Kreide statt Kugeln
Bei Ausbruch des Konflikts in Libyen vor nahezu fünf Monaten haben die meisten Schulen des Landes ihre Tore geschlossen. Damit wurde die schulische Entwicklung von rund 2 Millionen Kindern unterbrochen - ein gesamtes akademisches Jahr ging verloren.
Ob Aisha und Aya in Bengasi, Hassan in Al-Bayda oder Haya in Nalut - alle sagen das Gleiche: «Wir wollen wieder in die Schule gehen.» Die Auswirkungen der bewaffneten Konflikte in Libyen sind verheerend - vor allem für Kinder und ihre schulische Entwicklung: Lehrer verliessen die Schule, um Soldaten zu werden, Eltern behielten ihre Kinder zu Hause aus Angst vor Querschlägern und Heckenschützen. Da, wo noch Schule abgehalten wurde, fehlten die Mittel für Löhne und Materialien. Viele Schulen wurden zur Stationierung von Truppen genutzt, in anderen wurden Familien untergebracht, die Zuflucht vor der Gewalt suchten. Während Monaten geschlossene Schulen bedeuten nicht nur einen Unterbruch in der schulischen Entwicklung der Kinder. Gerade in humanitären Krisen können Schulen traumatisierten Kindern ein gewisses Gefühl von Normalität vermitteln. Schulen schaffen ein schützendes Umfeld für Kinder, indem sie in einer von Gewalt und Konflikten gezeichneten Gemeinschaft eine gewisse Routine garantieren. Schulen erlauben es den Kindern, weiter zu lernen und zu spielen - und vor allem: Kinder sein zu können.
«Ich bleibe nicht gerne von der Schule weg, weil ich dann nichts lerne und meine Freunde nicht sehen kann», sagt der elfjährige Hassan, der derzeit mit seiner Familie in einem Lager für Binnenvertriebene in Al-Bayda lebt. «Der Krieg hindert uns daran, so zu leben, wie wir es gewöhnt sind», erklärt auch die 17-jährige Mariam. Sie fürchtet, der sich hinziehende Konflikt könnte ihr geplantes Studium gefährden. «Ich war in der Abschlussklasse, als der Bürgerkrieg begann, aber ich glaube, ich muss das Jahr wiederholen, weil so viele Stunden ausgefallen sind. Ich habe darauf gehofft, ein Stipendium zu bekommen, damit ich Umweltwissenschaften studieren kann - aber wer weiss, was jetzt daraus wird.»
Schule garantiert Normalität
In Gesprächen mit den Kindern in Libyen wird deutlich, welche dominierende Rolle die Schule im Leben von Kindern spielt. Nicht nur, was ihren Alltag betrifft, sondern auch in Bezug auf ihre Zukunftsperspektiven. Umso wichtiger ist es deshalb, dass alle Schulen in Libyen im September wieder öffnen. Nur so wird den Kindern die Rückkehr in die Normalität und letztlich auch die Bewältigung der Kriegserfahrung ermöglicht. UNICEF arbeitet gegenwärtig mit lokalen Behörden im ganzen Land, um sicherzustellen, dass es für alle Libyschen Kinder bald heisst: «Back to School!»
Quelle/Text: UNICEF-Sprecher Chris Tidey
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8185 Winkel
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