Gärten für Kinder? - Gärten für alle!

Ein Garten sollte für Kinder ein verlockender Lebens- und Spielraum sein und kein steriles Getto, das man nur ansehen darf. Spielgeräte sind gar nicht nötig, denn die Natur liefert alles, was Kinder brauchen. Und Erwachsene profitieren ebenso von naturnahen Gärten.
(Bild: Sternstunden)
Kinder sollen die Natur erleben, sie mit allen Sinnen erfahren können, sich austoben und die Bewegung in der frischen Luft geniessen. Sie sollen so viel Spass haben, dass sie auch uns Erwachsene mit ihrem Tun und Toben anstecken. Das wünschen sich viele Eltern, die entweder einen eigenen Garten besitzen oder ihre Kinder gerne zum Spielen rausschicken.

Schaut man sich die Gärten von Einfamilienhäusern oder die Grünanlagen von Mehrfamilienhaussiedlungen an, begegnet man häufig diesem Bild: Der Garten wird dominiert von Rasen, der regelmässig kurz gemäht wird, am Rand wachsen einige Sträucher, manchmal einheimische Gehölze, oft immergrünes Einerlei. Irgendwo steht für die Kinder eine Kiste mit Sand, die, wenn sie nicht abends abgedeckt wird, eher als Katzenklo denn als Spielstätte für die Kleinen dient. Oft wird ein Holzgerüst mit Schaukel und Klettergerüst hingestellt. Werden die Kinder älter, ersetzt ein grosses Trampolin die Spielgeräte für die Kleinen. Manche Hausbesitzer haben einen schönen Pool in den Garten gesetzt. Solche Gärten entsprechen der heutigen Mode, aber Spielparadiese für Kinder sind sie nicht. Solche Gärten decken oft auch nicht die Bedürfnisse der Erwachsenen ab. Zudem dürfen Kinder in den allzu "gepflegten" Gärten vieles nicht tun, was sie so gerne machen und was sie auch brauchen: rennen, hüpfen, Ball spielen, klettern, bauen, matschen, sich verstecken und vor Elternblicken unbeobachtet spielen.  

Grüne Oasen für alle
Spielgeräte scheinen auf den ersten Blick eine günstige und einfache Lösung zu sein. Allerdings sind diese wenig auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten. Alex Oberholzer, Biologe und Naturgartengestalter in Solothurn: "Das zeigt sich daran, dass standardisierte Spielgeräte von Kindern nur etwa fünf bis zehn Minuten am Tag bespielt werden. Zu diesem Ergebnis kam eine wissenschaftliche Untersuchung. Und Sandkästen sind oft zu klein, um dort vernünftig spielen zu können. Kinder wollen vor allem etwas tun: Sie wollen bauen, graben, verändern."

Was Kinder für ein vielfältiges und kreatives Spielen brauchen, sind natürliche Dinge: Erdwälle, Mulden, Steinblöcke, Baumstämme und Bäume, Sträucher und Hecken, Sand, Erde und Wasser, Wandkies, auch Äste, Bretter, Rundhölzer oder Bauschutt. All dies sind einfache Gegenstände, die aus einem Garten schnell ein Kinderparadies machen. Naturnah gestaltete Gärten oder Plätze (Pausenhof) sind zudem nicht nur für kleinere Kinder besser zum Spielen und Toben, sondern kommen auch älteren Kindern und Jugendlichen zugute. Viele Beispiele zeigen, dass es in naturnah gestalteten Anlagen aufgrund von verschiedenen Räumen und Nischen zu weniger aggressivem Verhalten, Vandalismus und Unfällen kommt.

Alex Oberholzer hat viele Familien bei der Anlage ihres Gartens beraten und Spielanlagen, Gärten von Kindergärten und Pausenplätze geplant. Sein Prinzip: "Mit den Elementen der Natur erfülle ich alle Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen. Wenn das nicht möglich ist, kommt ein Spielgerät in Frage." Eine Schaukel zum Beispiel kann man nicht aus Natur-materialien herstellen, da macht der Kauf Sinn. Und in einem kleinen oder neuen Garten gibt es noch keine Bäume zum Klettern.

Oberhofer rät vor allem bei kleineren Gärten zur naturnahen Gestaltung und Ausstattung. "Die Bespielbarkeit ist gerade bei kleinen Gärten viel besser, wenn sie naturnah gestaltet sind. Ausserdem nehmen die konventionellen Spielgeräte viel Platz ein."

Man kann, so das Fazit, auf Spielgeräte verzichten. Denn Kinder spielen im Grunde überall dort, wo Nischen und Strukturen vorhanden sind. Und natürliches Material ist eine unerschöpfliche Quelle für alles Mögliche: Beispielsweise entsteht aus Ästen ein Trampolin, aus Brettern wird eine Hütte, aus Balken, Rundhölzern oder Baumstämmen ein Balancierweg, aus Bohnenstangen kann man ein Indianerzelt bauen, und eine Sandkiesfläche dient als Quelle für Steine aller Art. Der aufgeschüttete oder vorhandene Hang ist ein prima Untergrund für die Rutschbahn, sogar ein Gartenhäuschen kann aus Sträuchern gepflanzt werden; es ist zudem noch pflegeleicht. Zum Klettern eignen sich dicke Seile, die zwischen Bäumen befestigt werden oder von dicken Ästen herabhängen.  

Räume zum Verweilen
Einen Garten interessant und kindgerecht zu gestalten, bedeutet zunächst, verschiedene Räume zu schaffen. Dies kann man mit Modellierung oder / und mit Pflanzen erreichen. Geräte sind dafür eher ungeeignet. Räume kann man zum Beispiel mit Erdwällen errichten. Sie sind nicht nur ein prima Spielplatz, sondern dienen als Sicht- und Lärmschutz, beanspruchen hingegen viel Platz. Man kann einen Erdwall gerade, etwa entlang der Strasse oder als Abgrenzung zum Nachbarn anlegen oder einen runden Wall mit einer Sandmulde kombinieren. Denn kein Garten für Kinder ohne Sand! Eine Sandanlage entsteht denkbar einfach. Man gräbt eine Mulde, schüttet das Material am Rand auf und gibt ohne Vlies, Folie oder Kies eine ausreichend dicke Sandschicht in die Vertiefung. Ungewaschener Sand eignet sich am besten, weil er sich feucht gut formen lässt. Als Wasserquelle reicht übrigens ein Bottich oder der Wasserhahn und mehrere Eimer.

Eine Abgrenzung der Sandmulde zur Wiese oder zum Rasen ist nicht nötig. Gegen Katzenkot hat sich ein Kunststoffvlies bewährt, das mit Balken oder kopfgrossen Steinen beschwert wird. Alex Oberholzer: "Beliebt sind auch Kiesanlagen, die wie die Sandanlage- einfach mit Flusskies oder ungereinigtem Wandkies, sogenanntem `Kies ab Wand`, der alle Gesteinsgrössen enthält, aufgefüllt werden." Man sollte nicht vergessen, für ausreichend Schatten zu sorgen. Dies erreicht man, indem man um die Sand- oder Kiesanlage Bäume oder Sträucher pflanzt. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt die Sandanlage nicht mehr gebraucht werden, kann man einen Mergelsitzplatz einrichten. Ein Garten ist kein stabiles Gebilde, und auch die Bedürfnisse der Nutzer ändern sich ständig - diesen Umständen wird mit einer solchen Gestaltung Rechnung getragen. Hügel schaffen ebenfalls Räume und sind kindgerecht. Kinder rennen gern rauf und runter, erobern ihn oder nutzen ihn als Rutschbahn. Für die Errichtung von Hügeln gibt es eine Faustregel: Für jeden Meter Höhe ist eine Breite von 1,20 Meter nötig. An einer steilen Böschung kann man mit aufgeschichteten Steinblöcken einen kleinen Kletterfelsen einrichten; wer nicht klettern mag, kann dort zumindest gut sitzen. 

Veränderbare Bauten mit Holz
In Mode sind Bauten mit Weiden. Allerdings müssen Weidenzweige mehrmals im Jahr neu verflochten und zurückgeschnitten werden, sonst schiessen die Zweige in die Höhe und kahlen aus. Baumhäuser sind ebenfalls aufwendig und werden oft gar nicht so oft genutzt. Alex Oberholzer rät zu Alternativen: Anstelle von Weidengängen oder -tipis seien Strauchhäuser oder Strauchgänge pflegeleichter, und besser als ein fertiges Baumhaus sei es, den Kindern oder Jugendlichen lange Bretter, Holzstangen und Äste zur Verfügung zu stellen. Ein Strauchhaus hat bereits auf einer geringen Fläche von zwölf Quadratmetern Platz. Mit 15 bis 20 Sträuchern, die im Kreis gesetzt werden, entsteht von alleine eine Art Häuschen, das Schutz und Spielraum bietet. Zudem kann es als Sichtschutz dienen und ist mit einem Schnitt pro Jahr pflegeleicht. Erwachsene müssten, so Oberholzer, sich mit dem "Unfertigen" anfreunden. Denn Kinder wollen tun und verändern. Sind Spielsachen oder Bauten schon fertig, verliert sich das Interesse daran oftmals schnell.

Quelle/Text: Lioba Schneemann im KidySwissfamily April 2011


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