Kinder,Kunst und Klecksereien

Kinder lieben Farben, Formen, Materialien - ja, sogar Müll: Lassen wir sie nach Herzenslust damit experimentieren! Kunst entsteht dabei ganz von alleine!
Kinder kennen es kaum - den viel beschriebenen Horror Vacui* - die Angst vor dem weissen Raum. Sie kritzeln, klecksen, malen und gestalten beherzt drauflos, vorausgesetzt, sie haben Zugang zu möglichst vielfältigen Malutensilien und Materialien. Keinem Kind muss man kreatives Tun beibringen, denn die bildnerische Ausdruckslust entwickelt sich meist ganz von selbst: Genauso wie das Kleinkind brabbelt bevor es spricht und krabbelt bevor es läuft, so möchte es sich auch gestalterisch betätigen und unsere Welt auf kreative Weise entdecken.

Früh übt sich, wer ein Meister werden will

Die frühe Phase des kindlichen Zeichnens beginnt interessanterweise überall auf der Welt mit dem Kritzeln. So entstehen die ersten Kritzelbilder ungefähr zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr, sobald Motorik und Anatomie es zulassen. Diese ersten Bilder zeigen noch keine wirklichen Motive, sondern sind reine Experimente mit Stiften, Farben und Papier. Bald merkt das Kleine, dass es mit seinen Kritzelzeichnungen sichtbare Spuren hinterlässt und versucht abzubilden, was es (noch) nicht in Worten ausdrücken kann. Beim experimentierenden Malen und Gestalten zu Hause ist es wichtig, altersgemässe - also ungiftige - Malutensilien bereitzustellen, da fast immer etwas davon auch in den Mund oder auf die Haut gelangt. Zudem sollte den kleinen Künstlern immer ausreichend Papier zur Verfügung stehen, je jünger die Kinder, desto stabiler. Dafür eignen sich Zeichenblöcke, Packpapier, Kartons und vieles mehr. Wichtig ist auch, den spezifischen Anforderungen nach einer mal- und kinderfreundlichen Umgebung Rechnung zu tragen. Das heisst: abwaschbare Unterlagen und Tische sowie ausreichend grosse Blätter. Eltern, die der Gedanke an chaotische Mal- und Bastelstunden in ihrem sauberen Zuhause schaudern lässt - nur Mut, richten Sie auf dem Balkon, im Garten oder in freier Natur einen geeigneten Platz dafür ein! Kreativ tätig sein kann man überall - beim Malen draussen auf Spielplätzen oder -strassen muss keine Rücksicht auf Blattgrenzen genommen werden und die räumlichen Möglichkeiten hierbei steigern den Spass und die Kreativität zusätzlich.

Weder Druck noch Kritik
Die Pädagogin und Buchautorin Angelika Martina Lebéus (Kinderbilder und was sie uns sagen, Beltz-Verlag) hält es für wichtig, dass Kleinkinder keinerlei Druck erfahren, die sie zu einer realistischen Darstellung zwingen. Kritik und ein fortwährendes Verbessernwollen der Zeichnungen verunsichern nur. «Es ist wichtig, das Kind in seiner zeichnerischen Entwicklung zu begleiten, seinen Bild- und Wortprotokollen zuzuhören und seine Malkünste und Farbkompositionen ohne jede Kritik zu bestaunen», sagt sie. «So gewinnt das Kind Zuversicht in seine eigenen Fähigkeiten und entwickelt Vertrauen in den erwachsenen Zuschauer und Zuhörer. Wird sein Verhalten bestätigt, so fördert dies seine experimentelle Fantasie und künstlerische Ausdruckweise.»

Und wenn dann die eine oder der andere fragt: Soll das Kunst sein? - so ist die Antwort klar: Ja - jede schöpferisch gestaltende Tätigkeit des Menschen ist Kunst und zeugt von der Auseinandersetzung mit vielfältigen Sinneseindrücken. Probieren Sies aus!

Quelle/Text: Christina Bösiger


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