Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit
Immer mehr Paare möchten sich die Berufs- und Familienarbeit gleichberechtigt teilen. Häufig kommt es dann aber nicht zur Umsetzung der ursprünglichen Pläne. Wo liegen die Stolpersteine und wie können diese überwunden werden?
Oft hören wir von Paaren, dass es sich gar nicht lohne wenn die Frau auch arbeitet, da ein Grossteil ihres Einkommens durch die Betreuungskosten aufgefressen werde. Doch aus einem anderen Blickwinkel sieht dies ganz anders aus: Gehen wir davon aus, dass der Vater und die Mutter für die Betreuung ihrer Kinder zusammen, also je für 2,5 Arbeitstage verantwortlich sind. Wie diese Tage abgedeckt werden, können beide Elternteile selber wählen: sie können zu Hause sein und die Betreuung selber leisten oder eine externe Betreuung bezahlen. Wählt beispielsweise die Mutter ein 60%-Pensum Erwerbsarbeit, ist sie zwei Tage zu Hause und muss einen halben Tag Krippe bezahlen. Der Vater arbeitet 80%, ist also einen Tag zu Hause. Er muss die Krippenkosten für 1,5 Tage übernehmen. Finanziell ändert sich zwar nichts, aber im Kopf sieht das schon ganz anders aus: die Erwerbsarbeit der Frau lohnt sich sehr!
Nicht nur das Finanzielle sehen!
Nicht nur das Finanzielle zählt. Es ist leider heute immer noch so, dass die Steuern, Sozialtransfers (z.B. Verbilligungen der Krankenkassenprämie) und die Kinderkrippentarife nicht gut aufeinander abgestimmt sind und deshalb der effektive Zuwachs an Geld im Portemonnaie durch mehr Erwerbsarbeit nicht immer sehr gross ist. Doch neben dem finanziellen Aspekt ist auch anderes wichtig: Bei der Erwerbsarbeit zählen neben dem Finanziellen auch die Kontakte im Erwerbsleben, die Bestätigung durch die Erwerbsarbeit, der Erhalt und Weiterentwicklung von Qualifikationen, die Befriedigung, Geld zu verdienen, spannende oder nützliche Arbeit zu leisten. Ganz wichtig sind auch die positiven Aspekte der Haus- und Familienarbeit, die oft viel zu wenig - von Frauen und Männern - gewichtet werden: der enge Kontakt zu den Kindern und das Erleben von Alltag, eine dadurch nahe Beziehung zu ihnen, Gestaltungsfreiheiten, wie viele andere Arbeitsstellen sie nicht bieten, der Kontakt zu anderen Müttern und Vätern, die neuen Qualifikationen, die bei der Familienarbeit entstehen, der Ausgleich zur Erwerbstätigkeit, etc. Auch für die Kinder ist etwas drin: sie erweitern ihr Netz an Bezugspersonen (Tagesmütter, Betreuungspersonal in der Krippe/Hort, Nachbar/-innen, Verwandte), finden neue Spielkameraden und ?Kameradinnen, Freunde und Freundinnen, erleben und lernen viel Neues in neuer Umgebung.
In die Zukunft denken
Es ist wichtig, dass Sie längerfristig denken und sich überlegen, dass ein totaler Ausstieg - für Frauen und Männer - aus der Erwerbsarbeit längerfristig finanzielle Einbussen mit sich bringt, denn bei einem Wiedereinstieg ist mit Lohneinbussen und veralteten Qualifikationen zu rechnen; auch bei Scheidung ist die ökonomische Situation viel schwieriger.
Männer, die zugunsten der Familie ihr Pensum bei der Erwerbsarbeit reduzieren möchten, treffen heute noch häufiger als Frauen auf Hindernisse. Die Broschüre "Fairplay at Work für Väter" liefert darum Tipps fürs Gespräch mit dem/der Vorgesetzten. Die Vorbereitung des Gesprächs ist wichtig, auch, dass schon mögliche Lösungen aufgezeigt werden können. Hierzu kann auch eine vorgängige Beratung sinnvoll sein.
Die Entwicklung deutet auf eine positive Veränderung hin: Immer mehr Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber setzen sich eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Ziel, die verbesserte Vereinbarkeit ist auch ein politisches Ziel und die gesellschaftliche Akzeptanz von Vätern, die Familienpflichten übernehmen, steigt, wie zum Beispiel die vermehrte Medienberichterstattung und das wachsende Interesse am Schweizer Vätertag.
Auf der Website der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann finden Sie eine Orientierungshilfe: "Am Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessiert?"
Infos - So klappts mit der fairen Rollenteilung
- Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Paar sich die Familien-, Haus und Erwerbsarbeit aufteilen kann. Diese haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, die sich direkt oder später auswirken.
- Es gibt kein Patentrezept: Wichtig ist die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten, mit den eigenen Bedürfnissen, Wünschen, Lebensperspektiven und mit jenen des Partners, bzw. der Partnerin.
- Durch Abwägung der Chancen und Risiken kann das geeignete Arbeitsteilungsmodell gesucht, miteinander diskutiert und gemeinsam gewählt werden. Dabei gibt es Unterstützungsangebote. Wenn sich Paare dabei beraten lassen möchten, finden sie hier die geeigneten Beratungsstellen.
- Das gewählte Modell soll dann auch gelebt werden. Es hält aber nicht für immer, sondern sollte von Zeit zu Zeit überprüft und bei Bedarf verändert werden.
- Das Wichtige ist dabei, dass das Paar sich zusammensetzt und überlegt, welche Träume sie haben, wie sie sich die Zukunft als Familie vorstellen, und dann gemeinsam aushandeln, wie sie ihre Arbeitsteilung gestalten möchten.
- Paaren, die sich zu diesem Thema Gedanken machen möchten, empfehlen wir, den Fragebogen "Fairplay at Home" herunterzuladen. Er hilft beim Einstieg in die Diskussion.
Quelle/Text: Maya Ziegler
Verwandte Adressen
- Tierschutzverein Uri
- Tierschutzverein Rheintal9442 Berneck
- Tierschutzverein Obersimmental, Ernst Zbären 3772 St. Stephan
- Tierschutz Region Thun3600 Thun
- Tierschutzverein Heiden und Umgebung9410 Heiden
6460 Altdorf
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