Was, wenn Brustkrebs vermeidbar wäre?
Politik, Medizin und Krebsorganisationen ignorieren bisher meist Hinweise, dass Brustkrebs auch als umweltbedingte und damit vermeidbare Erkrankung betrachtet werden kann. Ihre stoische Frage: «Wo ist der Beweis?» zieht die Gegenfrage nach sich: «Wie viele Beweise braucht es noch?»
Beinahe jeder, den ich gefragt habe, kennt mindestens eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist oder war oder schlimms tenfalls daran gestorben ist. Die Krankheit scheint omnipräsent. Auch meinen Freundeskreis - viele Frauen zwischen Anfang 30 und Mitte 40 - hat der Brustkrebs nicht ausgespart. Im vergangenen Jahr starb meine Nachbarin an der Krankheit - 30 Jahre alt. Zurück blieben zwei kleine Kinder und ein untröstlicher Ehemann. Eine andere Freundin hat es geschafft. Aber sie hat eine Brust verloren.Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die Krebsforschungsbehörde der Weltgesundheitsorganisation WHO, die International Agency for Research on Cancer (IARC), geht von jährlich 1,38 Millionen Brustkrebsneuerkrankungen weltweit aus. Für das Jahr 2040 wird derzeit ein Anstieg auf weltweit über zwei Millionen Fälle pro Jahr angenommen. Woher kommt dieser Anstieg? Umweltbelastungen wie gesundheitsschädigende Chemikalien, Stress oder berufsbedingte Gefährdungen werden als Ursache für die Krankheitsentstehung meist wenig beachtet, auch wenn zahlreiche Studien den Verdacht belegen.
Heilen ist gut, vermeiden ist besser!
Hier setzt die Publikation von WECF - Women in Europe for a Common Future und vom AKF - Arbeitskreis Frauengesundheit Berlin an. Meine britische Kollegin Helen Lynn hat mit der Broschüre «Linking Breastcancer to our Environment» Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umweltgefährdungen thematisiert. Auf dieser Basis entstand die Publikation «Die verkannte Gefahr - Umwelteinflüsse und Brustkrebs. Heilen ist gut, vermeiden ist besser!». Sie zeigt auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass verschiedene Chemikalien, mit denen wir alltäglich in Berührung kommen, und Stress oder Gefährdungen am Arbeitsplatz die Entstehung von Brustkrebs begünstigen können. Eine Diskussion, die nach vermeidbaren umweltbedingten Ursachen für die Krankheit fragt, muss deshalb angestossen werden.
Ob Muttermilch oder Fettgewebe - überall lagert eine Vielzahl synthetischer Substanzen
Risikofaktoren wie Rauchen, die Einnahme der Pille oder eine familiäre Disposition sind bekannt und anerkannt. Die Gefahren, die etwa von chemischen Substanzen ausgehen, die z.B in den Hormonhaushalt eingreifen, kennen die wenigsten Frauen und werden von Seiten der Forschung, der Medizin und Politik meist ignoriert. Diese sogenannten endokrinen Disruptoren (EDCs) wirken wie Östrogen und können das Wachstum von Tumorzellen anregen. Sie haben wenig griffige Namen wie Phthalate, Parabene, Bisphenol A oder Dioxine. Wir kommen täglich mit ihnen in Kontakt durch Kosmetika, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel, Plastikverpackungen oder über Lebensmittel. Nicht alle wurden dahingehend geprüft, ob sie Brustkrebs (und möglicherweise auch andere hormonabhängige Krebsarten wie Eierstockkrebs) auslösen können. Doch bei etlichen besteht ein starker Verdacht. Oft ahnen wir nicht, welchen Gesundheitsgefahren wir in unserer Umwelt ausgesetzt sind und können sie so auch nicht vermeiden. Schon deshalb bedeuten weniger schädliche Chemikalien auch weniger Brustkrebs.
Aus der Welt schaffen, was krank macht
2006 hat das Europäische Parlament in einer Entschliessung Schritte zur Brustkrebsvermeidung aufgelistet und EUAbgeordnete forderten endlich, Auswirkungen schädlicher Chemikalien und Umweltbelastungen auf die Entstehung von Brustkrebs zu erforschen. In einer erneuten Entschliessung zu Brustkrebs von 2010 sucht man diese Forderung vergeblich.
Unsere Publikation möchte Frauen informieren, wie sie sich vor gesundheitsschädigenden Stoffen schützen können. Sie will dazu ermutigen, sich in Gesundheits und Umweltpolitik einzumischen.Wir appellieren an Politik, Wissenschaft und Medizin, die genannten vermeidbaren Risikofaktoren ernst zu nehmen und weiter zu erforschen. Gesundheitsgefährdende Substanzen, für die es häufig ungefährliche Ersatzstoffe gibt oder die oftmals nicht zwingend nötig sind, müssen ersetzt bzw. verboten werden. Vermeidung von Brustkrebs in unserem Sinn meint die gemeinsame gesellschaftliche und politische Anstrengung, aus der Welt zu schaffen, was krank macht. Folgende Veröffentlichung würde ich gerne angeben als wissenschaftliche Untermauerung:
«State of the Evidence», 2010, 6. Auflage, www.breastcancerfund.org
Quelle/Text: Johanna Hausmann
Verwandte Adressen
- Dr. Rainer Sulser
- Dr. Christoph Fink4603 Olten
- Dr. Karin Schneider- Guggisberg2000 Neuchâtel
- Dr. L.-O. Tissot- Gugolz2300 La Chaux-de-Fonds
- Dr. André Willoud1700 Fribourg
6370 Stans
Verwandte Artikel
- Bäder in der SchweizArtikel vom 03.05.2012, 12:48
- Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen vermeidenArtikel vom 27.02.2012, 09:58
- Tabuthema Burnout in der Familie Artikel vom 13.02.2012, 10:56
- Bewegung ist gesundArtikel vom 13.02.2012, 10:49
- Bakterien lauern überall!Artikel vom 09.02.2012, 09:28




