Was macht einen guten Vater aus?
Der Psychologe und Psychoanalytiker Allan Guggenbühl ist unter anderem Experte für Fragen der Bubenerziehung. Wir haben Ihn befragt.
Allan Guggenbühl: Für Buben ist es sehr wichtig, dass sie ein gleichgeschlechtliches Vorbild haben, um eigene Gefühle, Empfindungen und Fantasien an einer Bezugsperson abzuhandeln. Mütter können nicht alles für den Entwicklungsprozess Wichtige repräsentieren, es braucht auch Männer. Natürlicherweise sind das die Väter, sie sind punkto Anlagen, Hintergrund und Identifikation den Söhnen sehr nahe.
Frühere Bubengenerationen erlebten sehr autoritäre Väter, die quasi der Herr im Haus waren. Viele heutige Väter wünschen sich eine andere Form von Rolle und Beziehung zu ihren Söhnen. Was macht heute einen guten Vater aus?
Ich glaube nicht, dass früher alle Väter autoritär waren. Sie haben sich nicht nur individuell, sondern auch über ein System, wie etwa Zugehörigkeit zu einer Firma, einer Bewegung und einer bestimmten Gesellschaftsordnung präsentiert. Dies ist ein wichtiges Element im Kontakt von Vätern zu ihren Kindern. Weil Väter heute etwas desorientiert sind, präsentieren sie sich heute individuell, persönlich über die Beziehung, aber dies entspricht eher den Frauen. Wenn die Väter dies tun, so geht eine Qualität der Vater-Sohn-Beziehung verloren. Das Hierarchische, das früher im Vordergrund gestanden ist, war Ausdruck dessen, dass sich Väter als Zugehörige eines Systems präsentiert haben, sie waren die Väter an sich, nicht nur das Individuum. Die grosse Herausforderung ist es, dieses verloren gegangene Element wieder einzubringen, denn viele Buben suchen es.
Können Sie ein Beispiel machen, wie dieses Element wieder integriert werden könnte?
Das Sprechen über eigene Gefühle und Befindlichkeiten ist im Kontakt von Vätern mit ihren Kindern wichtig. Darüber hinaus sollten Väter auch vermitteln, was sie etwa im Beruf machen. Väter reden viel öfter über Themen, die sie vom System, dem sie angehören, ableiten. Eine gute Möglichkeit sind auch kollektive männliche Betätigungen im Sport, beispielsweise indem Väter mit ihren Söhnen Fussballmatchs besuchen.
Ist es demnach auch wichtig, dass Väter mit ihren Söhnen Zeit ohne die übrigen Familienmitglieder verbringen?
Unbedingt! Es muss Gelegenheiten für gemeinsame Erlebnisse in der Familie geben, darüber hinaus aber auch Zeiten, in denen Väter und Söhne miteinander allein sind. Man darf dies allerdings den Söhnen nicht aufzwängen, die Gelegenheit muss passend sein.
Wie steht es mit der Sexualität? Auf welche Weise können Väter zur Entwicklung einer gesunden männlichen Sexualität beitragen? Männer sprechen ja untereinander bisweilen etwas zotig über dieses Thema.
In diesem Zusammenhang von gesund zu sprechen, ist etwas heikel, denn es vermittelt die Vorstellung, es gäbe hier eine gute und eine schlechte Qualität. Das negativ Bewertete wird dadurch umso attraktiver. Wichtig ist in erster Linie eine umfassende Einführung, in der unter anderem auch auf den Zweck von zotigen Sprüchen eingegangen wird.
Quelle/Text: Adrian Zeller
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