmen gefördert werden. «Es ist wertvoll, wenn Mütter und Väter ihre Kinder an ihren eigenen Hobbys teilnehmen lassen und ihnen auf diese Weise Freude und Interesse an einer Aktivität vermitteln», rät Ursula Häberli-Nef. Weiter sind ein Basteltisch, Spielplätze und der Wald ausgezeichnete Lernfelder. Grosseltern und auch andere Bezugspersonen können viele wertvolle Impulse vermitteln. «Vieles ergibt sich ganz natürlich mit der Zeit. Die Dinge, die weniger gut gelingen, sollten nicht in den Vordergrund gerückt werden, weil das Kind sonst zunehmend das Selbstvertrauen verlieren könnte. Das Wichtigste in der Begleitung der Kinder ist, die Freude an der Persönlichkeit des Kindes zu zeigen.»
Quelle/Text: Fabrice Müller
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