Intelligenter Sex! Kolumne von Zukunftsforscher Andreas Giger
In den Phasen akuter erotischer Anziehung, also wenn die Gefühle spriessen und die Hormone schiessen, sinkt das Gehirn des Mannes in die Hose, und das Denken der Frau wird vom Unterleib gesteuert.
Für uns Normalsterbliche bleibt nur die ernüchternde Einsicht, wonach man auch bei bestem Willen aus einem gemütlichen Ackergaul kein feuriges Rennpferd machen kann.
Der wache Geist erkennt: Wo Langeweile droht, ist Abwechslung angesagt. Die Frage ist nur: wo und wie? Die Nummer auf dem Küchentisch mag ja einmal ganz heiss sein, doch auf Dauer ist es im Bett eben doch bequemer. Und stellungstechnisch bleibt ein Grossteil der Vorschläge aus dem Kamasutra letztlich doch professionellen Akrobaten vorbehalten. Für uns Normalsterbliche bleibt nur die ernüchternde Einsicht, wonach man auch bei bestem Willen aus einem gemütlichen Ackergaul kein feuriges Rennpferd machen kann.
Statt darob zu resignieren, erinnert sich unser wacher Geist an jene zentrale Erkenntnis wahrer Lebenskunst, die da lautet: An den Fakten können wir nichts ändern, wohl aber an deren Interpretation. Das heisst, wir, unser Geist und unsere Intelligenz, sind frei, wenn es darum geht, den nicht zu ändernden Tatsachen zur Abwechslung eine andere Bedeutung zu geben.
Auf die unabänderliche Tatsache, dass zur Gewohnheit gewordener Sex nicht dasselbe ist wie der Rauschzustand am Anfang, können wir reagieren, indem wir den Anfangs-zustand als einzig erstrebenswerten definieren. Was konsequenterweise heissen müsste, von einer Blüte zur nächsten zu hüpfen - ein Lebensmodell, das bekanntermassen keineswegs garantiert glücklich macht.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass diesen Hüpfern all das entgeht, was eine längere Beziehung gerade auch in punkto Sex zu bieten hat. Um das zu erkennen, müssen wir allerdings bereit sein, von lieb gewonnenen Vorurteilen Abschied zu nehmen. Zum Beispiel von jenem, Gewohnheit bedeute nichts anderes als Langeweile.
Dabei sprechen wir sehr wohl von der «Macht der Gewohnheit». Und nutzen diese in Form von Ritualen. Indem wir Gewohnheitssex als Ritual pflegen, bestätigen wir unsere Beziehung immer wieder aufs Neue, geben ihr Nahrung, Verlässlichkeit und Sicherheit, stärken das gegenseitige Vertrauen.
Vor allem aber entgehen wir dem Zwang, ständig aufregende Abwechslungen in unser gewohntes Sexleben bringen zu müssen - schliesslich erwartet niemand von einem Ritual, dass es ständig verändert wird, im Gegenteil, das Gewohnte ist unabdingbarer Teil jedes Rituals.
Nun kann man es mit der Gewohnheit wie mit allem im Leben auch übertreiben, das heisst, ohne eine gesunde Mischung aus Nähe und Distanz läuft gar nichts. Wobei intel-ligenter Sex keine Patentrezepte kennt, nur individuelle, massgeschneiderte und wan-delbare Lösungen.
Diese sind keineswegs nur einigen Intelligenzbestien zugänglich, sondern allen, die dazu bereit sind, gelegentlich darüber nachzudenken und zu reden, was Sex für sie ganz persönlich bedeutet. Dabei sind alle Antworten, von «gar nichts (mehr)» bis «alles» zulässig, so lange sie von allen Beteiligten geteilt werden. Sonst wird es zugegebenermassen etwas schwierig...
Einen Tipp hätte ich für dieses Nachdenken noch, nämlich die Besinnung auf die vertikale Dimension. Üblicherweise betrachten wir ein Paar ja als horizontale Begegnung. Etwas abhanden gekommen ist uns die Vorstellung, das Paar könnte auch eingebettet sein in eine höhere Dimension, also etwa in einen göttlichen Plan. Dieser gleichsam spirituelle Aspekt soll manchen Paaren übrigens durchaus zu einem befriedigenderen Sexleben verhelfen.
Dazu brauchen wir uns gar kein höheres Wesen vorzustellen. Es genügt, wenn wir lernen, das Paar, dessen Teil wir sind, als eigenständiges Wesen zu «sehen». Dieses PaarWesen gibt uns Kraft, und es schöpft Kraft aus uns, zum Beispiel dann, wenn wir die Wonnen teilen. Und Sex wäre in dieser Optik dann immer auch freud und lustvoller Gottesdienst an diesem geheimnisvollen Wesen.
Unser Kopf ist und bleibt unser wichtigstes Sexualorgan. Vor allem dann, wenn wir ihn dazu nutzen, nicht nur an Sex zu denken, sondern darüber nachzudenken. Das macht unser Sexleben nicht unbedingt aufregender. Aber sinnvoller.
Zur Person:
Dr. Andreas Giger, Jahrgang 1951, lebt und arbeitet als ZukunftsPhilosoph, Autor, Redner und Fotograf im appenzellischen Wald.
Verwandte Adressen
- Tierheim Lazzarotto
- Tierschutzverein des Kantons Luzern / Tierheim an der Ron6037 Root
- Tierheim zum Schnüffel Stiftung SOS für Tiere4302 Augst
- Tierschutzverein Sargans-Werdenberg9471 Buchs
- Schweizer Tierschutz STS4008 basel
8625 Gossau
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