Der grüne Däumling

Einem Bonsai beim Wachsen zuzuschauen, das ist nichts für Kinder. Aber zum Glück gibt es im Garten genug andere Pflanzen, die die Geduld der Kinder nicht strapazieren.
(Bild: wavebreakmedia ltd)
Für die meisten Kinder ist ein Garten in erster Linie ein paradiesischer Spielplatz. Wenn Eltern es richtig anstellen, können sie ihre Sprösslinge schon von klein auf auch für alles, was darin wächst, begeistern. Denn es ist schon etwas anderes, wenn die Erdbeeren vom Grossverteiler oder aus dem eigenen Garten kommen. Zu erfahren, woher das Essen stammt, ist ein sinnliches Erlebnis. Durch einen Garten lernen Kinder, das Wachsen der Pflanzen genau zu beobachten und auch Verantwortung zu übernehmen. Schliesslich wollen die Pflänzchen regelmässig und richtig gegossen werden, wenn sie sich entwickeln sollen. Anders als Erwachsene können sich Kinder allerdings wenig für die notwendigen Arbeiten begeistern, wenn sie nicht immer auch spielerisch angegangen werden. Für Erwachsene bedeutet das, Abschied nehmen von ihrem effizienten Arbeitstempo und von perfektionistischen Ansprüchen, sonst ist Frust auf beiden Seiten, bei -ihnen und beim Kind, vorprogrammiert.

Kinderleichter Einstieg
Zur Grundausrüstung eines kleinen Gärtners oder einer kleinen Gärtnerin gehören Gummistiefel, Kleidung, die schmutzig werden darf, und Handschuhe in Kindergrösse. Alle anderen Werkzeuge können von den Erwachsenen ausgeliehen werden. Am schönsten ist es, wenn ein Kind von Anfang an ein eigenes Beet, ein paar eigene Töpfe oder ein Balkonkistchen bekommt, die es unter Anleitung selber hegen und pflegen darf. Die Töpfe kann man mit kleinen Schildern versehen, auf denen nicht nur der Name der Pflanzen, sondern auch der des Kindes steht. So kann jedes Kind sofort erkennen, welches sein Pflänzchen ist. Steht dem Kind ein eigenes Beet zur Verfügung, dann sollte man darauf achten, dass es nicht breiter als zwei seiner Armlängen ist, damit es die Pflanzen von beiden Seiten her gut erreichen kann. Vor allem, wenn sich Kleinkinder im Garten aufhalten sollten, ist es wichtig, dass keine Gefahr durch giftige Pflanzen droht, wie Thuja, Buchs, Eiben, Kirschlorbeer, Herbstzeitlosen, Maiglöckchen, Eisenhut, Osterglocken, Rittersporn, Engelstrompeten oder Christrosen. Da viele Kleinkinder dazu neigen, alles in den Mund zu nehmen, was sie finden, empfiehlt es sich, auch auf die Verwendung von Schneckenkörnern zu verzichten. Kinder lieben es, in der Erde herumzuwühlen. Es braucht deshalb keine grossen Überredungskünste, damit sie im Herbst Blumenzwiebeln, zum Beispiel von Tulpen und Hyazinthen, stecken helfen. Im Frühling, wenn die Kinder schon fast vergessen haben, was sie gesetzt haben, kommen dann langsam, langsam zunächst die Blätter, dann auch die farbenfrohen Blüten zum Vorschein. Eine schöne Überraschung!

Andere Blumen wie Löwenmaul, Kapuzinerkresse, Ringelblumen, Zinnien oder Sonnenblumen wachsen schneller und bieten auch ungeduldigeren Kindern ein Erfolgserlebnis. Einjährige Blumen blühen nach der Aussaat im April den ganzen Sommer lang. Damit können die Kinder auch kleine Sträusse zusammenstellen und verschenken. Gewisse Blumen duften übrigens besonders "kinderfreundlich": Schokoladenblumen riechen, wie der Name schon sagt, nach Schokolade, wenn sie an der Sonne stehen. Die Jelly-Bean-Blume duftet nach Gummibärchen. Aber aufgepasst, beide Sorten sind zwar nicht giftig, man sollte sie aber trotzdem nicht essen.  

Tempo, Tempo!
Schöne Blumen sind gut und recht, aber die meisten Kinder sind Geniesser und deshalb haben sie vor allem Interesse an Gemüse und Früchten, die sie essen können. Auch hier sind Pflanzen, die sich schnell entwickeln, besonders beliebt, wie beispielsweise Zucchini. Sie können riesig gross werden, am besten schmecken sie jedoch, wenn sie etwa 20 bis 25 Zentimeter lang sind. Erntet man diese jungen Pflanzen, dann wachsen schnell wieder weitere nach. Das Gleiche gilt für Gurken, die ebenfalls laufend geerntet werden sollten. Lässt man die Pflanze allzu sehr wachsen, treibt sie bald keine weiteren Früchte mehr. Übrigens: Eine einzige Zucchinipflanze reicht aus, um eine ganze vierköpfige Familie eine Saison lang mit Früchten zu versorgen! Ein eigentliches Turbo-Gewächs ist Kresse. Es ist pflegeleicht und wächst sogar in Innenräumen. Wem es nicht so eilt, aber es dafür grösser und gehaltvoller mag, hält sich an Kohlrabi und Kürbis. Sie werden Mitte Mai ausgepflanzt und können im September und Oktober geerntet werden. Beide gibt es ­übrigens in rekordverdächtigen Riesenausführungen. Für den eigenen Garten tun es auch gemässigtere Sorten. Bei Kindern ebenfalls sehr beliebt sind Erbsen. Die Samen werden im April ausgesät. Schon nach zwei Wochen sieht man die ersten Triebe wachsen und im Juni bis Juli ist Erntezeit. Radiesli schmecken den meisten Kindern und sind in knapp vier Wochen erntebereit. Von April bis September kommen die Samenkörner ins Freie. Den Lohn der Arbeit kann man von Mai bis Oktober einholen.  

Mit allen Sinnen
Wenn sie das Setzen und Wachsen miterleben, wagen sich manche Kinder eher auch an Gemüse, das sie sonst nicht essen würden. Vielleicht sogar an Spinat ? vor allem, wenn es sich um Erdbeerspinat handelt. Bei diesem Gemüse werden die Blätter wie Spinat -verwendet. Nach der Blüte bilden sich rote, leckere Früchte. Erdbeerspinat ist unkompliziert und wächst sowohl im Beet als auch im Balkonkistli oder im Topf am Fenster. Auch Kräuter wie Basilikum, Salbei, Minze, Thymian oder Zitronenmelisse kann man das ganze Jahr über innen im Topf ziehen. Nach der Ernte sät man sie einfach wieder neu aus. Kinder haben eine Vorliebe für Süsses, der man im eigenen Garten - und erst noch auf gesunde Art - in Form von Früchten Rechnung tragen kann. Himbeeren, Brombeeren, Erdbeeren (Letztere gedeihen übrigens auch auf dem Balkon) und Johannisbeeren wachsen kaum so schnell, wie sie weggegessen sind. Selber zu gärtnern bringt Kinder nicht nur ein Stück Natur nah, sondern ist ein sinnliches Erlebnis, das viel Spass machen kann. Und zu erleben, wie aus einem winzigen Samen eine Pflanze entsteht, ist auch heute noch, im Zeitalter der digitalen Spielgeräte, eines der grössten Wunder des Lebens.  

Alles Gute zum Geburtstagsbaum!
Bäume wachsen nur langsam, aber es ist trotzdem eine schöne Idee, bei der Geburt eines Kindes einen Baum zu pflanzen, der mit dem Kind wächst. Apfel- oder Kirschbäume, aber auch Birken eignen sich, denn sie wachsen nicht allzu langsam. Man kann den Baum auch erst pflanzen, wenn das Kind etwas älter ist. Dann wählt man einen Baum, der so gross ist wie das Kind. An jedem Geburtstag macht man ein Foto von Kind und Baum und beobachtet, wer sich schneller entwickelt.  

Schokoladenblume oder Erdbeerspinat?
Kennen Sie die Schlangenhaargurke, die Balsambirne oder den Kapernstra Oder wie wärs mit Schokoladenblumen, Erdbeerspinat oder Süssholz? Entdecken Sie - gemeinsam mit Ihren Kindern - Pflänzchen und Blumen, die noch nicht alle kennen. Auf www.saemereien.ch gibt es eine riesige Auswahl von ausgefallenen aber auch konventionellen Gemüse-, Früchte- und Gartenblumensamen. Wer Lust auf Neues hat, findet hier auch Saatgut für Spezialitäten und Exoten sowie Pro-Specie-Rara-Samen.

Quelle/Text: Nadia Fernandez im KidySwissfamily April 2011


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