Die Rückkehr - Teil 5

9 Monate - 240?000 Kilometer - sechs Kontinente - als vierköpfige Familie unterwegs mit sechs Expeditions- und Kreuzfahrtschiffen, im Camper und im Zug rund um den Erdball. Im 5. und letzten Teil gehts von Peking bis Vancouver.
Quelle Bild: Julian und Timon vor der Diamond Princess in Alaska. (Bild: zvg)
Von Peking bis Vancouver 01.05. bis 23.05.2009. Lange waren wir unsicher gewesen, ob wir die Rückreise nach Europa in östlicher oder in westlicher Richtung weiterplanen sollten. Wir entschlossen uns schliesslich, den Pazifik nochmals zu überqueren, dieses Mal mit der Diamond Princess von Princess Cruises, von Peking über Korea und Japan, nach Russland, Alaska und Vancouver.

In China waren wir von morgens früh bis abends spät ständig unterwegs gewesen, insgesamt acht Inlandflüge, zwei längere Reisen mit dem Nachtzug, einen Kamelritt, zwei Flussfahrten sowie etliche Kilometer im Minibus. Die sieben Tage auf See für die Überquerung des Pazifiks gaben uns etwas Ruhe und Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. Dabei überschritten wir die Datumsgrenze zum zweiten Mal, diesmal in östlicher Richtung. So erhielten wir unseren Tag, welcher uns im Februar im Südpazifik gestohlen wurde, wieder zurück. Die Decks waren oft menschenleer, sodass wir uns oft fragten, wo sich die knapp 2100 Passagiere versteckt hielten. In China, Japan und Korea wurden neben einer grossen Auswahl an kostenpflichtigen Ausflügen auch kostenlose Transfers in die zum Teil doch recht weit entfernten Städte durch Princess Cruises organisiert. In Alaska suchten wir über das Internet nach individuellen Ausflugsmöglichkeiten und den Rückzug in die Natur. Die wunderschöne und zum Teil unberührte Natur liess sich aber auch während der Fahrt auf der Princess beobachten: «Gleich bei der Einfahrt in den Glacier Bay Nationalpark ent-decken wir Buckelwale. Ein Wal springt mit seiner ganzen Körperlänge aus dem Wasser. Es ist gegen 9.00 Uhr morgens und die Seehunde jagen zusammen mit den Buckelwalen nach Nahrung. Mit unserem Feldstecher halten wir auch -Ausschau nach Bären, die am Ufer nach Muscheln suchen.»

In Vancouver bestätigte eine Ultraschall-Untersuchung die Schwangerschaft unserer mittlerweile auf die Welt gekommenen Tochter «Maxima Europa». Sie war in Sydney als «blinder Passagier» auf die MS Europa gestiegen. Für Souvenirs hatten wir in unserem Gepäck keinen Platz, darum kauften wir an verschiedenen Orten Stickers, welche wir auf unsere Antarktisexpeditionsjacken nähten. Trotz ständiger Reduktion unseres Reisegepäcks machten wir uns allmählich Sorgen, wie wir unser Übergepäck für den Flug von Vancouver nach San Francisco ordnen sollten. Einen Teil des Gepäcks hatten wir von Hongkong nach Hause senden lassen. Auf dem Schiff war Übergepäck nie ein Problem und auch nicht -limitiert. Zu unserem Erstaunen kontrollierte in Vancouver niemand das Gewicht unseres Gepäcks. In San Francisco übernahmen wir ein gemietetes Wohnmobil, mit welchem wir in 21 Tagen quer durch die USA nach New York fuhren.

Von New York nach Southampton vom 19.06. bis 25.06.2009. «Die Ausfahrt aus New York mit Ausblick auf die Freiheitsstatue und den Big Apple gehört zu einem absoluten Muss eines jeden Kreuzfahrers. Es ist ein altmodisch-nostalgisches Vergnügen. Doch eines für Menschen, die genug vom wahren Luxusgut der Gegenwart haben: Zeit. Die Queen Mary 2 beeindruckt uns vor allem durch ihre Grösse, die Geschwindigkeit (30 Knoten) und die Nostalgie. Bei einem Rundgang auf Deck 7 legen wir eine Wegstrecke von über 600 m zurück. Auf den langen Aussendecks beobachteten wir die raue See und die unzähligen vorbeiziehen-den Wale des Nordatlantiks.»

Das Wiedersehen mit unseren Eltern, die am 25. Juni 2009 mit dem Flugzeug aus der Schweiz nach London reisten, rückte jeden Tag näher. Unsere zwei Buben konnten es kaum erwarten, ihre Grosseltern wiederzusehen.  

Die Rückkehr

Die Abschlusskreuzfahrt durch die Ostsee vom 27.06. bis 11.07. 2009 mit der Celebrity Constellation führte uns jetzt im erweiterten Familienkreis zu den grossen Städten des Nordens: Amsterdam, Warnemünde, Stockholm, Helsinki, St. Petersburg, Tallinn und Kopenhagen. Der Gedanke, dass unsere Reise zu Ende ging, quälte uns auf dem letzten Abschnitt der Reise. Am 16.Juli kehrten wir mit dem Zug (nach neun Monaten) mit einer Stunde Verspätung von unserer Weltreise zurück. Am Bahnhof wurden wir von unseren Freunden und Bekannten empfangen. Es regnete und es war kalt. Ein sicheres Zeichen, wieder zu Hause zu sein. Wir standen unter Schock. Wir wollten nicht zurück in ein Leben, welches vorwiegend von der Arbeit in unserer Firma geprägt war. Timon vermisste am neuen Wohnort seine ehemaligen Schulkollegen und Nachbarn. Doch uns allen richtete die bevorstehende Geburt unserer Tochter wieder den Blick nach vorne in unsere neue Zukunft. Maxima Europa kam am 2. November 2009 mittels Kaiserschnitt auf die Welt. Timon und Julian konnten Maxima gleich nach der Geburt baden, währenddem Papa bei Mama im Kreisssaal blieb.

Timon hat in seiner neuen Klasse wieder Anschluss gefunden. Er plant den Wechsel an die Sportschule Bürglen. Auch Julian möchte Fussballspieler werden, er spielt zurzeit in der U10 in Wil.

Mein Mann hat seinen Traum, Galerist zu werden, verwirklicht und eine Galerie für zeitgenössische Kunst (mit Künstlern, welche wir auf der Reise kennengelernt haben) in der Altstadt Wil eröffnet. Ich selber geniesse es einfach, Mutter zu sein und nicht mehr täglich über der Tastatur meines Computers, sondern an der Seite meines Mannes einzuschlafen.

Teil 1: Die Idee und die Planung
Teil 2: Der Aufbruch
Teil 3:
Expidition Antarktis
Teil 4: Von Valparaiso nach Hongkong

Quelle/Text: Franziska Kamm


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