Feuer und Flamme fürs Wasser
Immer wieder erlebt die 42-jährige Margrit Herren Überraschungen, wenn sie mit Pico unterwegs ist, dem Wassertropfen aus Plüsch. Sie ist eine der 290 Freiwilligen, die Kindern im Vorschulalter Wasserbotschaften überbringt. «Das Wasser und ich», so heisst das Präventionsprogramm der SLRG, der Schweizerischen Lebensrettungs- Gesellschaft, das seit sechs Jahren läuft. Mit gutem Grund: Stirbt ein Kind bei einem Unfall, geschieht das oft, weil es ertrinkt. «Noch öfter», ergänzt Prisca Wolfensberger von der SLRG, «kommt es vor, dass Kinder beinahe ertrinken und unter gravierenden Langzeitschäden leiden.»
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Tipps und Tricks Das weiss auch Margrit Herren, die seit vier Jahren bei «Das Wasser und ich» als Wasserbotschafterin in Aktion tritt (vgl. Kasten). «Wir vermitteln Tipps und Tricks rund ums Baden und Schwimmen», erklärt sie. Es handle sich um Botschaften, nicht um Regeln. «Niemand muss etwas. Vielmehr wollen wir Kindern Freude am Wasser vermitteln, ihnen aber auch zeigen, dass sie auf gewisse Dinge achten sollen, wenn sie baden und planschen oder nahe beim Wasser spielen.» Mit dabei ist immer Wassertropfen Pico aus Plüsch, der einen halben Meter gross ist und oft auf einem Stuhl oder auf einer Decke Platz nimmt: «Die Kinder haben grosse Freude an ihm.» Beste Voraussetzungen also, dass die zehn Botschaften ankommen, die Margrit Herren via Pico mit einem bildlichen Rundgang durch eine Badi vermittelt. Eine davon: «Wenn ich nicht schwimmen kann, gehe ich nur bis zum Bauch ins Wasser.» Danach üben die Kinder mit Rettungsgeräten und erfahren, wozu sie dienen - dass sie also nicht zum Spielen bestimmt sind. Alle Kinder erhalten einen Pico-Ausweis. «Darauf sind die meisten stolz und zeigen ihn gerne, zum Beispiel dem Götti oder der Schwester», erzählt Margrit Herren, die seit 20 Jahren eine Schwimmschule führt. Zudem schenkt sie der Klasse einen Mini-Pico als Souvenir an die Abenteuer mit dem kuscheligen Wassertropfen.
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Auch die Eltern spielen ihren Part
Die Wirkung der etwa dreistündigen Besuche lässt sich nicht schwarz auf weiss belegen. «Dazu gibt es bislang noch keine Langzeitstudie», sagt Margrit Herren. Mehr und mehr seien nun Kinder dabei, die vom älteren Geschwister schon vor dem Besuch bis ins Detail über die Wasserbotschaften ins Bild gesetzt worden seien. Auch komme es vor, dass ein Kind seine Eltern zum Beispiel daran erinnere, vor dem Schwimmen zu duschen. Die Eltern werden nämlich indirekt einbezogen: Die Kinder erhalten eine Broschüre, die in diversen Sprachen
erhältlich ist. Diese bringen sie nach Hause, um so auch die Erwachsenen auf das Thema zu sensibilisieren: zum Beispiel auf die erste der sechs goldenen Baderegeln, wonach man Kinder am Wasser immer im Auge behalten soll. «Im Idealfall erzählen die Kinder zu Hause von ihren Erlebnissen mit Pico. So festigen sich die Informationen, die wir vermitteln.» Die Wasserbotschafterinnen sind Freiwillige und erhalten für ihre Besuche eine Spesenentschädigung. Dafür sei sie dankbar, obwohl es ihr nicht primär ums Geld gehe, sagt Margrit Herren. «Für mich ist vor allem wichtig, dass kein Kind mehr ertrinkt, weil es und die Eltern wissen, wie man sich im und am Wasser angemessen verhält.» Quelle/Text: Marcel Friedli; Bilder: SLRG
«Kleine Kinder ertrinken lautlos!»
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Frau Moser, weshalb hat die SLRG das Kindergartenprojekt imitiert? Man hört doch eigentlich selten von Ertrinkungsfällen bei Kindern.
In der Schweiz ist Ertrinken bei Kindern - nach den Verkehrsunfällen - die zweithäufigste Unfalltodesursache. Noch viel zahlreicher sind die Fälle von Beinaheertrinken, bei denen die Kinder zwar gerettet werden, jedoch meistens mit schweren geistigen oder körperlichen Behinderungen konfrontiert sind. Ich finde es deshalb sehr wichtig, den Kindern möglichst früh ein Grundwissen zum sicheren Verhalten im Wasser mitzugeben.
Wo liegen denn die Hauptursachen für Wasserunfälle bei Kindern?
Die Erfahrung zeigt, dass diese bei 90 Prozent aller Fälle bei der mangelnden Aufsicht der Erwachsenen liegen. Und hier können Sekunden entscheidend sein. Denn Kinder sind vom Wasser fasziniert, hat man sie kurz nicht unter Beobachtung, sind sie schnell ausser Sichtweite und können in einen Teich, See oder Fluss fallen.
Aber sie werden sich doch mit Händen und Füssen gegen das Untergehen wehren können?
Sie könnten, ja - aber sie tun es nicht. Sie schreien nicht einmal. Kleine Kinder ertrinken vollkommen lautlos! Sie geraten unter Wasser nicht in Panik und machen deshalb auch überhaupt nicht auf sich aufmerksam. Die SLRG hat deshalb genau zu diesem wichtigen Thema «Lautloses Ertrinken» einen Präventionsfilm veröffentlicht, der sich an die breite Bevölkerung richtet.
Die Wasserbotschafterinnen lehren den Kindern 10 Wasserbotschaften. Kann das den Kleinen nicht auch Angst machen, wenn sie erfahren, dass Wasser gefährlich sein kann?
Wir haben die Botschaften bewusst positiv formuliert, weil wir ihnen das richtige Verhalten - und keine Gefahren - beibringen wollen. Wir veranschaulichen die Informationen mit Bildern auf ganz spielerische Weise. Bei jeder Botschaft wird ein Körperteil berührt - von den Füssen an aufwärts. So bleiben diese Botschaften besser in Erinnerung. Nach dem Besuch erhalten die Kinder einen Pico-Ausweis und Begleitmaterial für die Eltern, damit diese sie zu Hause wiederholen und vor allem auch im und am Wasser unterstützen können.
Das Präventionsprogramm ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Wie gut sind Spendenfranken hier investiert?
Ja, stimmt. Wir sind vollständig von Spendengeldern abhängig. Die Besuche der Wasserbotschafterinnen sind für die Kindergärten nämlich gratis. Wenigstens zur Zeit noch. Es wäre sehr hilfreich, wenn Gemeinden in Zukunft unsere Kosten mittragen könnten. Die Wasserbotschafterinnen arbeiten alle ehrenamtlich. Ich habe es mal durchgerechnet: Müssten wir die Rettungsschwimmerinnen bezahlen, wären unsere Kosten doppelt so hoch. Jeder Spendenfranken für unser Kindergarten-Programm verdoppelt sich also dank Freiwilligenarbeit. Das ist gut investiertes Geld.
Es gibt ja auch viele Eltern, die bereits mit ihrem Baby einen Wassergewöhnungskurs besuchen. Was halten Sie davon?
Das kann ich selbstverständlich nur unterstützen: Je früher ein Kind ans Wasser gewöhnt wird desto besser. Leider erfährt aber die Mehrzahl der Kinder keine solche frühe Förderung. An vielen Orten findet der Schwimmunterricht in der Schule erst in der 3. Klasse statt. Und immer mehr wird das Schulschwimmen aus Kostengründen eingespart oder gar abgesetzt, weil entweder keine Hallenbäder vorhanden sind oder diese anderweitig belegt sind. Die meisten Kinder kommen jedoch früher und später mit dem Wasser in Kontakt - sei dies in der Badi, im Hallenbad oder auch in den Ferien am Meer. Und dann ist es lebenswichtig, dass sie schwimmen können. Es ist die beste Prävention gegen Ertrinken. Deshalb motivieren wir die Kinder auch im Kindergarten, dass sie schwimmen lernen wollen.
Picos 10 Wasserbotschaften können hier runtergeladen werden
Anita Moser (53) aus Winterthur war viele Jahre im Zentralvorstand der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) tätig. Sie leitet das Kindergartenprojekt «Das Wasser und ich»,
www.das-wasser-und-ich.ch und
www.slrg.ch.
Wenn Sie das Projekt finanziell unterstüzen möchten: PC 40-20547-4
Video zum Thema




