Kinderfreundlichkeit: Mehrwert für Gemeinden
«Kinderfreundlichkeit auf Gemeindeebene ist machbar und lohnt sich.» Dies ist das Fazit der diesjährigen Jahrestagung von UNICEF Schweiz, die damit Möglichkeiten zum Austausch über vorhandene innovative Ansätze sowie eine Plattform zur Vernetzung bot.
Quelle Bild: Die Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» von UNICEF Schweiz bezweckt die Förderung der Umsetzung der Kinderrechte auf kommunaler Ebene. (Bild: Archiv)
Kinderrechte umsetzen - auf kommunaler und kantonaler Ebene
Seit der Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention im Jahr 1989 haben die eingeleiteten gesetzlichen und politischen Reformprozesse auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene konkrete Ergebnisse für Kinder gebracht. Die UNICEF Schweiz Studien «Kindern eine Stimme geben» und «Vom Kindesschutz zum Kinderrechtsstaat» zeigten jedoch, dass Kindeswohl, Anhörungsrecht, Partizipationsmöglichkeiten und Chancengleichheit in der Schweiz in Gesetz, Politik und Praxis zu wenig berücksichtigt werden. Die Umsetzung der Kinderrechte auf der Ebene von Kanton und Gemeinde - also im unmittelbaren Lebensumfeld der Kinder, wo sich die Auswirkungen der Rechte am stärksten zeigen - bleibt eine Herausforderung.
«Kinderfreundlichkeit misst sich nicht so sehr an der Anzahl Turnhallen, Ludotheken und Streichelzoos, die Kindern in einer Gemeinde zur Verfügung stehen», erklärte UNICEF-Geschäftsleiterin Elsbeth Müller, «Kinderfreundlichkeit misst sich vielmehr daran, in welcher Weise eine Gemeinde die Kinder am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen lässt.»
Seit der Lancierung der Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» von UNICEF Schweiz, die die Förderung der Umsetzung der Kinderrechte auf kommunaler Ebene bezweckt, sind einige Gemeinden dabei, ihre Kinderfreundlichkeit zu messen und zu steigern. Mit dem Prozess, der dadurch eingeleitet wird, zeigt sich meist erfreuliches Potential: Erwachsene, Kinder und Jugendliche beweisen meist ein beeindruckendes Engagement, um gemeinsam eine zukunftsfähige Gemeinde zu gestalten, in der auch die Stimmberechtigten von morgen ihren Platz haben. Dieses Potential und Engagement gelte es zu nutzen und zu verbreiten, betonte Müller.
Austausch und «best practice»
In ihren Referaten zeigten die internationalen Referentinnen auf, welche Indikatoren für Kinderfreundlichkeit definiert, umgesetzt und gemessen werden und wie sich die Zusammenarbeit auf Gemeindeebene nutzbringend für alle gestalten lässt. Über den Mehrwert der Kinderfreundlichkeit aus Sicht eines Kantons referierte Marcel Chatelain, Chef Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn: «Wir sollten uns lösen von der Idee des 'Nachtwächterstaates', der nur Brandherde löscht und auf einen vorausschauenden Staat hinarbeiten, der familien- und kinderfreundliche Strukturen aufweist. Eine Wertschätzung der Familie animiert zu mehr Kindern.»
Roger Zahner, ehemaliger Projektleiter Kinder- und Jugendpolitik der Gemeinde Uznach, erläuterte die Rolle der Kinder- und Jugendpolitik als Teil der Gemeindestrategie: «Hilfreich ist ein klarer politischer Auftrag, eine breite Abstützung des Anliegens innerhalb der Gemeinde und eine Portion Mut und Offenheit.» Für die Kinder, betonte er, seien sichtbare Resultate wichtig: «Sie möchten sehen, welche Wirkung ihr Beitrag hat.»
«Kinder verstehen sehr wohl, wenn etwas nicht durchgeführt werden kann», bestätigte UNICEF-Geschäftsleiterin Elsbeth Müller, «sie möchten aber darüber informiert werden und dadurch das Gefühl erhalten, wahrgenommen zu werden.»
Konkrete Beispiele dafür, wie die Gemeinde Riehen Kinderrechte fördert und umsetzt, bot Christian Lupp, Fachbeauftragter Freizeit und Sport, und fasste zusammen: «Man muss keine Parallelwelt für Kinder bauen. Wenn etwas für Kinder umgesetzt wird, profitieren alle Generationen davon.»
«Wie funktioniert es und was bringt es?» Florence Godoy, Kinderbeauftragte der Stadt Lausanne, bot mit vielen Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag einen sehr praxisnahen Zugang zum Thema Kinderfreundlichkeit: «Es ist empfehlenswert, ganz pragmatisch, direkt und niederschwellig mit Kindern zu arbeiten.» Dies könne etwa heissen, mit ihnen in der Anfangsphase konkret die Abläufe von Wortmeldungen zu üben.
An der abschliessenden Podiumsdiskussion, an der die Referenten unter fachkundiger Leitung der Tagesmoderatorin Cornelia Kazis darüber nachdachten, was Kinderfreundlichkeit ausmacht und wie sie aus ihrer persönlichen Sicht in der Gemeinde konkret gefördert werden kann, vermittelten die vierzehnjährige Angelina Tschümperlin und der zwölfjährige Samuel Dürst, beides Vertreter des Schwyzer Kinderparlamentes, die Kindersicht auf das Tagesthema. Das wohl prägnanteste Zitat des Tages lieferte denn auch der jüngste Teilnehmer: «Es ist doch blöd, wenn in einer Gemeinde für ein paar Millionen Franken eine Aula gebaut wird, die nie von Kindern ausserhalb der Schulzeiten benutzt werden darf.»
Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde»
UNICEF Schweiz fördert mit der Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» seit 2006 gezielt Prozesse zur Steigerung der Kinderfreundlichkeit. Die konsequente Beteiligung der Kinder und Jugendlichen in möglichst vielen Politbereichen ist dabei eines der Hauptkriterien. Die Gemeinden Wauwil (LU), Laupersdorf (SO), Arlesheim (BL), Riehen (BS), Uznach (SG) und Fehraltorf (ZH) sind bis jetzt mit dem Label ausgezeichnet worden.
Über UNICEF Schweiz
UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, hat über 60 Jahre Erfahrung in Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe. UNICEF setzt sich dafür ein, dass Kinder überleben und eine wohlbehaltene Kindheit erhalten. Zu den zentralen Aufgaben gehören Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wasser und Hygiene sowie der Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Aids. UNICEF finanziert sich ausschliesslich durch freiwillige Beiträge und wird in der Schweiz durch das Schweizerische Komitee für UNICEF vertreten. Seit mehr als 50 Jahren setzt sich UNICEF Schweiz für Kinder ein, im Ausland wie im Inland.
Quelle/Text: UNICEF Schweiz
Verwandte Adressen
- Tierambulanz Tierheim Olten
- Tierheim Lazzarotto8625 Gossau
- Verein Tiere in Not / Tierheim Staffweid6044 Udligenwil
- Tierschutz Region Thun3600 Thun
- Tierschutzverein Biel-Seeland-Berner Jura / Tierheim Rosel2555 Brügg
4612 Wangen bei Olten
Verwandte Artikel
- Tabuthema Burnout in der Familie Artikel vom 13.02.2012, 10:56
- Weltwunder auf tausend PfählenArtikel vom 08.02.2012, 16:52
- Kleine Mädchen - Grosse ProblemeArtikel vom 12.01.2012, 11:13
- Von der Kunst des GeniessensArtikel vom 12.01.2012, 10:54
- Den Winterblues vertreiben - aber wie?Artikel vom 12.01.2012, 10:35




