Nur noch Frust statt Lust
Sobald sich die Kinder einstellen, schwindet die Romantik das erleben viele Paare. Wir zeigen, wie Sie Ihrer Beziehung wieder auf die Sprünge helfen...
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Eine neue Rollenverteilung zwischen den Partnern, ständige Übermüdung und absolut keine Privat, geschweige denn Intimsphäre vergellen einem das letzte bisschen Lust, das vielleicht ab und zu aufflackern könnte.
Wenn auch Sie fühlen, dass sich in Ihrem Familienleben alles um die Kinder und kaum etwas um die Erwachsenen dreht, dann ist die Zeit gekommen, um die Liebe zu Ihrem Partner, Ihrer Partnerin wieder neu zu beleben. Das fängt damit an, dass Sie sich für einmal auf Ihre eigenen Bedürfnisse konzentrieren, nicht nur Sie brauchen das, sondern auch Ihre Kinder. Denn zufriedene, glückliche Eltern sind die Garanten für eine feste Partnerschaft, die nicht so schnell zu erschüttern ist. Und davon profitiert auch der Nachwuchs. Schliesslich bestand Ihre Beziehung schon vor der Geburt der Kinder und sollte nach dem Auszug dieser aus dem elterlichen Nest weiterbestehen.
Statistisch bleiben Ihnen nach dem Weggang der Kinder noch etwa 30 gemeinsame Jahre mit dem Partner, der Partnerin. Damit es 30 gute und nicht grausame Jahre werden, können Sie jetzt schon was tun. Um Enttäuschungen vorzubeugen, sollten Sie al-lerdings vergessen, was früher mal war und Ihre Erwartungen somit auf den Boden der Realität herunterschrauben. Ein siebengängiges Menü, Tanz und dann Sex bis in die Morgenstunden? Schön, wenn Sie das mal geniessen durften, aber leider Tempi passati - wenigstens für den Moment. Eine wohlduftende Kerze, ein gutes Glas Wein davor, etwas Kuscheln und ein schneller, tiefer Schlaf danach tun es ebenso.
Die Romantik wiederfinden
Auch der Alltag bietet romantisches Potential, man muss es nur entdecken wollen. Dafür braucht es neben einem guten Auge etwas Zeit und die ist bei jungen Familien leider Mangelware.
Gerade Mütter mit kleinen Kindern tendieren dazu, sich auf ihrer Prioritätenliste auf den hintersten Platz zu setzen. Doch wer den ganzen Tag nur für andere da ist und sich nie Zeit für sich selber nimmt, hat natürlich auch keine Lust, am Ende des Tages dem Partner romantische Aufmerksamkeit zu widmen (Tenor: "Was, der will jetzt auch noch was von mir?").
Also, lassen Sie den Haushalt für einmal sein, machen Sie ein Nickerchen zusammen mit Ihrem Kind, leisten Sie sich eine Rückenmassage, lassen Sie sich abends ein warmes Bad mit duftenden Ölen einlaufen. Verwöhnen Sie sich und lernen Sie wieder zu geniessen. Indem Sie sich selbst als Individuum wieder entdecken und nicht nur als Mutter, die stets zu Diensten ist, lernen wir auch unseren Partner mit anderen Augen zu sehen. Ganz klar: Ihr Partner ist der Vater Ihrer Kinder, aber - und das ist genauso wichtig - auch Ihr Partner, Liebhaber und Freund.
Wenn sich Kinder einstellen, kommen oft nicht nur Romantik und Sexualität zu kurz, sondern auch der ganz normale Gedankenaustausch zwischen zwei Erwachsenen. Machen Sie das Beste aus Ihrer knapp bemessenen gemeinsamen Zeit und unterhalten Sie sich ganz bewusst auch über Themen, die über die Kindererziehung hinausgehen. Versuchen Sie, zwei Stunden miteinander zu verbringen, in denen kein einziges Wort über die Kinder fällt. Unmöglich?! Wenn es schwer scheint, kramen Sie in der Erinnerungskiste: Worüber haben Sie denn früher gesprochen, als Sie noch keine Kinder hatten?
Für manche Paare ist es einfacher, sich auf ihre Zweisamkeit zu besinnen und auf andere Themen zu kommen, wenn sie aus dem Haus gehen. Ein guter, verlässlicher Babysitter zur rechten Zeit erspart manchen Liebesfrust und vielleicht auch den Gang zum Scheidungsrichter. Also, weg mit dem Trainingsanzug und den praktischen T-Shirts, die man in die Kochwäsche schmeissen kann und rein in etwas, das Sie attraktiv macht. Nehmen Sie sich etwas Spezielles für den Abend vor und machen Sie den Ausgang zu zweit zur festen Gewohnheit und zum fixen Termin, egal, ob einmal pro Woche oder einmal im Monat.
Aber auch zuhause kann man es sich schön machen. Nachdem Sie die Kinder ins Bett gebracht haben, geniessen Sie zu zweit ein besonders leckeres Essen, das die Kleinen sowieso nicht geschätzt hätten. Legen Sie eine stimmungsvolle CD auf und tanzen Sie engumschlungen in der Stube (räumen Sie das Spielzeug vorher aus dem Weg). Picknicken Sie im Bett. Schauen Sie sich einen wunderbar romantischen Liebesfilm zusammen an. Geniessen Sie! Apropos Bett: Es ist nicht weiter schlimm, wenn sich die Kinder ab und zu mitten in der Nacht ins Elternbett schleichen. Aber deswegen braucht nicht das ganze Zimmer auf sie ausgerichtet zu sein. Also: Raus mit dem Spielzeug. Kaufen Sie sich schöne Bettwäsche, gute Kissen, wohlduftende Kerzen, ein aromatisches Massageöl. Ihr Schlafzimmer gehört Ihnen, den Rest des Hauses können Sie gerne den Kleinen überlassen.
Das Lustgefühl
Die Natur ist gemein: Am Mittag, wenn die Arbeit ruft und die Kinder versorgt werden wollen, ist das Lustgefühl des durchschnittlichen Menschen am höchsten und nicht nachts um 22.00 Uhr, wenn endlich Ruhe ist.
Wenn Sie also auf den absolut idealen Zeitpunkt für Zärtlichkeiten warten, wird er wahrscheinlich nie eintreten. Immer gibt es einen Vorwand: die Kinder, der Abwasch, der Garten, die Rechnungen, «10 vor 10», zu müde, zu dick und was der triftigen Gründe noch mehr sind. Lassen Sie das lähmende Denken sein, handeln Sie stattdessen.
Die richtige Stimmung wird sich dann von selbst einstellen. Betrachten Sie das Ganze von einem anderen Standpunkt müde sind Sie ohnehin, wieso also nicht müde sein und dabei erst noch glücklich werden? Nutzen Sie deswegen alle Gelegenheiten, die sich bieten. Wenn Sie spüren, wie eine romantische Anwandlung Sie übermannt, lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf. Küssen Sie Ihre Frau mitten auf dem Migros-Parkplatz, halten Sie Händchen mit Ihrem Partner im Coop, rufen Sie Ihre Partnerin im Büro an und flüstern Sie eine Nettigkeit in den Hörer. Platz für Romantik gibt es in der kinderfreundlichsten und kinderreichsten Familie wenn Sie bereit sind, realistisch zu bleiben. Es lohnt sich! Denn nach Momenten, in denen die Intimität und Vertrautheit von einst wieder aufkeimen, wissen Sie wieder, wieso Sie überhaupt Kinder zusammen haben wollten.
Quelle/Text: Nadia Fernandez
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