Schulanfang: Was Kinder stark macht
Mut und Selbstvertrauen bilden einen natürlichen Schutzschild vor Übergriffen und Gefahrensituationen aller Art. Deshalb sollten Eltern alles dafür tun, damit ihr Kind bereits vor Kindergarten oder Schulanfang stark und selbstbewusst wird. Hier unsere Tipps für drei ganz konkrete Situationen im Alltag.
Schnell werden die Kinder selbständiger, machen sich alleine auf den Weg von zu Hause in den Kindergarten und wieder zurück, besuchen vielleicht alleine einen Spielkameraden. (Bild: Joe Belanger)
Spätestens mit dem Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule sind die Kleinen gross genug, um auch einmal alleine unterwegs zu sein. Sie werden selbständiger, machen sich alleine auf den Weg von zu Hause in den Kindergarten und wieder zurück, besuchen vielleicht alleine einen Spielkameraden im gleichen Ort oder spielen ohne Elternbegleitung mit anderen draussen auf dem Spielplatz. Viele Eltern fühlen sich dabei unsicher, doch mit Überfürsorglichkeit oder gar Angst ist den Kindern nicht gedient, das behindert sie eher in ihrer Entwicklung. Vielmehr sollten die Kinder gestärkt werden, um in Gefahrensituationen - beispielsweise möglichen sexuellen Übergriffen - entsprechend reagieren zu können.
Was tun? Sobald ein Kind selbständiger wird, sollten Eltern Schritt für Schritt folgende Punkte mit ihm besprechen:
1. Aufklären und informieren: Ein gutes Körperbewusstsein und eine altersgemässe Sexualaufklärung sind die Grundlage für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Zudem: Klären Sie Ihr Kind - ohne Panik zu verbreiten - über mögliche Gefahren im Umgang mit anderen Menschen auf. Je nach Alter und Verständnis bezüglich Sexualität sprechen Sie mit ihm darüber, dass es seinen Gefühlen trauen soll. Ihr Kind muss wissen: Wenn ihm etwas unangenehm ist, darf und muss es «Nein» sagen können!
2. Sich wehren können: Kinder haben das Recht, darüber zu entscheiden, wie, wann, wo und von wem sie angefasst werden möchten. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es sich wehren darf, wenn es etwas nicht in Ordnung findet. Falls es in eine unangenehme Situation gerät oder gar bedrängt wird, ist Schreien oder UmsichSchlagen oder sogar Beissen erlaubt! Weglaufen ist - wenn möglich - ebenfalls eine Möglichkeit. Kinder sollen darin bestärkt werden, gegebenenfalls Hilfe bei erwachsenen Personen zu holen, denen sie vertrauen.
3. Gute und schlechte Geheimnisse unterscheiden: Erklären Sie Ihrem Kind den Unterschied zwischen guten - z.B. eine Geburtstagsüberraschung - und schlechten Geheimnissen - verbunden mit unangenehmen Gefühlen. Ermutigen Sie es, schlechte Geheimnisse einer ihm vertrauten Person zu erzählen.
4. Wege erkunden: Erkunden Sie mit Ihrem Kind zusammen die Wege - in den Kindergarten, in die Schule, zu seinen Freunden oder zu den Grosseltern. Wenn es dann alleine unterwegs ist, sollte es möglichst immer entlang derselben Route gehen.
5. Freunde und Nachbarn kennen lernen: Lernen Sie Schulfreunde und Nachbarskinder kennen. So können Sie besser einschätzen, mit wem Ihr Kind Umgang hat.
6. Niemals mit Fremden mitgehen: Die alte Regel «Lass dich nicht von Fremden ansprechen» gilt immer noch. Auch: «Steig niemals in ein fremdes Auto! Geh niemals mit einem Fremden mit!»Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen geschieht zu rund 75 Prozent in ihrem direkten sozialen Umfeld - dem Elternhaus, der Freizeit, im Internet. Unter dem Motto «Gemeinsam Stärke zeigen» hat das Schweizerische Bündnis zur Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen eine dreisprachige Internetplattform lanciert, die sich an Eltern und direkt und indirekt Betroffene richtet. Auf einen Blick erhalten diese auf www.schauhin.ch Hilfe, Rat und Informationen zu allen Facetten des Themas. Interessierte finden hier auch eine Elternbroschüre mit den wichtigsten Punkten als pdfDownload. Weitere Infos auch über www.kinderschutz.ch.
«Kinder sollten gestärkt werden, um in Gefahrensituationen gut reagieren zu können.»
2. Situation: Kinder im Strassenverkehr
Verkehrserziehung beginnt nicht erst dann, wenn ein Kind das erste Mal alleine unterwegs ist. Auch hier sollten Eltern möglichst frühzeitig als Vorbild agieren, damit sich das Kind Verhaltensweisen im Strassenverkehr abschauen kann. Also, achten Sie einerseits als Verkehrsteilnehmer wie als Auto oder Velofahrer und andererseits als Fussgänger darauf, was und wie Sie mit Ihrem Kind richtiges Verhalten üben können.Was tun? Geben Sie Ihrem Kind diese Regeln mit auf den Weg:
1. «Warten»: Am Strassenrand stehen bleiben. So wird das Kind angehalten, routinemässig vor jedem Betreten der Fahrbahn einen Stopp einzulegen, was verhindert, dass es unvermittelt auf die Strasse tritt.
2. «Luege, lose»: Den Kopf drehen und die Aufmerksamkeit auf beide Seiten richten. Die Fahrbahn darf erst betreten werden, wenn keine Fahrzeuge mehr vorbeifahren oder alle Fahrzeuge angehalten haben. Kinder im Vorschul oder Unterstufenalter können weder Distanzen noch Geschwindigkeiten einschätzen. Sie können daher bei einem fahrenden Fahrzeug nicht beurteilen, ob sie die Strasse noch rechtzeitig vor dem Gefährt überqueren können, auch wenn es noch so langsam rollt. Entsprechend sollten sie dazu geschult werden, die Fahrbahn erst dann zu betreten, wenn sicher ist, dass sich das Fahrzeug nicht mehr bewegt.
3. «Laufe»: Die Fahrbahn aufmerksam überqueren, nicht rennen. Wir schauen alle etwa dort hin, wo wir uns in drei Sekunden aufhalten.Die Kantonspolizei Zürich hat zum Thema ein Bilderbuch «Fuchs Ferox und die Kinder im Strassenverkehr», eine HörspielCD sowie eine FeroxPuppe produziert. Mehr über www.ferox.ch.
3. Situation: Kinder im Internet
Kinder bewegen sich heute schon ab dem Vorschulalter im Internet. Sie imitieren dabei die Erwachsenen und nutzen oft verfügbare Angebote, ohne sich der Risiken bewusst zu sein. Bei der Teilnahme an Wettbewerben, Umfragen oder auf SocialMediaPlattformen geben Kinder - und auch Jugendliche - zu bereitwillig Informationen über sich preis. Über ein Drittel der Jugendlichen gibt in sozialen Netzwerken sogar persönliche Daten und Bilder für jedermann frei und über 60 Prozent auch für jeden OnlineKontakt - auf den Plattformen oft als «Freunde» bezeichnet.
Was tun? Eltern sind gut beraten, wenn sie sich für den Medienkonsum ihrer Kinder interessieren und mit ihnen - in jedem Alter - im Gespräch bleiben. Kinder und Jugendliche - aber auch Eltern - brauchen Unterstützung, um Medienkompetenz zu entwickeln.
Der Rat für Persönlichkeitsschutz hat deshalb eine schweizweite Kampagne zum Persönlichkeits und Datenschutz im Internet ins Leben gerufen. Die NetLaKampagne, die eine Bildgeschichte für die Kleinen, Comics und Games für Kinder und Jugendliche sowie Lehrmaterial für den Unterricht und viele wertvolle Tipps umfasst, soll den Wert der Privatsphäre aufzeigen und altersgerecht sensibilisieren. Die Kampagne setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Daten im Internet ein. Kinder und Jugendliche sollen aktiv werden und zur Reflexion ihres Verhaltens und zu einer Verhaltensänderung im Umgang mit ihren persönlichen Daten angeregt werden. Denn wer mit seinen Daten richtig umgeht, ist am besten vor Risiken geschützt. Mehr über www.netla.ch.
Quelle/Text: Christina Bösiger
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