Vom Mann zum Vater
Immer mehr junge Männer wollen heute Beruf und Familie miteinander in Einklang bringen. Leider klaffen Wunsch und Wirklichkeit, Einstellung und Verhalten oft noch auseinander. Wie schaffen es heutige Väter, sich in das Leben ihrer Familie nachhaltig einzuklinken?
Väter sind für die Entwicklung ihrer Söhne und Töchter von existenzieller Bedeutung. Das hat man nicht immer so gesehen, doch mittlerweile besteht daran auch von Expertenseite kein Zweifel mehr. Doch wieso sind eigentlich die Papas so wichtig? Klar, weil sie - von der in modernen Partnerschaften einigermassen selbstverständlichen Aufgabenteilung mal abgesehen - das Kinderaufziehen ganz anders angehen als Frauen. Die Betonung liegt auf «anders»! Davon kann ich als erfahrene Mutter aus eigener Erfahrung berichten. Meine Rolle ist beispielsweise mehr die der Familienmanagerin. Ich kümmere mich mehr um das Soziale, Gefühle, Probleme, Schule, Hausaufgaben, Freizeitaktivitäten, während mein Mann mehr für Sport, Spiel und Spass zuständig ist und die Kinder auch praktisch in gewisse Hausarbeiten einführt. Jedenfalls: Zusammen sind wir stark und versuchen, unseren Kindern verschiedene Rollen und Werte vorzuleben. Gemeinsam zeigen wir ihnen, dass es unterschiedliche Arten gibt, das Leben anzupacken.Wo ist Papa?
Von den «neuen Männern» und vom «neuen Vater» haben Sie vielleicht auch schon gehört. Doch ich beobachte trotzdem, dass viele Papas im alltäglichen Leben ihrer Kinder nicht wirklich präsent sind. Auch wenn diese es wünschen würden. Was tun? Nach meiner Erfahrung hilft hier kein Lamentieren über eine - vermeintlich - ungerechte Politik oder allzu fordernde Arbeitgeber. Nein. Selbst ist der Mann respektive die Familie. Hier gilt es: Ärmel zurückkrempeln und gemeinsam selbst anpacken! Hier ein paar Tipps: Wenn Vater und Kinder in Kontakt treten, dann können sie dies klassischerweise tun, indem sie etwas gemeinsam unternehmen, also: zusammen die Zutaten für das Lieblingsessen einkaufen gehen, dafür auf den Markt gehen und am Abend die Mahlzeit gemeinsam kochen; mit den Kindern ein Vogelhaus für den Garten oder den Balkon basteln, Nägel einschlagen und den Sprösslingen ein paar handwerkliche Fähigkeiten beibringen. Zusammen die Welt im Wald entdecken und eine Baumhütte bauen oder vielleicht auch wieder einmal eine spannende Geschichte erfinden oder vorlesen? Was auch immer Papas tun - alle diese Tätigkeiten haben den angenehmen Nebeneffekt, dass sich dabei viele Gelegenheiten für Fachsimpeleien bieten - sei es über Vogelhäuser, Baumhütten oder auch über kleinere und grössere Probleme in der Schule oder mit Freunden.
Vielbeschäftigte Papas sollten sich ab sofort alle Termine mit ihren Kindern und ihrer Frau in den Kalender eintragen - dick unterstrichen! Ganz wichtig: Diese Termine sind heilig und müssen unter allen Umständen eingehalten werden! Ausreden gelten nicht! Vor allem nicht, dass noch etwas ganz Wichtiges im Geschäft dazwischengekommen sei. Oder möchten Sie, dass sich Ihre Familie unwichtig und nicht ernst genommen fühlen muss? Um sich in das Leben der Familie nachhaltig einzuklinken, ist es gut, wenn Väter kleine, realisierbare Dinge planen und durchführen. Vielleicht mal eine halbe Stunde früher nach Hause kommen? Vielleicht auch versuchen, am Alltag der Kinder teilzunehmen, indem sie zum nächsten Besuchsmorgen in die Schule kommen oder zu einem Elterngespräch. Oder die Kinder vom Kindergarten oder vom Hort abholen? Väter könnten auch kleine Rituale mit den Kindern entwickeln, für die nur sie ganz alleine zuständig sind: Beispielsweise vor dem Schlafengehen eine Geschichte erzählen, auf der Bettkante über Gott und die Welt reden oder einmal die Woche gemeinsam etwas spielen. Auch Sport oder Musik eignen sich wunderbar für gemeinsame Erlebnisse: zusammen Fussball oder gemeinsam ein Instrument spielen, zusammen singen, toben und neue Abenteuer erleben, das macht nicht nur Spass, sondern schweisst zusammen. Haben Sie das Passende noch nicht gefunden? Dann machen Sie sich auf die Suche danach. Sie sind doch in Ihrem Beruf auch stolz darauf, schwierige Herausforderungen anzunehmen. Stimmts?
Quelle/Text: Christina Bösiger
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8185 Winkel
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