SOS für die Liebe

Nicht wenige Paare erleben, dass mit der Geburt ihrer Kinder die Romantik aus ihrer Beziehung schwindet. Plötzlich scheint man nicht mehr Frau und Mann zu sein, sondern nur noch Mama und Papa. Wie schade!
Die Geburt ihres ersten Kindes symbolisiert für viele Paare die Krönung ihrer Liebe, die Verwirklichung eines grossen Lebenstraums. Mit einem Kind wird aus dem Paar eine Familie. Das ist schnell gesagt, bringt aber in Wirklichkeit viele Veränderungen mit sich: mehr Verantwortung, eine neue Rollen und Arbeitsverteilung, Dauermüdigkeit wegen schlafloser Nächte, weniger Zeit füreinander und weniger Privatsphäre. Eltern zu werden gehört für die meisten Menschen zu den schönsten Erfahrungen ihres Lebens.

Kinder bereichern unser Dasein auf vielfältige Weise, dank ihnen verspüren wir Gefühle mit viel grösserer Intensität. Aber Kinder zu haben stellt Beziehungen auch vor neue Herausforderungen. Eine amerikanische Untersuchung hat belegt, dass 75 Prozent aller befragten Paare eine Verschlechterung ihrer Beziehung in den ersten drei Jahren nach der Geburt des ersten Kindes feststellten. Es ist anzunehmen, dass es Schweizer Paaren ähnlich ergeht. Die Zahl ist ernüchternd, gleichzeitig macht sie auch klar, dass eine vorübergehende Abkühlung zwischen Frau und Mann durchaus normal ist, sobald Kinder dazukommen. Das macht Sinn, denn Kinder nehmen in einer Familie, vor allem am Anfang, wenn sie noch klein und hilflos sind, einen sehr grossen und wichtigen Platz ein. Mutter und Vater sind häufig auf ihr Baby oder Kleinkind fixiert. Seine Bedürfnisse haben Vorrang, diejenigen der Eltern müssen hinten anstehen. Aber müssen sie das wirklich?

Elternschaft statt Leidenschaft?
Ja, aus Frau und Mann ist durch das Kind Mutter und Vater geworden. Das ist eine grosse Umstellung. Gleichzeitig darf man aber nie vergessen, weshalb man überhaupt mit dem Partner, der Partnerin, ein Kind haben wollte: aus Liebe zueinander. Da wäre es doch traurig, wenn es gerade dieses Kind wäre, das die Eltern auseinandertreibt. Die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin bestand schon vor der Geburt der Kinder und sollte idealerweise auch nach deren Auszug aus dem elterlichen Nest weiterhin bestehen. Und zwar noch lange, denn statistisch gesehen bleiben Eltern nach dem Weggang der Kinder noch etwa 30 gemeinsame Jahre. Damit es eine gute und nicht eine schlimme Zeit wird, muss jetzt schon vorgesorgt werden.

Wenn auch Sie fühlen, dass in Ihrem Leben jegliche Leidenschaft von der Elternschaft verdrängt wird, dass sich alles nur um die Kinder und fast nichts mehr um den Partner dreht, dann ist der Moment gekommen, Gegensteuer zu geben. Die Liebe zum Partner, zur Partnerin muss wiedererweckt werden! Sie kann allerdings nur dann belebt werden, wenn Sie sich wieder vermehrt auf Ihre Bedürfnisse als Erwachsene konzentrieren. Was auf den ersten Blick egoistisch klingt, ist es auf den zweiten gar nicht, denn nur glückliche, liebende Eltern garantieren eine gute Partnerschaft, die nicht so schnell zu erschüttern ist und in der Kinder geborgen und sicher aufwachsen können.

Zeichen der Liebe setzen
Romantik in den Alltag zu bringen, ist ein Unterfangen der kleinen Schritte. Ein alljährliches Verwöhnwochenende zu zweit in einem edlen Hotel samt Gourmet-Menü des Dreisterne-Kochs schadet sicher nicht, ebenso wenig wie ein spektakulärer Blumenstrauss zum Hochzeitstag. Letzten Endes sind es jedoch weniger die grossen (aber seltenen) Gesten, die das Getriebe einer Beziehung ölen, sondern kleine, regelmässige Aufmerksamkeiten. Sie sind weniger dramatisch, kosten auch weniger und sind dennoch wirkungsvoller, denn sie sagen immer wieder: «Ich denke an dich!», «Du bist mir wichtig!», «Ich schätze dich!» Hinterlassen Sie also eine liebe Notiz am Bade-zimmerspiegel, senden Sie eine nette SMS oder eine E-Mail oder rufen Sie kurz an, um zu sehen, wie es dem anderen geht - einfach so.
Wichtig ist, dass man Situationen mit romantischem Potenzial als solche erkennt und dass man sich etwas Zeit füreinander nimmt. Gerade Mütter von kleinen Kindern tendieren dazu, sich und ihre eigenen Bedürfnisse zuhinterst auf die Prioritätenliste zu setzen. Doch wer den ganzen Tag nur für andere da ist und nie Zeit zur eigenen Verfügung hat, ist am Ende des Tages einfach nur hundemüde - und unzufrieden. Damit eine Mutter ihrem Partner romantische Aufmerksamkeit schenken und ihn wieder als Mann und nicht nur als Vater ihres Kindes wahrnehmen kann, muss sie sich zunächst wieder als Frau fühlen. Lassen Sie also lieber mal den Haushalt links liegen und gönnen Sie sich ein Mittagsschläfchen zusammen mit Ihrem Kind, leisten Sie sich eine wohltuende Massage, gehen Sie ins Fitnesscenter mit Kinderbetreuung. Kurz: Schauen Sie gut zu sich.

Sex planen
Es ist nicht weiter schlimm, wenn sich Kinder ab und zu nachts ins Elternbett schleichen, aber deswegen muss es in Ihrem Schlafzimmer nicht gleich wie in einem Spielzeugladen aussehen. Also, raus mit dem Spielzeug und dem ganzen Kinderschnickschnack! Das Schlafzimmer soll der Rückzugsort, die Oase der Eltern sein und nicht eine Verlängerung des Kinderzimmers - das ist in der Regel schon der Rest des Hauses. Und wenn wir schon beim Schlafzimmer sind: Wenn Sie auf den idealen Zeitpunkt für Sex warten, werden Sie vielleicht noch lange warten müssen. Finden Sie sich mit der zugegebenermassen unromantischen Vorstellung ab, dass Sie auch dafür ganz bewusst Platz in Ihrem Leben schaffen müssen. Denn natürlich gäbe es noch viele andere Sachen, die man stattdessen tun könnte: die Rechnungen zahlen, den Abwasch machen, den Windeleimer leeren, einfach nur schlafen... Statt lang zu grübeln, wieso es gerade jetzt nicht wirklich passt, handeln Sie! Die richtige Stimmung stellt sich in der Regel von selbst ein. Je mehr Sie sich Zeit füreinander nehmen, desto mehr wird die Intimität und Vertrautheit von einst wieder aufkeimen und Sie werden sich wieder als liebendes Paar fühlen. Platz für Romantik gibt es in der kinderfreundlichsten und kinderreichsten Familie. Man muss nur wollen - aber es lohnt sich!     

Liebeshelfer
  • Reden Sie einander nicht mit «Mama» und «Papa» an, sondern mit Ihren Vornamen. Ein kleiner, aber nicht unwichtiger Punkt.
  • Lassen Sie sich nicht gehen! Kleiden Sie sich möglichst vorteilhaft. Kleine Kinder sind kein Vorwand für ausgeleierte Unterwäsche, Schlabbershirts und durchhängende Trainerhosen.
  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Gespräche nicht nur um das Thema Kind drehen.
  • Suchen Sie sich einen zuverlässigen Babysitter. Das Geld, das er kostet, ist kein Luxus, sondern eine lohnenswerte Investition in Ihre Partnerschaft. 
  • Geben Sie sich regelmässig einen Abend frei, an dem jeder Partner seinen eigenen Hobbys nachgehen und seine eigenen Freunde treffen kann. 
  • Nehmen Sie sich in regelmässigen Abständen ganz bewusst Zeit füreinander. Gehen Sie essen und geniessen Sie ein intensives Gespräch, besuchen Sie einen Tanzkurs oder schauen Sie sich einen romantischen Film an. Wenn nichts Passendes im Kino läuft, tut es auch eine DVD bei Kerzenschein und einem Glas Wein. Empfehlenswerte Filme: Jenseits von Afrika, Titanic, Il Postino, Moulin Rouge oder Australia.


Quelle/Text: Nadia Fernandez


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